# taz.de -- Norouz in Kriegszeiten: Wo genau soll dieser Neuanfang sein?
> Am 20. März war Norouz, das Neujahrsfest, das vor allem für viele
> Kurd*innen Widerstand bedeutet. Hoffnung zu haben, fällt dieses Jahr
> schwer.
(IMG) Bild: Zahlreiche Menschen feiern im Rebstockpark in Frankfurt am Main das kurdische Neujahrs- und Frühlingsfest Norouz
Es fällt mir gerade besonders schwer, Hoffnung zu haben. Dabei war am
Freitag Norouz, das Neujahrsfest, das viele Völker und Millionen Menschen
weltweit begehen. Ein Fest, das für Neuanfang steht, und gleichzeitig den
Beginn des Frühlings markiert. Ein Fest für das Licht nach der Dunkelheit.
Und hier sitze ich und frage mich: Wo genau soll dieser Neuanfang gerade
sein?
Es ist Krieg in der Region, in der Norouz gefeiert wird. In Iran zählt die
Menschenrechtsorganisation HRANA inzwischen mehr als 1.300 zivile Tote seit
Kriegsausbruch. Auch in Afghanistan fallen weiter Bomben. Die Autonome
Region Kurdistan im Irak wird vom iranischen Regime angegriffen. [1][In
Rojava stehen Kurd*innen unter Belagerung] durch das syrische Regime.
Millionen Menschen sind gerade auf der Flucht. Es ist, als würde sich die
Gewalt durch die Region ziehen wie ein roter Faden.
[2][Und dann kommt Norouz]. Eigentlich ein Moment, in dem man innehält und
durchatmet. Ein Fest, das gerade für viele Kurd*innen immer auch
Widerstand bedeutet. Gegen Unterdrückung, gegen Auslöschung, für Freiheit.
Ein Fest, das sagt: Wir sind noch da. Auch für Iraner*innen ist das Fest
politisch geworden.
Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem Hoffnung beginnt: als
Entscheidung. Denn während ich darüber nachdenke, ob es überhaupt
angebracht ist, zu feiern, sehe ich die Bilder aus diesen Ländern.
Menschen, die trotz allem Norouz begehen, die Feuer entzünden, die tanzen.
Menschen, die sich weigern, sich die Hoffnung nehmen zu lassen. Sie wissen
genau, was auf dem Spiel steht. Aus Prinzip Hoffnung zu haben, ist dort
eine Überlebensstrategie.
Und vielleicht ist das die unbequeme Wahrheit: Dass Hoffnung nicht dann
entsteht, wenn alles gut ist, sondern genau dann, wenn nichts gut ist. Wenn
sie schwerfällt oder sich fast falsch anfühlt. Dieses Jahr fühlt sich
Norouz nach Schmerz und Ohnmacht an, aber vielleicht liegt genau hier die
Hoffnung: sich trotzdem zu entscheiden, weiterzumachen, weiter hinzusehen,
weiter laut zu sein, weiterzukämpfen. Auf die eigene Weise. Und vielleicht
ist genau das der Anfang von etwas Neuem.
22 Mar 2026
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(DIR) Daniela Sepehri
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