# taz.de -- Gefährliche „Ewigkeitschemikalien“: PFAS: Die Ewigkeit soll enden
> Europaparlament und EU-Chemikalienbehörde gehen gegen die
> PFAS-Stoff-Gruppe vor. Diese baut sich in der Umwelt praktisch nicht ab.
(IMG) Bild: Auch im Wasser finden sich zuweilen PFAS: Katze trinkt aus einem Wasserhahn
Schon die Bezeichnung verrät das Problem: Ewigkeitschemikalien. Es geht um
„per- und polyfluorierte Alkylverbindungen“, eine Chemikalien-Gruppe, die
unter dem Akronym PFAS zusammengefasst wird: Sie werden synthetisch
hergestellt, sind wasserabweisend, hitzebeständig, ausgesprochen stabil und
zersetzen sich deshalb in der Umwelt nicht. „PFAS gelangen fortwährend in
die Umwelt, werden dort kaum oder gar nicht biologisch abgebaut und
reichern sich im Wasserhaushalt, in der Luft, in den Böden und in der Folge
auch in der Nahrungskette an“, [1][urteilt] der Wissenschaftliche Dienst
der Bundesregierung.
„Als Konsequenz davon tragen wir alle PFAS in unseren Körpern“, erklärt der
Chemiker Thorsten Reemtsma vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung: Die
Erkenntnis, dass PFAS die Gesundheit schädigen, sei durch intensive
Forschung in den letzten Jahren stark gewachsen. „Eine [2][jüngst
veröffentlichte Studie] listet 325 verschiedene Anwendungen auf“, sagt
Reemtsma, der auch Professor für Analytische Chemie an der Universität
Leipzig ist. Pfannen, Kochgeschirr, Tischdecken oder andere Textilien sind
mit PFAS beschichtet, die Chemikalien werden in Pizzakartons, Sofabezügen,
Zahnseide, als Imprägniermittel und Korrosionsschutz eingesetzt, ohne sie
geht es heute in der Halbleiterherstellung, Automobil‑ und
Luftfahrttechnik, ja sogar in der Medizin nicht mehr. Der Wissenschaftliche
Dienst der Bundesregierung: „Schätzungen zufolge zählen zu den PFAS mehr
als 10.000 im Handel befindliche Einzelstoffe.“
Dennoch hat die ECHA, die Chemikalienbehörde der EU, an diesem Donnerstag
ein weitreichendes PFAS-Verbot empfohlen. „Die derzeit geltenden Regeln
reichen nicht aus“, erklärte die ECHA mit Sitz in Helsinki und
veröffentlichte zwei Risikoanalysen. Diese sollen Grundlage für einen
Gesetzesvorschlag der EU-Kommission werden. Und auch das Europäische
Parlament hat an diesem Donnerstag final grünes Licht gegeben, Gewässer in
der EU künftig besser vor Chemikalien wie PFAS, aber auch Pestizide und
bestimmte Schmerzmittel zu schützen. Die neuen Regeln müssen von den
Mitgliedsstaaten bis Ende 2027 in nationales Recht umsetzt werden.
Der VDMA, Lobbyverband der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer, sieht
durch ein Verbot „gesamte Produktionsprozesse im Maschinen- und Anlagenbau
gefährdet – insbesondere neue Technologien der Energiewende“. Seit Jahren
tobt eine Lobbyschlacht in Brüssel, große Chemiekonzerne wie BASF, Bayer
und Chemours kämpfen als zentrale Akteure gegen Einsatzbeschränkungen bei
den PFAS, genauso wie der Verband der Chemischen Industrie oder der
„Verband der Kunststoffverarbeiter“. Das „[3][Forever Lobbying Project]“
hatte vor Jahresfrist den Umfang aufgedeckt, mit dem Konzerne versuchen
politische Entscheidungsfindungen zu beeinflussen.
## Ausnahmen empfohlen
„Für die meisten PFAS-Anwendungen gibt es längst Alternativen“, urteilt
Julios Kontchou, Ökotoxikologe bei Greenpeace. Für die wenigen
Anwendungsfälle ohne müsse die EU Anreize schaffen, Alternativen zu
entwickeln. Tatsächlich empfiehlt jenes ECHA-Gremium, das sich mit
wirtschaftlichen Auswirkungen eines PFAS-Verbotes auseinandersetzte: Wo
Alternativen nachweislich fehlten, müsse es Ausnahmen vom Verbot geben.
26 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bundestag.de/resource/blob/1107146/pfas.pdf
(DIR) [2] https://doi.org/10.1021/acs.est.4c09088
(DIR) [3] https://foreverpollution.eu/lobbying/
## AUTOREN
(DIR) Nick Reimer
## TAGS
(DIR) Chemikalien
(DIR) Wasser
(DIR) Europäische Union
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) chemieindustrie
(DIR) Meeresverschmutzung
(DIR) Plastikmüll
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Gefährliche „Ewigkeitschemikalien“: EU-Chemiebehörde für Verbot von PFAS-Chemikalien
Die EU-Chemikalienagentur empfiehlt ein PFAS-Verbot. Ausnahmen soll es
geben, wenn Alternativen fehlen und wirtschaftliche Folgen drohen.
(DIR) Schädliche PFAS in Meerestieren: Fischbrötchen mit Ewigkeitschemikalien
Greenpeace hat in Meerestieren aus Nord- und Ostsee schädliche Chemikalien
gefunden. Schon eine Speise pro Woche gefährdet die Gesundheit laut NGO.
(DIR) Auch deutscher Umweltminister betroffen: Ewigkeitschemikalien stecken in Spitzenpolitikern
EU-Umweltminister haben ihr Blut auf Ewigkeitschemikalien testen lassen.
Bei allen wurden welche gefunden, auch beim deutschen Minister Schneider.