# taz.de -- Zeichnerin über Wechseljahre: „Viele Frauen sehen klarer“
       
       > Rinah Lang hat mit „Peri Meno“ eine Graphic Novel über die Wechseljahre
       > veröffentlicht. Für die Illustratorin war das gleich eine doppelte
       > Befreiung.
       
 (IMG) Bild: Menopause: lange völlig unterrepräsentiert
       
       taz: Rinah Lang, wie funktioniert eine Lesung mit Comic? 
       
       Rinah Lang: Mit Beamer. Bild für Bild, während ich lese. Es fühlt sich dann
       ein bisschen an wie eine Animation. Ich lese aus drei Teilen des Buches,
       dazwischen ist meistens ein Gespräch.
       
       taz: Wie erleben Sie Ihre Lesereise? 
       
       Lang: Ich bin sehr glücklich. Bei den Signierstunden auf der Leipziger
       Buchmesse kamen unterschiedlichste Frauen – und auch Männer. Manche lesen
       durch das Buch zum ersten Mal Comic. [1][Andere haben darüber erfahren,
       dass sie gerade in den Wechseljahren sind] – die wussten das vorher gar
       nicht. Der Comic richtet sich gerade auch an jüngere Frauen, weil es
       wichtig ist, dass sie mehr darüber wissen, bevor sie in die
       Hormonumstellung kommen.
       
       taz: Sind Sie selbst die Hauptfigur im Buch? 
       
       Lang: Ja, ziemlich eins zu eins. Es ist persönlich geschrieben, und genau
       das war mein Anliegen: eine persönliche Erzählung und ein Sachthema
       verbinden. Ich finde, es gibt dabei nichts, für das man sich schämen
       sollte. [2][Alle Frauen kommen in die Wechseljahre] und wir finden viel
       schneller Antworten, wenn wir uns austauschen. Ungefähr ein Drittel hat
       kaum oder keine Symptome, aber zwei Drittel haben eben mittlere bis starke
       Beschwerden.
       
       taz: Was hat Ihnen zum Beispiel geholfen? 
       
       Lang: Ich habe irgendwann gemerkt, dass mich kleine Routinen im Alltag
       plötzlich überfordern, zum Beispiel, wenn ich viel Stress hatte. Stress ist
       ein Faktor, der es dem Körper schwerer macht, die Hormonschwankungen der
       Perimenopause auszugleichen. In sehr stressigen Phasen fand ich es etwa
       plötzlich schwieriger, mir nebenbei zu überlegen, was ich abends kochen
       soll. Mir war das unangenehm vor meinem Partner. Es trotzdem anzusprechen,
       obwohl er genauso häufig kocht, hat gleich Druck rausgenommen.
       
       taz: Schlafstörungen, Herzrasen, depressive Stimmung: Sie beschreiben
       unangenehme Symptome. Gibt es auch etwas Positives in dieser Phase? 
       
       Lang: Viele Frauen berichten, dass sie durch die Auseinandersetzung mit
       sich selbst wieder mehr bei sich ankommen. Sie kriegen vom Körper
       rückgemeldet, was Sache ist: wo sie sich im Alltag falsch eingerichtet
       haben oder Kompromisse nicht den eigenen Bedürfnissen entsprechen. Sie
       sehen klarer, was sie wollen und was ihnen guttut. Es wird weniger wichtig,
       was andere von uns denken – spätestens ab der Postmenopause. Es ist eine
       spannende Lebensphase, weil sie die Möglichkeit birgt, neue Interessen zu
       entwickeln oder alte Leidenschaften wiederentdecken.
       
       taz: Welche Lücke füllen Sie mit dem Comic? 
       
       Lang: Das Thema war lange völlig unterrepräsentiert und ist ja noch immer
       auch unterbeleuchtet in der Medizin. Es bekommt jetzt zwar mehr
       Aufmerksamkeit, aber in der Versorgung hat sich noch gar nichts verändert:
       Frauenärzt:innen können für die Beratung pro Patientin nur 16,80 Euro
       pro Quartal abrechnen. Die Zeit kann ja gar nicht reichen, wenn eine Frau
       Beschwerden hat. Als mir das erste Mal richtig zugehört wurde, habe ich vor
       Erleichterung fast geweint. Wenn außerdem Hormonersatztherapie in Erwägung
       gezogen wird, braucht es Zeit für Aufklärung und Begleitung zu
       unterschiedlichen Beschwerden, Vorerkrankungen, verschiedenen Präparaten
       und individueller Dosierung.
       
       taz: Was muss passieren? 
       
       Lang: Wir können nicht erwarten, dass sich Ärzt:innen weiterbilden, wenn
       sie die Beratung aus eigener Tasche zahlen müssen. Alles, was über sieben
       bis zehn Minuten pro Quartal hinaus geht, können sie nicht abrechnen.
       [3][Da muss politisch etwas passieren.]
       
       taz: Warum haben Sie Ihr eigenes Buch geschrieben? 
       
       Lang: Es war mein Weg aus einer doppelten Krise: Beruflich, weil die
       künstliche Intelligenz meinen Job als Illustratorin größtenteils zerlegt
       hat. Und aus einer persönlichen Krise, weil ich mit bestimmten Symptomen
       vor einem Rätsel stand. Kein Einzelfall bin, wie ich jetzt rückgemeldet
       kriege.
       
       6 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Wechseljahre/!6065978
 (DIR) [2] /Privilegierter-Feminismus/!6001803
 (DIR) [3] /Wechseljahre-als-Thema-im-Bundestag/!6042395
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Alina Götz
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Menopause
 (DIR) Graphic Novel
 (DIR) Medizin
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Schwerpunkt #metoo
 (DIR) Biografie
 (DIR) Wechseljahre
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Frauen in den „mittleren Jahren“: Die Gelassenheit des Stinkefingers
       
       Nicht mehr jung, noch nicht alt: Wie funktioniert das? Ziemlich gut, findet
       Katja Kullmann – und schickt einen Gruß aus dem total interessanten
       Dazwischen
       
 (DIR) Wechseljahre: Ich glaube, ich mag mich so sehr wie noch nie
       
       Die Wechseljahre beginnen mit einem leisen Grollen. Sind sie es? Oder
       nicht? Mitten im Hormonchaos weiß man dann oft nicht, wo oben und unten
       ist.
       
 (DIR) Wechseljahre als Thema im Bundestag: Ein Antrag für neun Millionen Frauen
       
       Die Union im Bundestag fordert eine „Menopausen-Strategie“,
       Ampelpolitikerinnen zeigen sich zumindest offen. Was soll sich ändern?