# taz.de -- Ausbau der Erneuerbaren in Gefahr: Reiche forciert Pläne für Energiewende-Reform
> Die Ministerin gibt die Entwürfe für zwei umstrittene Vorhaben ans
> Kanzleramt weiter. Erneuerbaren-Branche und Grüne fürchten eine
> Ausbaubremse.
(IMG) Bild: Bleibt von der Kritik an ihren Plänen zur Zukunft der Energiewende unbeeindruckt: Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU)
Bundeswirtschaftsministerin [1][Katherina Reiche (CDU)] will angesichts
steigender Energiepreise aufgrund des Irankriegs weder die Bürger:innen
entlasten noch den Ausbau der Erneuerbaren weiter vorantreiben – aber an
ihren umstrittenen Plänen für die mutmaßliche Bremsung der Energiewende
hält sie fest. Ihre Entwürfe für die Reform des
Erneuerbaren-Energie-Gesetzes (EEG) und das sogenannte Netzpaket sind in
die Frühkoordinierung ins Kanzleramt gegangen, heißt es aus Kreisen des
Wirtschaftsministeriums. Danach erfolgt die Abstimmung mit anderen
Ministerien.
Infolge des Irankriegs steigen die Preise für Sprit, Heizöl und Gas.
Ökonom:innen fürchten, dass damit die Inflation beschleunigt wird. In
Asien herrscht wegen [2][der Sperrung der wichtigen Handelsroute Straße von
Hormus] bereits Öl- und Gasmangel. Das ist in Europa noch nicht der Fall.
Das dürfte sich aber ändern, wenn der Krieg anhält. Reiche hat klargemacht,
dass sie keine Eingriffe in die Preisbildung oder Entlastungen für
Bürger:innen für nötig hält. Der Antwort auf eine Kleine Anfrage der
Grünen zufolge sieht sie auch keinen Anlass, wegen der heraufziehenden
Energiekrise den Ausbau der Erneuerbaren zu forcieren. Eine Korrektur an
ihren umstrittenen Plänen für die künftige Finanzierung der Erneuerbaren
und einen eingeschränkten Zugang zum Stromnetz hält sie ebenfalls nicht für
nötig. Im Gegenteil: Das Ministerium treibt das Vorhaben jetzt voran.
Reiche steht unter Zeitdruck. Ende des Jahres läuft die bisherige
EEG-Regelung aus. Die EU muss den neuen Regelungen zustimmen. Bislang hat
die christdemokratische Ministerin auf EU-Ebene eher unglücklich agiert.
Der vorgesehene Bau neuer Gaskraftwerke ist noch immer nicht mit Brüssel
abgestimmt, obwohl auch hier erheblicher Zeitdruck besteht, wenn der
Kohleausstieg nicht gefährdet werden soll.
Gelten würden die geänderten Regeln nur für neue Anlagen, nicht für
bestehende. Treffen würde Reiches Reform unter anderem jene, die eine
Dachsolaranlage installieren wollen. Bislang erhalten sie für Strom, den
sie ins Netz einspeisen, über 20 Jahre eine feste Vergütung. Das soll
wegfallen. Stattdessen sollen sie den Strom selbst vermarkten. Die
Ministerin ist der Auffassung, dass sich der Betrieb einer Dachsolaranlage
auch ohne feste Einspeisevergütung lohnt. Um Betreiber:innen zur
Installation eines Speichers zu zwingen, sollen kleinere Solaranlagen nur
noch bis zu 50 Prozent ihrer Kapazität ins Netz einspeisen können. Die
Kombination von Photovoltaik und Speichern solle zum Standard werden, heißt
es aus Kreisen des Wirtschaftsministeriums.
