# taz.de -- Die Gefahren des Klimawandels: Klimaparadies in Kempten?
> Laut Klima-Risikoindex soll keine Stadt Deutschlands die Auswirkungen der
> Klimakrise so wenig zu spüren bekommen wie Kempten im Allgäu.
(IMG) Bild: Soweit alles prima in Kempten im Allgäu?
Kempten im Allgäu ist nicht nur die südlichste kreisfreie Stadt
Deutschlands, sie ist auch der beste Ort, um die nächsten Jahrzehnte
Klimakrise auszusitzen. Das verlautbart zumindest der Klima-Risikoindex.
Diese [1][Untersuchung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW)] in
Kooperation mit der Ergo-Versicherung besagt, dass keine andere deutsche
Stadt so wenig von den durch die Klimakrise immer häufiger auftretenden
Extremwetterereignissen betroffen sein wird.
Im Allgäu traut man dieser Einschätzung nicht so ganz. „Als Stadt haben wir
uns natürlich erst mal gefreut, dass wir bei dem Bericht gut abgeschnitten
haben“, sagt Thomas Weiß, der Klimaschutzmanager der Kommune. Klimarisiken,
mit denen auch Kempten zu kämpfen hat, fallen ihm trotzdem einige ein.
„Vergangenes Jahr gab es ziemlich dramatische Überschwemmungen, bei denen
ein ganzer Ortsteil abgesoffen ist“, sagt er.
Stürme und Starkregen seien die größten Gefahren. Mit der Hitze käme man
hingegen relativ gut zurecht. „Weil wir die Iller als Kühlschrank haben“,
sagt Weiß. Der Fluss, der mitten durch die Stadt fließt, bringt kaltes
Wasser aus den Alpen und nächtliche Abkühlung.
## Tornados als drittgrößte Gefahr
Seine Beobachtungen decken sich weitgehend mit den Daten des IW-Berichts.
Dieser sieht nach Sturm und Starkregen ausgerechnet Tornados als die
drittgrößte Gefahr für Kempten. Wobei sich das Wirbelsturmrisiko bis 2050
nicht nennenswert verstärkt. Schon heute soll es bei 4,42 von 10 möglichen
Punkten liegen.
Christian Schoch von den Freien Wählern hat im Allgäu noch keinen Tornado
erlebt. Vor knapp zwei Wochen gewann der 42-Jährige [2][die Stichwahl zum
Kemptener Oberbürgermeister.] Auch aufgrund seiner Positionen zum
Klimaschutz, wie er selbst meint. „Für mich steht das Thema weniger aus
ideologischer, sondern mehr aus existenzieller Sicht auf der
Prioritätenliste“, sagt Schoch. Auch er fremdelt ein wenig mit dem Fazit
des IW-Berichts: „Wenn Kempten wissenschaftlich die Stadt ist, in der die
Klimaauswirkungen am wenigsten spürbar sind, dann können sich die anderen
Städte ziemlich warm anziehen.“ Auch in Kempten sei der Klimawandel schon
heute deutlich zu spüren. Wetterdaten bestätigen das. Laut dem Deutschen
Wetterdienst lag die Durchschnittstemperatur in Kempten im vergangenen Jahr
2,1 Grad über dem historischen Schnitt. Nur an 35 Tagen konnte die Stadt,
die auch vom Wintertourismus lebt, zumindest einen Zentimeter Schnee
bieten. Vor 30 Jahren war das durchschnittlich dreimal so lang.
Dass diese Entwicklung zu Herausforderungen führen wird, scheint in Kempten
schon lange Konsens zu sein. Und das, obwohl über Jahrzehnte die CSU im
Rathaus saß, die sonst selten mit Klimaschutzappellen auffällt. „Wir sind
hier im Allgäu einfach parteiübergreifend sehr naturverbunden“, erklärt
Schoch. Außerdem habe man eine starke [3][„Fridays for Future“-Bewegung] in
der Stadt, die ihre Forderungen bis in den Stadtrat trage. Für Klimathemen
hätten sich meist Mehrheiten zwischen SPD, Grünen und Freien Wählern
gefunden. Die CSU habe sich selten quer gestellt.
Bis 2035 möchte die Stadt nun klimaneutral werden. „Das ist natürlich ein
hehres Ziel“, sagt Klimaschutzmanager Weiß. Die ganze Kommune arbeite „mit
Elan“ an der Umsetzung, dennoch sei er skeptisch, ob man die Zielsetzung
erreichen könne. Den neuen Bürgermeister Schoch interessiert das Ziel
sowieso wenig: „Mir geht es nicht um Klimaneutralität, sondern darum, aus
jeder Maßnahme das Maximum herauszuholen.“ Er wolle Klimaschutz mit
„Fingerspitzengefühl“ umsetzen, also ohne die Menschen zu verärgern. Ein
generelles Tempolimit von 30 lehne er beispielsweise ab. Er befürchte, die
Wirtschaft könne schrumpfen, wenn Menschen aus Frust nicht mehr mit dem
Auto in die Stadt fahren.
Zumindest über eine Gefahr müssen sich die Kemptener:innen so bald
keine Sorgen machen. Das Sturmflutrisiko prognostiziert das IW auch 2050
auf null. Auf 674 Metern über dem Meeresspiegel sollte das auch erst mal so
bleiben.
7 Apr 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/johannes-ewald-hanno-kempermann-welche-regionen-besonders-vom-klimawandel-bedroht-sind.html
(DIR) [2] /Stichwahlen-in-Bayern/!6165218
(DIR) [3] /Schwerpunkt-Fridays-For-Future/!t5571786
## AUTOREN
(DIR) Jannik Hiddeßen
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