# taz.de -- Schauspieler Chuck Norris wird 80: Ein Mann, ein Meme
       
       > Der US-Schauspieler und -Kampfkünstler Chuck Norris hat Geburtstag. Warum
       > hat ein Mann, der so egal ist, sein eigenes Witz-Genre?
       
 (IMG) Bild: Kalifornien 1978: Chuck Norris in seinem Garten
       
       BERLIN taz | Für alle, die noch nicht mit dem Prinzip „Chuck-Norris-Witz“
       vertraut sind – es ist ziemlich simpel. Man dreht die realen Verhältnisse
       einfach um und unterstellt, dass sie im Fall von Chuck Norris genau
       andersherum gelten. Der Chuck-Norris-Witz zählt wohl zu den ältesten
       [1][Internet-Memes], die noch lebendig sind. Und der Mann, um den es
       kreist, ist auch noch lebendig, genauer gesagt wird er heute 80: Chuck
       Norris.
       
       Chuck Norris macht keine Liegestütze, er drückt die Erde nach unten. Chuck
       Norris wird nicht nass, das Wasser wird Chuck Norris. Bären wünschen sich
       Norriskräfte. Und so weiter. Wenn man möchte, kann man noch einen Verweis
       auf den Roundhouse-Kick einbauen.
       
       Chuck Norris ist eigentlich nicht weiter bedeutend, gäbe es die Witze über
       ihn nicht, würde man ihn kaum als Promi bezeichnen. Kampfkünstler, rechter
       Evangelikaler und zweitklassiger Schauspieler aus drittklassigen TV-Serien:
       nicht gerade ein Typ, von dem man annimmt, dass er Geschichte schreibt.
       Aber vielleicht ist genau das der Grund, warum Chuck-Norris-Witze
       funktionieren.
       
       Chuck Norris, eigentlich Carlos Ray Norris, erlangt Anfang der 70er Jahre
       Berühmtheit durch eine Nebenrolle in einem Bruce-Lee-Film. Es folgen zwei
       Jahrzehnte lang Auftritte in Actionfilmen und schließlich die Hauptrolle in
       der US-Fernsehserie „Walker, Texas Ranger“. Mittlerweile ist es stiller um
       ihn geworden, ab und zu hat er einen Cameoauftritt im Fernsehen oder macht
       dadurch von sich reden, dass er Viktor Orbán einen duften Typ findet.
       
       ## Witz als Denksport
       
       Der Chuck-Norris-Witz wiederum entsteht zu Beginn der 2000er, mit dem
       Beginn der sozialen Medien (damals noch „Web 2.0“ genannt). Warum
       ausgerechnet über ihn Unbesiegbarkeitswitze gemacht werden, lässt sich
       heute ebenso wenig rekonstruieren wie der Ursprung der meisten anderen
       Memes.
       
       Aus irgendeinem Grund [2][ist die Figur Chuck Norris in sich ikonisch
       genug], um als kultureller Kleber für einen Witz zu funktionieren, der fast
       unendlich verändert und angepasst werden kann. Wahrscheinlich funktioniert
       die Übermenschlogik der Witze gerade deshalb, weil der echte Chuck Norris
       ziemlich egal ist.
       
       Ohnehin geht es in Chuck-Norris-Witzen nicht um Chuck Norris. Eigentlich
       sind es nicht einmal Witze. Sondern es ist Denksport. So wie die meisten
       Memes laden sie die Leser*in ein, das Grundprinzip zu verstehen und es sich
       in Form neuer Witze zu eigen zu machen. Chuck-Norris-Witze sind, wenn sie
       gut sind, tagesaktuell oder fangen den Zeitgeist ein. Deswegen muss man
       sich ständig neue Chuck-Norris-Witze ausdenken.
       
       Außer natürlich Chuck Norris, der hat alle Chuck-Norris-Witze schon gehört.
       
       10 Mar 2020
       
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