# taz.de -- Chuck Norris ist tot: Der einen Nachruf auf den Tod schreibt
> Bekennend konservativ, Kampfsportler und Action-Film-Star, aber auch
> früher ein Internet-Phänomen als alle anderen. Jetzt ist Chuck Norris
> gestorben.
(IMG) Bild: „Good guys wear black“ – Chuck Norris 1978
Am Ende ging es ziemlich schnell. Freitagfrüh erst hatten auch deutsche
Medien berichtet, dass Chuck Norris tags zuvor auf der Insel Hawaii ins
Krankenhaus gekommen war. Das Wort vom „medizinischen Notfall“ machte die
Runde, und dass der eben erst 86 Jahre alt gewordene
Unter-anderem-Schauspieler guter Dinge sei und kurz zuvor noch trainiert
habe.
Womit zwei wesentliche Säulen Norris'scher Bekanntheit Erwähnung gefunden
hätten. Zum einen die Leinwand. Oder in seinem Fall eigentlich eher das
[1][Fernsehgerät mit Videorecorder]. Sein Ruhm auch in westdeutschen
Kleinstadt-Jugendzimmern ist nicht erklärbar ohne den Siegeszug der
VHS-Kassette (und von zuverlässigen B- und C-Ware-Lieferanten wie den
Cannon-Studios).
Zum zweiten der Sport, und bei Chuck Norris heißt das: Kampfsport. In
gleich fünf Spielarten trug er den Schwarzen Gürtel, aber Norris hatte auch
zwei eigene Schulen begründet, von denen dann wohl nur aus technischen
Gründen eine nicht nach ihm benannt war.
Stärke und Stehvermögen, das war aber auch, was seine Filmkarriere prägte,
die ja nicht zufällig mit einer Nebenrolle bei Bruce Lee in Fahrt gekommen
war. Söldner hat Norris gespielt und die Grenzen sichernde Texas Rangers,
die natürlich aus ganz anderem Holz geschnitzt waren als der heute unter
„ICE“ firmierende Mob. Er gab Soldaten und unehrenhaft entlassene ehemalige
Soldaten, die aber eigentlich im Recht waren, und im Unrecht die
vermaledeite Bürokratie.
Ob ihm je ein Wort wie „Disruption“ unterm Markenzeichen-Schnäuzer
hervorkam, ist unklar. Aber mit dem Konzept, das heute Tech-Milliardäre im
Mund führen, dürfte Norris etwas anzufangen gewusst haben.
## Reagan als „starker Führer“
Am selbst lange schauspielernden US-Präsidenten Ronald Reagan bewunderte
der 1940 in eine Arbeiterklassenfamilie geborene Norris die Geradlinigkeit,
und dass jener „ein starker Führer“ sei. „Ich mag starke Führer“, so Norris
1985 in einem Interview. Das Sich-Durchsetzen gegen ein überkommenes,
Möglichkeiten regulierendes System: eine Rechtschaffenheit, die jedes
formulierte Spießer-Recht übertrumpft, ein stabiles Gerüst von Loyalitäten
„gegenüber meinem Gott, meinem Land, der Familie und meinen Freunden“.
Der bekennende Konservative – mehr denn Republikaner – passte in die
reagangeprägten 80er. Seine Figuren waren Einzelgänger und Mavericks,
Regelverletzer mit dem Herz am (im Wortsinn) rechten Fleck; die
Super-Popularität Stallones und Schwarzeneggers hat er vielleicht nicht
erreicht, aber Hanseln wie van Damme oder Seagal steckte er immer in die
Tasche, was (auch mal toxische) Coolness anging.
Norris passte aber auch ins Internet-Zeitalter, überlebte insofern etliche
Zeit- und Bildschirmgenossen. In den 2000er Jahren schon umgab ihn ein
eigenes Witz-Genre, beziehungsweise eines der „ältesten
[2][Internet-Memes], die noch lebendig sind“, so die taz [3][zu Norris' 80.
Geburtstag]. Aus dem Haudrauf-household name wurde ein Platzhalter für ins
Absurde getriebenes Durchhaltevermögen, übermenschliche Stärke,
einzigartige Männlichkeit. Beispiel gefällig? „Das Universum dehnt sich
nicht aus; es läuft vor Chuck Norris davon.“ Oder: „Chuck Norris schläft
nicht. Er wartet.“
Norris hatte mit einigen Verästelungen wohl seine Probleme, so wollte er
nicht mal ironisch mit Gott verglichen werden, dafür war er dann doch noch
zu old school US-konservativ. Aber er griff den Ball auf, spielte das nur
vor dem Hintergrund des Internets zu verstehende Spiel mit. Darin war
Norris heutiger als der Konservatismus vor Donald Trump, den Norris gelobt
hat, ebenso wie den ungarischen Schmalspurdemokraten Viktor Orbán.
## Mal aufräumen mit dem Scheißsystem
Wäre er jünger, hätte man sich Norris sehr wohl auch in der Rolle eines
ICE-Menschenjägers vorstellen können. Oder gleich als einen ein wenig
unfreiwillig ins Weiße Haus gelangten, mithin so ganz anderen Präsidenten,
der mal aufräumt mit dem Scheißsystem. Dass Donald Trump Norris' Namen
postum auf irgendein Gebäude schreiben lässt – oder gleich in großen
Buchstaben in den Hügeln über Hollywood errichten: Es wäre nur konsequent.
Nur Stunden nach den Krankenhaus-News gab Norris' Familie [4][auf ihrem
Instagram-Account] bekannt, dass er noch am Donnerstag verstorben sei: ein
„hingebungsvoller Ehemann, liebender Vater und Großvater, unglaublicher
Bruder und überhaupt das Herz unserer Familie“. Auf den Fluren der taz
wurde die Todesnachricht am Freitag konsequenterweise so kommentiert:
„Chuck Norris ist gar nicht tot, er schreibt gerade einen Nachruf auf den
Tod.“
20 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Alexander Diehl
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