# taz.de -- Entsetzen in der Partyhauptstadt: Verwüstungen nach einer Abifeier
> Nach einer Party von Schüler*innen in Berlin war ein Park kurz in
> Unordnung geraten. Die große Aufregung darüber mag unsere Kolumnistin
> nicht verstehen.
(IMG) Bild: Getrunken wurde natürlich auch bei der Berliner Abifeier was, so wie hier bei diesem Symbolbild
Leute! Was war denn da los in der Partyhauptstadt Berlin? Furor, Entsetzen!
Dabei ging es eigentlich nur um, na ja: eine weitere Party. Ein paar
Hundert Schüler*innen hatten sich in der letzten Schulwoche vor den
Abiturprüfungen in einem Park zum Feiern getroffen. Der Park: Eine große
Grünfläche am Pankower Planetarium, an der einen Seite eine mehrspurige
Hauptstraße, an der anderen S-Bahn-Gleise – im Grunde rücksichtsvoll
gewählt für eine Party im öffentlichen Raum.
Die Hauptstadtpresse eskalierte. „Was als Abi-Party begann, endete mit der
Verwüstung einer kompletten Parkanlage. Erst die Polizei konnte das Treiben
von mehr als 350 Schülern am Planetarium in Prenzlauer Berg Ende der
vergangenen Woche stoppen. Zurück blieb am Freitagabend eine
Trümmerlandschaft aus zerbrochenen Glasflaschen, Getränkedosen und
Verpackungsresten“, berichtete der [1][Tagesspiegel] Ende März.
Da hatten Schüler*innen die Parkanlage bereits wieder aufgeräumt, was den
Tagesspiegel-Text in den redaktionell offenbar unbemerkten Widerspruch
führte, dass an die „Verwüstung einer kompletten Parkanlage“ nur drei Tage
nach dem Fest „nichts mehr“ erinnere.
Ganz erstaunlich, was Berlins Abiturient*innen so können, oder? Oder nicht:
Ich war nicht vor Ort, aber ein Freund, der kurz nach der Party Fotos auf
Instagram postete. Ganz ehrlich, das sah aus wie jede innerstädtische
Berliner Grünanlage nach einem sonnigen Wochenende. Was in der Regel nur
dann zu Aufruhr führt, [2][wenn dafür „Migrant*innen“ verantwortlich
gemacht werden] – eine Bevölkerungsgruppe, deren Anwesenheit im Stadtbild
leider immer mehr Leute ebenso stört wie die von Jugendlichen.
Natürlich ist nicht nichts passiert: Es wurde laut Musik gespielt, es seien
Böller gezündet, Flaschen geworfen, gar Polizisten angegriffen worden,
berichtete sogar der Spiegel. Tatsächlich kam die Polizei, tatsächlich
wurden 5 Personen kurzzeitig festgenommen: „Tatsächlich ist unklar, ob es
sich bei den Angreifern aus der Partymenge um Schüler oder externe
Teilnehmer handelte“, machte ausgerechnet Berlins Boulevardblatt BZ
fairerweise deutlich.
Er habe seine Schüler*innen darum gebeten, dass „gern auch in Abstimmung
mit umliegenden Schulen“ die Wiese gereinigt werde, zitiert der
Tagesspiegel den Leiter eines wiesennahen Gymnasiums am Montag nach der
Feier. Die Schüler*innen hätten ihm daraufhin mitgeteilt, dass dies bereits
am Vortag eigenständig organisiert worden und die Wiese gereinigt sei.
Vorangegangen war der Aufräumaktion ein „Ausmaß an Rücksichtslosigkeit, das
sprachlos macht“, um die Pankower Lokalpolitikerin Manuela Anders-Granitzki
selbst zu zitieren. Zwar habe sie großes Verständnis dafür, dass
Schüler*innen den Abschluss ihrer Schulzeit feiern wollten, sie werde aber
„nicht tatenlos zusehen“, wenn dabei Grünanlagen verwüstet würden:
„Vermitteln Sie Ihren Schülern, dass Freiheit und Verantwortung untrennbar
zusammengehören“, forderte die Christdemokratin. Als Ordnungsstadträtin
trägt sie Verantwortung für Grünanlagen.
Leute! School’s out! Abi! Einmal im Leben! Und überhaupt: Jugendliche!
Freiheit, Verantwortung und gegenseitige Rücksichtnahme – das wäre eine
runde Sache. Drei Jahre lang sind die jetzigen Schulabgänger*innen
[3][unter Coronabedingungen aufgewachsen], mit denen gerade Kindern und
Jugendlichen große Rücksicht abverlangt wurde – ohne sie dabei je nach
ihren Bedürfnissen zu fragen. Rund ein Viertel der Jugendlichen in Berlin
wächst in Armut auf – die können sich Feiern in Clubs gar nicht leisten.
Gönnt ihnen doch auch mal ein Stück von unserem gemeinsamen öffentlichen
Raum: Sie gehören dazu! Und sie haben es wirklich verdient.
15 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/pankow/abi-party-mit-verwustung-flaschenwurfen-und-pyros-erst-partyexzess-dann-das-grosse-putzen--berliner-schuler-raumen-auf-15389915.html
(DIR) [2] /Schwerpunkt-Rassismus/!t5357160
(DIR) [3] /Schwerpunkt-Coronavirus/!t5660746
## AUTOREN
(DIR) Alke Wierth
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