# taz.de -- Kommunalwahlkampf in Südafrika: Kalte Dusche für den ANC
> In Johannesburg und der Provinz Gauteng droht der früheren
> Befreiungsbewegung ANC der Machtverlust. Die ehemals weiße Opposition DA
> punktet mit der zunehmenden Wasserknappheit.
(IMG) Bild: „Ihr habt kein Wasser“: Das neue Oppositionswahlplakat gegen den ANC an einer Autobahn nahe Pretoria
Noch gibt es für die nächsten Kommunalwahlen in Südafrika Ende 2026 oder
Anfang 2027 nicht einmal einen Termin, aber in Johannesburg und der
umliegenden Provinz [1][Gauteng] ist der Wahlkampf in vollem Gange. Die
ehemalige Befreiungsbewegung ANC (African National Congress) und die
ehemalige weiße Oppositionskraft DA (Democratic Alliance) [2][regieren
Südafrika zwar gemeinsam], aber in der wichtigsten Provinz des Landes
beharken sie sich gnadenlos.
Ein neues DA-Wahlplakat empört jetzt den ANC. Es zeigt Gautengs
ANC-MInisterpräsidenten [3][Panyaza Lesufi], wie er im Anzug unter der
Dusche steht. „Der ANC duscht im Hotel, ihr habt kein Wasser“, steht dazu,
und daneben: „Wählt DA für Wasser in eurem Hahn.“
Die Inspiration für das Plakat bot eine Aussage Lesufis zum Höhepunkt der
jüngsten Wasserknappheit, als er sagte, er habe vor einem wichtigen Termin
zum Duschen ins Hotel eingecheckt. Er wollte damit als volksnah erscheinen,
aber für die Opposition hat er damit die schlechte Versorgungslage der von
ihm regierten Hauptstadtprovinz zum Normalzustand erklärt – mit Privilegien
für sich selbst.
„Dieses Plakat sagt Panyaza Lesufi, dass eine solche Missachtung der
Bevölkerung Gautens inakzeptabel ist“, sagte DA-Provinzchef Solly Msimanga,
Bürgermeister der Hauptstadt Pretoria zwischen 2016 und 2019. „Kein
Einwohner kann ein Hotelzimmer buchen, bloß um unter die Dusche zu gehen.
Die Regierung hat versagt, wenn die Leute zu Hause kein Wasser haben.“
## „Opportunistische Kampagne“
Der ANC wirft der Opposition eine „opportunistische Kampagne“ vor. „Während
die Menschen verständlicherweise frustriert über die unzuverlässige
Wasserversorgung sind, was an alternder Infrastruktur, steigender Nachfrage
und Lieferschwierigkeiten liegt, entscheidet sich DA für Theater“, so die
Partei. „Eine komplexe infrastrukturelle Herausforderung auf ein
Marketingspektakel zu reduzieren, ist zutiefst unsensibel.“ Außerdem solle
DA sich lieber um Ungleichheit, Unsicherheit und Infrastrukturprobleme in
der von ihr regierten Provinz Western Cape um Kapstadt kümmern.
[4][Helen Zille], die deutschstämmige ehemalige DA-Ministerpräsidentin von
Western Cape und Bürgerfmeisterin von Kapstadt, will bei den Kommunalwahlen
Bürgermeisterin von Johannesburg werden, größte Stadt Gautengs und
Südafrikas. Sie [5][weist ANC-Forderungen, das Wahlplakat wieder
zurückzuziehen, zurück]. „Stattdessen würden wir Lesufi vorschlagen, sich
genauso eifrig um die Wasserkrise zu kümmern wie um dieses Wahlplakat“,
sagte sie.
Zille steht umgekehrt in der Kritik, seit sie Ende Februar im großen
Township Soweto bei Johannesburg das lokale Derby zwischen Südafrikas
Fußballriesen Kaizer Chiefs und Orlando Pirates in einer Kneipe verfolgte
und den Sieg der Pirates mit einem Bier feierte. Mzwanele Manyi, ein
früherer Regierungssprecher und heute in der linken Oppositionskraft MK
(uMkhonto weSizwe) des aus dem ANC ausgetretenen Expräsidenten Jacob Zuma,
äußerte daran scharfe Kritik. „In Johannesburg wollen wir keinen
Bürgermeister, der mit Alkohol feiert, angesichts der Alkoholprobleme in
unseren Townships“, sagte er.
Helen Zille stellte daraufhin klar, dass das Bier alkoholfrei war.
16 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://de.wikipedia.org/wiki/Gauteng
(DIR) [2] /Bilanz-der-Grossen-Koalition-in-Suedafrika/!6059474
(DIR) [3] https://en.wikipedia.org/wiki/Panyaza_Lesufi
(DIR) [4] https://de.wikipedia.org/wiki/Helen_Zille
(DIR) [5] https://x.com/Our_DA/status/2029547615222673917
## AUTOREN
(DIR) Tintswalo Baloyi
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