## Keine Entschädigung bei Stillstand mehr
Auch für Betreiber:innen von großen Erneuerbaren-Projekten sind
erhebliche Änderungen geplant. Bislang gilt: Wird eine Wind- oder
Photovoltaikanlage abgestellt, etwa weil das Netz den produzierten Strom
nicht aufnehmen kann, gibt es eine Entschädigung. Die sogenannten
Redispatchkosten werden auf die Verbrauchenden umgelegt. Diese Regelung
ermöglicht Projektierern eine tragfähige finanzielle Kalkulation, die im
Gespräch mit Banken für die Finanzierung einer Anlage wichtig ist. Die von
Ministerin Reiche gewünschte Änderung: Sie will einen
„Redispatch-Vorbehalt“. Das heißt: Die 866 örtlichen Netzbetreiber in
Deutschland sollen Gebiete als „kapazitätslimitiert“ ausweisen, in denen
absehbar ist, dass der Strom von Erneuerbaren vom Netz nicht aufgenommen
werden kann. In diesen Gebieten sollen Anlagenbetreibende bei einer
Abriegelung keine Entschädigung mehr bekommen. Um welche Gebiete es dabei
geht, ist unklar. Erreicht werden soll mit der Neuregelung, dass der
Netzausbau und die Errichtung neuer Anlagen synchronisiert werden, heißt
es. Der Ausbau des Hochspannungsnetzes dauere zehn Jahre, der einer
Photovoltaikfreiflächenanlage zwei.
Auch für den Netzanschluss sollen neue Regeln kommen. Heute haben Anlagen
einen Anspruch darauf. Künftig sollen die Netzbetreiber entscheiden, wer
einen Anschluss bekommt.
## Erneuerbaren-Branche läuft Sturm
[3][Die Pläne sind bereits durch Leaks bekannt.] Die Erneuerbaren-Branche
läuft Sturm dagegen. Ihre Vertreter:innen – auch christdemokratische
wie Ursula Heinen-Esser, die frühere NRW-Umweltministerin und heutige
Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie – warnen vor einem
Ausbremsen der Energiewende. Die Branche will in der kommenden Woche eigene
Vorschläge für eine Optimierung der Energiewende vorlegen.
Dass Reiche an ihren Plänen festhält, sei „Ausdruck einer erstaunlichen
Beratungsresistenz“, sagt der frühere grüne Wirtschaftsstaatssekretär Sven
Giegold. „Das ist eine Zubau-Bremse per Gesetz.“ Reiche sorge dafür, dass
Erneuerbare-Anlagen unwirtschaftlich werden. „Sie will unkalkulierbare
Risiken auf Investoren verlagern“, kritisiert er. Würden die Pläne
umgesetzt, hätten Investoren keine Kontrolle mehr über die
Rahmenbedingungen für ihre Projekte.
21 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Energiepolitik-von-Katherina-Reiche/!6157093
(DIR) [2] /Strasse-von-Hormus/!6159021
(DIR) [3] /Reform-des-Erneuerbare-Energien-Gesetzes/!6158554
## AUTOREN
(DIR) Anja Krüger
## TAGS
(DIR) Energiewende in Gefahr
(DIR) Energiewende
(DIR) Katherina Reiche
(DIR) Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)
(DIR) Erneuerbare Energien
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Ölpreis
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Teuerungen aufgrund des Iran-Kriegs: Was kommt da auf uns zu?
Der Irankrieg treibt die Spritpreise nach oben. Im Gegensatz zu anderen
Staaten unternimmt Deutschland kaum etwas zur Entlastung der Bürger:innen.
(DIR) Preise für Benzin und Diesel: Wien reagiert auf hohe Spritkosten, Berlin so gut wie nicht
Österreich senkt die Spritsteuer, Deutschland die Frequenz der
Preiserhöhung an der Tankstelle. Am Donnerstag berät der Bundestag das
Gesetzespaket.
(DIR) Abhängigkeit von Öl und Gas: In der fossilen Falle
Der Krieg zeigt: Die Energiewende ist auch volkswirtschaftlich notwendig.
Ausgerechnet jetzt setzt die Regierung auf einen klimapolitischen Rollback.