# taz.de -- Erneuerbare Energien: Engpässe im Stromnetz nicht mehr ganz so teuer
> Ein Grund war das schwache Windjahr 2025. Zugleich müssen immer mehr
> Photovoltaikanlagen zeitweise abgeschaltet werden.
(IMG) Bild: Engpässe auf den unteren Netzebenen, Solaranlage im bayrischen Straubing
Die Betreiber von [1][Windkraft]- und Solaranlagen haben im vergangenen
Jahr Entschädigungen in Höhe von fast 435 Millionen Euro erhalten, weil ihr
Strom aufgrund von Netzengpässen nicht abgeführt werden konnte. Das geht
aus einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Anfrage des
Abgeordneten Dietmar Bartsch von den Linken hervor.
Im Vergleich zum Jahr 2024 sind die Entschädigungszahlungen um rund 120
Millionen Euro gesunken. Das lag neben einigen Netzausbauten vor allem
daran, dass 2025 ein schwaches Windjahr war. Der bisherige Rekordwert der
Entschädigungen ergab sich 2023 mit 580 Millionen Euro, dem Jahr mit der
bisher höchsten Windstromerzeugung.
Die geografische Verteilung der Entschädigungen verschiebt sich gerade
massiv. An der Spitze der Empfänger stand im Jahr 2025 erstmals Bayern mit
165 Millionen Euro, entsprechend 38 Prozent der Entschädigungen, gefolgt
von Niedersachsen mit 28 Prozent und Schleswig-Holstein mit 12 Prozent. In
Hamburg und Berlin war keine Entschädigung nötig, in Bremen nur eine sehr
geringe, weil in großen Städten der Strom in der Regel direkt in der Nähe
verbraucht wird, hier also kaum Netzengpässe auftreten.
Das Vorrücken Bayerns, das 2024 in der Länderstatistik noch hinter
Niedersachsen (40 Prozent) und Schleswig-Holstein (27 Prozent) auf Platz
drei stand (16 Prozent), macht deutlich, wie sehr die Photovoltaik
inzwischen zu einem wesentlichen Verursacher von Netzengpässen geworden
ist.
## Linke für schnelleren Netzausbau
Nach Zahlen der Bundesnetzagentur mussten alleine im vergangenen August 474
Millionen Kilowattstunden Photovoltaik wegen fehlender Infrastruktur
abgeregelt werden – ein Rekordwert und mehr als doppelt so viel, wie im
Vergleichsmonat des Vorjahres. Auch alle anderen Monate von März bis
September 2025 brachten Rekordwerte. Bis September gingen im Jahr 2025
bereits mehr als 2,5 Milliarden Kilowattstunden Solarstrom durch fehlende
Netze verloren, nachdem es im gesamten Vorjahr knapp 1,4 Milliarden gewesen
waren. Im Sommerhalbjahr entfiel damit die Hälfte der sogenannten
Redispatch-Maßnahmen, die von erneuerbaren Energien ausgelöst wurden, auf
die Photovoltaik.
Dass nun vor allem die Solarenergie als Auslöser von Netzengpässen in
Erscheinung tritt, verändert auch den Blick auf den Netzausbau, der sich in
der Vergangenheit häufig nur um die großen Trassen von Nord nach Süd
drehte: „Zunehmend rücken neben dem Übertragungsnetz auch die
Verteilernetze in den Fokus“, erklärt die Bundesnetzagentur. Durch den
starken Zubau dezentraler Erneuerbare-Energien-Anlagen entstünden „vermehrt
Engpässe auf den unteren Netzebenen“.
Der Linken-Abgeordnete Bartsch forderte nach der Veröffentlichung der
2025er-Zahlen, Deutschland müsse künftig „jede Kilowattstunde ins Netz
bringen“. Das aber ist eine Kostenfrage, denn der Netzausbau ist teuer, und
seit Jahren bereits steigen die Netzentgelte. Im Jahr 2026 gelang es nur
durch Subventionen in Höhe von 6,5 Milliarden Euro einen weiteren Anstieg
zu verhindern.
23 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Bernward Janzing
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