# taz.de -- Professorin über das Quanteninternet: „Wichtig, dass die Technologie früh zugänglich gemacht wird“
> Quanten-was? Stephanie Wehner klärt darüber auf, was es mit dem
> Quanteninternet auf sich hat – und wie dadurch unsere Kommunikation
> sicherer wird.
(IMG) Bild: Ganz so einfach ist es nicht, ganz im Gegenteil: Das Quanteninternet ist zwar kompliziert, kann aber für mehr Sicherheit sorgen
taz: Frau Wehner, Quanteninternet – klingt ganz schön kompliziert. Ist es
das auch?
Wehner: Leider ja. Es ist natürlich kompliziert, weil es Quanten beinhaltet
und wir in unserer Erfahrungswelt nicht mit Quanten umgehen. Aber sagen wir
es mal so: Es ist sehr kompliziert, eines zu bauen, vielleicht nicht so
kompliziert zu verstehen, was damit möglich ist.
taz: Was sind denn Quanten? Und wie unterscheidet sich das Quanteninternet
vom „normalen“ Internet?
Wehner: Klassische Information beruht auf Nullen und Einsen. Statt dieser
klassischen Information wird im Quanteninternet Quanteninformation
verschickt, in Form von Quantenbits. Die können in einem gewissen Sinne
null und eins gleichzeitig sein und bestimmte Eigenschaften aufweisen, die
klassische Bits nicht haben.
taz: Und wofür kann man das nutzen?
Wehner: Auf verschiedene Weisen. Zum Beispiel kann keine Kopie von den
Quantenbits erstellt werden. Im Gegenteil – man kann sogar herausfinden, ob
jemand versucht hat, den Quantenbit zu kopieren. Das ist einer der Gründe,
warum das Quanteninternet eine gute Lösung für [1][Sicherheitsprobleme]
ist.
taz: Wie muss ich mir das vorstellen? Ist das Abhören gar nicht mehr
möglich, oder kann ich es nur nicht mehr verheimlichen?
Wehner: Eigentlich beides. Aber es beruht darauf, dass man es nicht mehr
verheimlichen kann. Klar, würde ich direkt die Daten schicken, die ich
eigentlich schützen möchte, dann könnte ich zwar merken, dass mich jemand
abgehört hat, aber dann ist es ja eigentlich schon zu spät.
taz: Was macht man stattdessen?
Wehner: Man kommuniziert nicht die Daten direkt, sondern verschickt zuerst
zufällige Informationen und schaut, ob jemand probiert, zuzuhören. Wenn ich
feststelle, dass niemand zugehört hat, dann kann ich aus den Daten, die ich
kommuniziert habe, eine sichere Verschlüsselung bauen. Die kann ich dann
verwenden, um wirklich sicher zu kommunizieren.
taz: Ist das Quanteninternet also absolut abhörsicher?
Wehner: Da möchte ich ein bisschen differenzieren, Absolutismen sind ja
immer etwas gefährlich. Das Quanteninternet kann natürlich nicht davor
schützen, dass jemand in ein Haus einbricht und dort alle Daten klaut. Das
Absichern bezieht sich hier auf jemanden, der Zugang zu dem
Kommunikationskanal hat, über den wir gerade kommunizieren. Da ist es in
der Tat sicher.
taz: Ist das Quanteninternet eine radikale Neuerung?
Wehner: Ich würde es in gewisser Weise schon als etwas radikal Neues
beschreiben. Aber die Idee ist nicht, dass es das klassische Internet
ersetzt. Wenn ich nur einen Film schauen möchte, ist sehr unklar, warum ich
das mit Quanteninternet tun sollte. Insofern gehen wir schon davon aus,
dass das Quanteninternet und das normale Internet parallel existieren.
taz: Ist das Quanteninternet denn schneller?
Wehner: Das ist eine gute Frage. Schneller bezieht sich dabei auf zwei
verschiedene Dinge. Angenommen, ich kann ein Quantenbit gleich schnell
verschicken wie klassische Bits. Bestimmte Kommunikationsprobleme können
mit exponentiell weniger Quantenbits gelöst werden als mit klassischen
Bits, also ja. Nur, wie lange dauert es, ein Quantenbit zu verschicken?
Zurzeit noch länger als ein klassisches Bit.
taz: Hat diese ganze Geschichte dann überhaupt Relevanz für Normalos vor
ihren Laptops?
Wehner: Das finde ich auch eine sehr spannende Frage. Ich könnte ja zum
Beispiel meinen, ich müsste zu Hause nicht mit der gleichen Sicherheit
kommunizieren wie anderswo. Das ist vielleicht ein bisschen
Geschmackssache. Bei anderen Sachen, die mit dem Quanteninternet möglich
sind, finde ich es sehr wichtig, dass diese Technologie schon sehr früh
zugänglich gemacht wird. Das [2][traditionelle Internet] ist ja auch nicht
durch irgendwelche Akademiker entstanden, die sich im stillen Kämmerchen
überlegt haben: Wir brauchen jetzt [3][Tiktok]. Sondern durch Leute, die
bestimmte Ideen hatten, Probleme, die sie gerne lösen möchten und sich dann
ausprobiert haben.
22 Mar 2026
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