# taz.de -- Ramadan in Hamburg: Warum mache ich das?
> Seit neun Jahren macht unser Autor Ramadan in Deutschland. Jetzt, wo der
> Fastenmonat für ihn in Hamburg zu Ende geht, hat er gemischte Gefühle.
(IMG) Bild: Am ersten Tag des Ramadan gemeinsam Iftar zu Hause in Hamburg
In den letzten Tagen ist für viele Muslim*innen der Ramadan zu Ende
gegangen– auch hier in Hamburg, wo circa 150.000 Muslim*innen leben. Für
viele ist es eine besondere Zeit im Jahr, auf die sie sich lange freuen.
Ich habe schon [1][mehrmals in dieser Kolumne] und anderswo darüber
geschrieben, wie und warum sich Ramadan für mich in Deutschland anders
anfühlt. Ich habe mich dabei vor allem um die Frage gedreht: Wie findet der
Ramadan seinen Platz in der deutschen und in meiner Hamburger Gesellschaft
– und geht dabei etwas verloren?
Hier in Deutschland muss sich der Fastenmonat in einen Alltag integrieren,
der von Geschwindigkeit, Effizienz und Leistung geprägt ist. In meinem
Verständnis steht Ramadan aber für Geduld, Enthaltsamkeit und einen
bewussten Umgang mit dem, was fehlt.
[2][Die letzten Jahre] habe ich festgestellt, dass eine zunehmende
Kommerzialisierung des Ramadan der Versuch ist, eine Brücke zwischen diesen
zwei Polen zu schlagen.
## Hasskommentare unter Ramadan-Post von Edeka
Nach neun Jahren Ramadan in Deutschland stelle ich fest: Erst fand ich, er
wurde ignoriert, dann konsumierbar gemacht – aber beides verfehlt, was er
mir und vielen Muslim*innen eigentlich bedeutet.
Dieses Jahr versuche ich also darüber zu reflektieren, wie ich diesen
Ramadan in Hamburg erlebt habe. Zum einen habe ich mehr Fenster oder
Haustüren gesehen, die geschmückt sind. Ich habe bemerkt, dass mein Kind
den Ramadan zum ersten Mal wahrnimmt.
Andererseits startete der Monat (in den sozialen Medien) mit einer Welle
von negativen, zum Teil hasserfüllten Kommentaren unter einem
[3][Facebook-Post der Supermarktkette Edeka], mit dem das Unternehmen einen
guten Start in den Ramadan wünschte.
All das bewegt mich. In den letzten Jahren hat der Ramadan für mich so viel
vom Sozialen und Feierlichen verloren, das ihn eigentlich ausmacht. Das
gemeinsame Erleben, das viele aus ihren familiären Herkunftsländern kennen,
fehlt. Fasten wird dadurch zu etwas sehr Persönlichem und manchmal sogar zu
etwas Einsamem.
## Liegt im Hinterfragen des Fastens eine Stärke?
Ich werde häufiger gefragt und muss mich dadurch selber fragen: Warum mache
ich das eigentlich?
Dabei, und das nur mal so am Rande, sind Muslim*innen und ihre Feste gar
nichts Neues in Hamburg. Schon im 18. Jahrhundert kamen Muslime als Händler
und Matrosen in die Stadt. Später, in den 1960er und 1970er Jahren, wuchs
die Community durch Arbeitsmigration, danach durch Fluchtbewegungen stark
an.
Zurück zu dem Warum und Wie: Vielleicht liegt im Hinterfragen selbst auch
eine Stärke. Wer begründen muss, warum er fastet, denkt wiederholt darüber
nach, was das Fasten bedeutet. Und aus diesem Nachdenken entstehen manchmal
neue Formen von Gemeinschaft: Iftar-Abende, zu denen auch Nichtfastende
kommen. Abendessen-Einladungen, die vielleicht nicht den Traditionen
entsprechen, aber liebevoll gemeint sind. Momente, in denen Ramadan nicht
erklärt werden muss, weil er einfach geteilt wird. Neue Versuche, neue
Traditionen, die auch zu Hamburg gehören wollen.
Ramadan in Hamburg bedeutet für mich zunehmend beides: Dass ich mich
manchmal unsichtbar fühle und gleichzeitig den Wunsch habe, sichtbarer und
stolz sein zu wollen.
22 Mar 2026
## LINKS
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(DIR) [3] https://www.wa.de/verbraucher/gruss-zu-ramadan-erhitzt-die-gemueter-debatte-eskaliert-edeka-94180722.html
## AUTOREN
(DIR) Hussam Al Zaher
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