# taz.de -- Nachruf auf Musikerin Bettina Köster: Klare und kalte Königin des Noise
> Mit Mania D und Malaria! schrieb sie Postpunk- und NdW-Geschichte.
> Nachruf auf Bettina Köster, deren sonore Stimme die unterkühlte Ästhetik
> der 1980er symbolisierte.
(IMG) Bild: Und am Mikrofon Bettina Köster: die Berliner Frauenband Malaria! 1982 live auf der Documenta 7 im Friedericianum, Kassel
Der Ort ein Darkwave-Club zwischen Anchorage und Sydney, die Stunde eine
späte, der Sound der eines Eisperlenspiels: Eine Minute dauert das Intro
des Songs, aber schon nach wenigen Takten wird sich die Tanzfläche füllen.
Die Nachtschwärmer eröffnen ihren Reigen, ziehen sich an, stoßen sich
wieder ab und finden einander, als eine sonore Frauenstimme den Raum füllt:
„Über meine Hände / Über meine Arme / Über meine Schultern / Über meine
Beine / Über meine Schenkel / Über meine Brust“. „Kaltes klares Wasser“
heißt der Song.
Sein Text stammt von Bettina Köster. Der Song ist ein Dauerbrenner des
kühlen Genres Postpunk und es ist auch die Signatur, mit der [1][die
Westberliner Band Malaria!] zumeist assoziiert wird.
Wie viele signature songs der Popgeschichte verdeckt auch „Kaltes klares
Wasser“ andere, faszinierende und ähnlich stilprägende Stücke, von denen
das Œuvre von Malaria! etliche bereithält. Bettina Köster, die Inhaberin
der souveränen Stimme, kam 1959 im ostwestfälischen Herford zur Welt und
ging in den späten Siebzigerjahren nach Westberlin. In der exzentrischen
Exklave, deren Sonderstatus eine nur dort denkbare Kunstszene möglich
machte, studierte Köster an der Hochschule der Künste und spielte ab 1978
in der Experimentalband Din A Testbild Saxofon, also ein Instrument, das
nicht unbedingt für breitbeiniges Rockertum steht.
Mit den Musikerinnen Karin Luner, [2][Beate Bartel], Eva Gössling und
[3][Gudrun Gut] gründete Köster zunächst das All-Girl-Bandprojekt Mania D
und ging mit ihm in eine Stadt, die ihrem Land auch enthoben schien, nach
New York. Zurück in Berlin eröffneten Köster und Gut 1979 den Mode-, Kunst-
und Musikladen „Eisengrau“ im damaligen Szenebezirk Schöneberg.
Auf dem gleichnamigen Cassettenlabel erschien 1980 in einer Auflage von
zwölf Exemplaren ein Kassettenalbum mit 1979 entstandenen Aufnahmen von
Köster, Blixa Bargeld, N. U. Unruh und Susanne Hörbiger, auf dem Cover und
in der Tracklist ein Titel: Einstürzende Neubauten. Die Auflagen wurden
bald größer und die Neubauten männlich.
## Westberliner Mythos
1981 rief der britische Radio-DJ John Peel vier Tage vor der Hochzeit von
Lady Diana Spencer und Prince Charles die Berlinerinnen von Mania D zu
„Queens of Noise“ aus. Die Band gab es da schon nicht mehr. Im Januar 1981
hatten Bettina Köster und Gudrun Gut Malaria! gegründet. Mit Manon Duursma
(Nina Hagen Band), Christine Hahn (The Static / Glenn Branca) and Susanne
Kuhnke (Die Haut) wurden Malaria! zum Quintett und sollten Aura und Klang
des Westberliner „Geniale Dilettanten“-Mythos maßgeblich prägen.
Dass von dieser Stilistik Sinnlichkeit nicht zu trennen ist, bleibt eines
der Verdienste von Malaria! und mit ihnen Bettina Kösters.
1982 spielte Bettina Köster in Rosa von Praunheims FSK-16-Film „Rote
Liebe“. In der Besetzungsliste steht „sie selbst“. Die Story basiert auf
der Novelle „Wassilissa Malygina“ der sowjetischen Frauenrechtlerin und
Diplomatin [4][Alexandra Kollontai,] veröffentlicht 1923, als die
Revolution noch Revolution war. Bettina Köster steht zu, was auch Kollontai
zugestanden wurde, nämlich, dass nach ihr ein Himmelskörper benannt wird.
Bis dahin sei festgehalten, dass Köster, die sich selbst als „nicht binär“
bezeichnete, nach einer ausgedehnten New-York-Residenz, nach Filmarbeiten
und Forschungen zu Burma mit der Regisseurin Isabel Hegner, 2009 mit ihrem
Solo-Debütalbum „Queen of Noise“ die ihr verliehene Krone noch einmal
behauptete. 2017 ließ sie das Album „Kolonel Silvertop“ folgen. Auf ihm
singt Köster Hugo Wieners Liebeserklärung an die vergnügliche
Liederlichkeit, das Couplet „Der Novak“, 1960 von der Bundesprüfstelle mit
dem Vermerk „Achtung! Verkauf an Jugendliche verboten“ geadelt. Eine gute
Wahl!
Am 16. März ist Bettina Köster, die so ziemlich alles richtig gemacht und
noch den Kalten Krieg erlebt hat, im süditalienischen Capaccio Paestum im
Alter von 66 Jahren gestorben.
18 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Robert Mießner
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