# taz.de -- IOC führt Geschlechtertests wieder ein: Kulturkampf wird olympische Disziplin
> Frauen müssen sich künftig vor Olympia einem Geschlechtertest
> unterziehen. Grundlage für die Entscheidung ist eine konstruierte
> Bedrohung.
(IMG) Bild: Regiert mit harter Hand: IOC-Präsidentin Kirsty Coventry hat den „Schutz des Frauensports“ ganz oben auf ihre Agenda gesetzt
Die Rolle rückwärts ist vollbracht. Neun Monate wurde sie einstudiert. Am
Donnerstag konnte [1][Kirsty Coventry], die Präsidentin des Internationalen
Olympischen Komitees, sie erstmals vorführen. Von nun an, so verkündete
sie, müssen sich Frauen wieder einem Geschlechtertest unterziehen. Diesen
hatten die Sportverbände einst in den 1960er Jahren obligatorisch
eingeführt, ehe er in den späten 1990er Jahren vom IOC als rückständig
bewertet und abgeschafft wurde.
Anfangs schaute das medizinische Fachpersonal noch in die Hosen, künftig
soll ein einmaliger Speicheltest klären, wer denn wirklich eine Frau ist.
Menschen mit intergeschlechtlichen Anlagen und einem Y-Chromosom sollen
schon bei den nächsten Olympischen Sommerspielen 2028 genauso wenig
antreten dürfen wie trans Sportlerinnen.
Überrascht dürfte von der Entscheidung niemand sein. Schon der Name der
Arbeitsgruppe, die Kirsty Coventry wenige Monate nach ihrer Wahl im
vergangenen Juni einsetzte, gab das Ergebnis vor: „Working Group on the
Protection of the Female Category“. Dass der Sport von trans Frauen und
intergeschlechtlichen Menschen, deren Anteil im Leistungssport im
Promillebereich liegt, bedroht ist, war bereits eine kühne Grundannahme.
Den Ausschluss von Sportlerinnen nun als ein Ergebnis zu präsentieren, das
auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse gefällt wurde, die in der
Arbeitsgruppe zusammengetragen wurden, zeugt von einer gewissen
Unverfrorenheit. Der Ausschluss ist vielmehr Ergebnis eines Kulturkampfes,
der auch den Sport erreicht hat und [2][besonders intensiv bei den
Olympischen Spielen 2024 in Paris entbrannte.]
## Thema im US-Wahlkampf
Über die zwei Boxerinnen Imane Khelif aus Algerien und Lin Yu-ting aus
Taiwan wurde damals jede Menge Hass ausgeschüttet. Als Männer wurden sie
beschimpft, die Frauen verprügeln würden. Grundlage dafür waren
zweifelhafte und intransparente Geschlechtertests eines korrupten und
suspendierten Boxweltverbandes, [3][der von einem Freund Wladimir Putins
geführt wird.]
Donald Trump befeuerte die Debatte für seinen Wahlkampf und höhnte über die
spätere Goldmedaillengewinnerin Khelif. Die Entscheidung des IOC ist, wie
der US-Präsident und Kulturkämpfer Trump am Donnerstag betonte, Resultat
seines Dekrets vom Februar, mit dem er Schulen und Universitäten den Entzug
von Fördermitteln ankündigte, sollten sie trans Sportlerinnen an
Frauenwettbewerben teilnehmen lassen. Trump hatte auch erklärt, für die
Olympischen Spiele in Los Angeles keine trans Sportlerinnen einreisen zu
lassen.
So eindeutig wie Kulturkämpfer sehen Wissenschaftler die Angelegenheit
nicht. Das zeigt dieser Tage der Fall der taiwanesischen Boxerin Lin
Yu-ting. Nachgereichte medizinische Unterlagen bewegten den Weltverband
World Boxing dazu, Lin Yu-ting entgegen dem ersten negativen Testergebnis
doch als weiblich einzustufen. Intergeschlechtlichkeit und ihre
Auswirkungen auf den Sport sind ein komplexes Feld, das mit binärem Denken
nicht zu erfassen ist.
Allgemein vorstellbar sollte sein, wie beschämend und beeinträchtigend
solche Prozeduren für Betroffene sein können. Welchen Preis möchte man für
das propagierte Mehr an Fairness zahlen, wenn Gewinnerinnen im
Leistungssport sowieso im Vergleich zur Konkurrenz von besonders
vorteilhaften Ausnahmekörpern profitieren?
27 Mar 2026
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## AUTOREN
(DIR) Johannes Kopp
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