# taz.de -- Berlins marode Brücken: Masterplan statt Master-Disaster
       
       > Umdenken bei der Brückenpolitik: Mit fast zwei Milliarden Euro will der
       > Senat bis 2040 rund ein Fünftel der Tragwerke neu bauen oder sanieren.
       
 (IMG) Bild: Das schnelle Handeln nach der Sperrung der Ringbahnbrücke mit Abriss und zügiger Ausschreibung gilt als vorbildhaft
       
       Akute Brückensperrungen von einem Tag auf den anderen? Nur mit Notlösungen
       zu bewältigende Staus? Nadelöhre wie [1][die Elsenbrücke mit
       Dauerproblemen] und mehrfach verschobener Eröffnung? Der schwarz-rote Senat
       meint, solchen Szenarien in Zukunft ein Ende machen zu können. Ein
       „Masterplan Brücken 2025 bis 2040“, den die Landesregierung am Dienstag
       beschlossen hat, setzt auf mehr Schnelligkeit und soll mehr Geld als bisher
       in Neubau und Sanierung stecken.
       
       1.047 Brücken gibt es nach offiziellen Angaben in Berlin, zahlreiche seien
       den heutigen Anforderungen nicht mehr gewachsen. „Nur 19 Prozent der
       Brücken befinden sich in einem guten oder sehr guten Zustand“, war am
       Dienstag in der Pressekonferenz nach der Senatssitzung von Andreas Kraus zu
       hören, Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Verkehr und Umwelt.
       
       Dem nun beschlossenen Masterplan zufolge sollen in den nächsten 14 Jahren
       175 dieser mehr als tausend Brücken neu gebaut werden, also fast jede
       Fünfte. Bei 125 weiteren soll es größere Instandsetzungsmaßnahmen geben.
       All das soll systematisch und vorausschauend passieren. Und nicht erst
       wegen akut auftretender Schäden, die zu einer plötzlichen Totalsperrung
       führen.
       
       Im Kern soll es darum gehen, weniger bürokratisch vorzugehen und die Dauer
       der Bauarbeiten genauso zu verkürzen wie den Vorlauf für Planungs- und
       Genehmigungsverfahren. Deren jetzige Länge gab Staatssekretär Kraus mit
       „mindestens zehn Jahre“ an. Wie in zahlreichen anderen Bereichen soll auch
       hier Digitalisierung eine große Rolle spielen.
       
       ## 1,84 Milliarden Euro für 300 Projekte
       
       Mit dem bisherigen Vorgehen und Tempo ließe sich das Programm laut Senat
       nicht stemmen. Jährlich seien 10 Brücken zu ersetzen, aktuell seien es nur
       4 bis 6. Man stehe vor „einem grundsätzlichen Wechsel in der
       Brückenbaupolitik des Landes“. Kosten sollen diese rund 300 Brückenprojekte
       bis 2040 rund 1,84 Milliarden Euro, von denen mehr als 90 Prozent auf die
       Ersatzneubauten entfallen.
       
       Laut Staatssekretär Kraus ist das alles [2][trotz großer Haushaltsprobleme]
       bezahlbar. Im aktuellen Doppelhaushalt 2026/2027 sei dafür bereits ein
       doppelt so hohen Betrag wie in früheren Jahren vorgesehen. Der Senat wolle
       aber auch andere Geldquellen anzapfen. „Da hilft auch das Sondervermögen“,
       sagte Kraus. Außerdem will der Senat private Geldgeber hinzuholen – wobei
       der Staatssekretär bestritt, dass das zu einer Brückenmaut führen könnte.
       
       Übergeordnetes Ziel des Senats soll die Verlässlichkeit und Planbarkeit
       sein. Kraus ging am Dienstag so weit, ein Versprechen abzugeben. „Die
       Bürger können sich darauf verlassen, dass wir weniger kurzfristig in
       Brückensperrungen hinein kommen.“
       
       Als herausragendes Beispiel dafür, wie es – in diesem Fall bei einer
       plötzlichen Sperrung – weit schneller gehen kann, gilt die Ringbahnbrücke
       der Stadtautobahn im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Die war vor fast
       genau einem Jahr mit der Westendbrücke plötzlich wegen Rissen gesperrt
       worden.
       
       ## Entscheidungen binnen Tagen statt Monaten
       
       Die nachfolgenden Entscheidungen bis hin zum Abriss, für die sonst Monate
       erforderlich waren, trafen die [3][Senatsverwaltung für Verkehr und die
       gleichfalls beteiligte Autobahn GmbH], die Deutsche Bahn und das
       Bundesverkehrsministerium binnen weniger Tage. Bis zur Auftragsvergabe für
       den Neubau vergingen nur vier Monate statt der üblichen zwölf. Erfolgreich
       war zuletzt auch der Ansatz, Unternehmen für schnelleres Bauen zu belohnen.
       
       24 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Elsenbruecke/!5531040&s=elsenbr%C3%BCcke+sperrung/
 (DIR) [2] /Haushaltsschlusrunde-im-Abgeordnetenhaus/!6139566
 (DIR) [3] /Teilsperrung-der-A100/!6075003
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Alberti
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwarz-rote Koalition in Berlin 
 (DIR) Verkehr
 (DIR) Sanierung
 (DIR) Ute Bonde
 (DIR) Treptow-Köpenick
 (DIR) Verkehrswende
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Brückennotstand in Berlin: Zerbröselnde Flaschenhälse
       
       Schlechtes Material beim Bau und viel zu große Verkehrsbelastung: Kein
       Wunder, dass viele Berliner Brücken der Reihe nach den Geist aufgeben.
       
 (DIR) Brücken-Schrott im Berliner Südosten: Berlin endlich mal erstklassig – wenn auch nur im Abreißen
       
       Die stark geschädigte Brücke an der Wuhlheide wird schneller abgerissen als
       gedacht. Bereits Ende kommender Woche sollen wieder Trams fahren können.
       
 (DIR) taz.berlin-Adventskalender (14): Brücken verbinden
       
       Die Elsenbrücke am Ostkreuz ist seit Montag gesperrt. Eine Umleitung lässt
       zunächst auf sich warten. Fußgänger:innen kommen noch über die Spree.