# taz.de -- Neuerscheinung zu jüdischem Sport: 176 Seiten eines Balls
> Ein Sammelband liefert Einblicke, wie schwierig jüdisches Leben im
> deutschen Fußball sein kann. An Analyse mangelt es jedoch.
(IMG) Bild: Eher seltene Willkommenskultur: Transparent für die Teilnahme von Maccabi Tel Aviv am europäischen Sport
Das 2025 erschienene Buch „Juden auf dem Platz, Juden auf den Rängen“ macht
jüdische Lebenswirklichkeiten in deutschen Fußballstadien sichtbar: mit
Interviews, Erfahrungsberichten, Statements und Briefen. Das ist ein großes
Verdienst. Mängel hingegen weist der Sammelband aber auf, wenn es um
theoretische Abstraktion von [1][Antisemitismus] im Fußball geht.
Die Herausgeber sind zwei jüdische Publizisten: [2][Monty Ott],
Mitbegründer des queeren jüdischen Vereins Keshet Deutschland und Fan von
Hannover 96, und [3][Ruben Gerczikow], Fan des 1. FC Köln.
Zunächst wird der sportsoziologische Common Sense nahegebracht: dass
Fußball politisch ist. Das soziale Feld dieses Sports wird als Raum von
Diskriminierung und Exklusion beschrieben, aber zugleich auch als Feld der
Solidarität, von „Empathie und Heilung“. Als Beispiele dafür gelten die
Teilnahme des TuS Makkabi Berlin am DFB-Pokal 2023, der Umstand, dass es in
Deutschland jüdische und israelische Profifußballer und -fußballerinnen
gibt und die Diversität der Vereinsmitglieder des jüdischen Sportverbands
[4][Makkabi].
Biografische und persönliche Einblicke, was In- und Exklusion konkret
bedeuten kann, geben zwei jüdische Fans von Hertha BSC und dem 1. FC
Nürnberg. Weniger pathetisch, sondern sehr informativ liest man weiter über
Fanfreundschaften zwischen Hapoel Tel Aviv und dem FC St. Pauli oder über
israelische Fanklubs des FC Bayern München und des FSV Mainz. Das
fußballtypische emanzipatorische Potenzial gelebter Solidarität wird in
einem Interview mit dem Freundeskreis für [5][Hersh Goldberg-Polin]
deutlich. Er war ein Werder-Bremen-Fan, der am 7. Oktober 2023 von der
Hamas als Geisel genommen und später getötet wurde.
## Die Antisemitismusforschung ist weiter
Was Fußball jedoch zu einer Gelegenheitsstruktur für Antisemitismus macht,
versuchen die Autoren leider mit einem Kategoriensystem zu beantworten,
welches Fälle, Motive, Erscheinungsformen und Täter- und Opfergruppen
vermengt. Am Ende stehen etwa Kategorien wie „rechtsextremer
Antisemitismus“, oder „sekundärer Antisemitismus“ gleichbedeutend
nebeneinander.
Da ist die Antisemitismusforschung weiter. Und in diesem Fall führt es zu
Versäumnissen bezüglich des Antisemitismus aus weltanschaulich linken und
islamistischen Lagern. Die Erfahrung vieler Makkabi-Sportler, dass
antisemitische Übergriffe heute vor allem aus radikalen islamisch und
arabischen Tätergruppen kommen – wie der Verbandspräsident von Makkabi
Deutschland Alon Meyer auch in diesem Buch betont – bleibt weitgehend
unbeachtet. Gar nichts ist von den Hetzjagden gegen
[6][Maccabi-Tel-Aviv-Fans 2024] in Amsterdam die Rede oder von
Ausschlussforderungen gegen israelische Fußballteams.
Explizit wird die politische Schlagrichtung und postmodern geprägte Denke
des Buches im Schlusskapitel „Unpolitischer Sport? Einfallstor für die
extreme Rechte – oder warum es antidiskriminierende Politiken im Stadion
braucht“. Im noch zu weißen und männlichen Fußball – so die Problemanalyse
zu Antisemitismus im Fußball – fordert Herausgeber Monty Ott einen besseren
Umgang mit marginalisierten Betroffenen und wünscht „dass sich alle im
Fußball wohlfühlen“. Appelle à la „der Fußball muss“ und „wir dürfen nicht
mehr zulassen, dass …“ werden gerade zu Buchanfang und -ende oft bemüht.
Dieses Engagement ist zwar glaubhaft, bleibt aber unkonkret und wirkt
pädagogisierend und emotionalisierend.
„Juden auf den Platz, Juden auf den Rängen“ ist stark in exemplarischen
Geschichten und persönlichen Einblicken und bietet einen Überblick zum
Thema Juden und deutsch-israelische Fußballbeziehungen. Damit setzt es ein
Zeichen. Wer aber nach tiefgründigem Erkenntnisgewinn und konkreten
Forderungen zur Abschaffung von Judenhass im Fußball sucht, wird enttäuscht
werden.
26 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Clara-Sophia Müller
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