# taz.de -- Organisatorin über Liebe via Powerpoint: „Wir schaffen nicht nur einen Ort zum Daten“
> Bessere Quote als Bumble: Flinta* stellen Single-Friends mit einem Pitch
> vor. Wieso es dabei auch um Safe Spaces geht, erklärt Nina Weßling.
(IMG) Bild: In den USA, hier auf einer Veranstaltung in Minnesota, heißt das Powerpoint-Dating: Pitch-A-Friend
taz: Nina Weßling, Sie veranstalten seit vergangenem Herbst immer wieder
Dating-Events in Hamburg. Dabei stellen Flinta* ihre single Freund:innen
mit Powerpoint-Präsentationen einem Publikum vor. Warum stehen die Singles
bei „Pitch Me, Baby!“ nicht selbst auf der Bühne?
Nina Weßling: Ich fände es total komisch, mich selbst vorzustellen und zu
sagen: Hello, ich bin toll und single! Obwohl das bei den
[1][Online-Dating-Profilen] eigentlich genau so funktioniert. Aber auf
einer Bühne ist das nochmal eine andere Überwindung. Da tendieren viele
dazu, sich selbst ein bisschen herunterzuspielen.
taz: Was ist anders, wenn Freund:innen einen beschreiben?
Weßling: Freund:innen können viel besser erkennen, was einen ausmacht.
Und warum es toll ist, mit der Person eine Beziehung zu führen, egal auf
welcher Ebene. So wertschätzend, wie sie über einen sprechen, würde man
selber wahrscheinlich nie über sich reden. Und als zuschauende Person
bekommt man auch direkt einen Einblick: Mit was für Menschen umgibt sich
die Person und wie gehen die miteinander um? Das gibt es beim Online-Dating
nicht.
taz: Hat die Vorstellung durch Freund:innen nicht auch das Potenzial,
dass es peinlich werden kann?
Weßling: Nee. Alle, die hier jemanden vorstellen, wünschen der Person
schließlich ein Match. Tatsächlich habe ich mich beim letzten Mal auch
vorstellen lassen. Zu sehen, wie meine Freund:innen mich wahrnehmen, das
war überhaupt nicht peinlich, sondern einfach nur toll.
taz: Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie auf der Bühne die Präsentation
über sich selbst gesehen haben?
Weßling: Vorab habe ich mir Gedanken gemacht, ob das nicht komisch
aussieht, wenn ich das Event veranstalte und selber gepitcht werde. Aber
als ich da saß und gesehen habe, wie viel Mühe meine Freund:innen sich
gegeben haben, war ich richtig berührt. Ich habe nur noch gedacht: Oh Gott,
ist das süß!
taz: Und hat sich danach jemand bei Ihnen gemeldet?
Weßling: Ja, danach kam jemand auf mich zu. Wir haben dann unsere Nummern
ausgetauscht und daten aktuell.
taz: Wissen Sie auch von anderen Teilnehmenden, bei denen aus einem
Powerpoint-Pitch mehr geworden ist?
Weßling: Beim letzten Dating-Event wurden zehn Singles vorgestellt. Acht
von ihnen haben nach der Veranstaltung jemanden gedated. Meine beste
Freundin hat so tatsächlich ihre Partnerin gefunden! Beim ersten
Powerpoint-Dating habe ich sie als Single vorgestellt. Nach dem Pitch haben
die beiden sich kennengelernt und sind seitdem ein Paar.
taz: Was hat Sie dazu bewegt, ein Dating-Event nur für Flinta* zu machen?
Weßling: [2][Räume nur für Flinta*] fehlen in Hamburg komplett. Soweit ich
weiß, gibt es keine einzige Lesbenbar. Deswegen habe ich den
[3][Instagram-Account Flinta*Stica] ins Leben gerufen. Erst waren das nur
einzelne Veranstaltungen für Flinta*, mittlerweile organisiere ich
regelmäßig Treffen. Damit schaffen wir nicht nur einen Ort zum Daten. Hier
können Leute aus der Community sich generell kennenlernen und austauschen.
taz: Und wie nimmt die Community das an?
Weßling: Das Dating-Event läuft seit Beginn richtig gut. Beim ersten Mal
sind über 180 Menschen gekommen, der Saal war komplett voll. Beim letzten
Mal musste ich leider sogar ein paar nach Hause schicken. Es ist auch okay,
wenn nicht jede:r von ihnen glaubt, die große Liebe über Powerpoint zu
finden. Manche freuen sich einfach auf einen schönen Abend mit ihren
Freund:innen.
26 Mar 2026
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