# taz.de -- Kampf gegen Box-Olympiasiegerin Khelif: Die wunderbare Welt der unsichtbaren Wirkungstreffer
       
       > Die Deutsche Julia Igel tritt gegen Imane Khelif an, obwohl sie sportlich
       > nur verlieren kann. Vielleicht, weil sie abseits davon als Siegerin
       > dasteht?
       
 (IMG) Bild: Unter allgemeiner Begutachtung: Imane Khelif, hier nach ihrem Olympiasieg in Paris
       
       Julia Igel ist Profiboxerin. Am 23. April wartet in Paris die bislang
       größte Herausforderin für die 25-jährige Deutsch-Schweizerin: Imane Khelif,
       Olympiasiegerin im Weltergewicht, und ohne ihr Zutun zu einer der
       umstrittensten Sportpersönlichkeiten der vergangenen zwei Jahre avanciert.
       [1][Frau Khelif steht im Mittelpunkt einer Kontroverse,] ob sich Männer ins
       Frauenboxen quasi eingeschlichen haben, um dort auf unfaire, weil
       körperlich überlegene Weise Erfolge zu erhaschen.
       
       Entsprechend reist Julia Igel als Außenseiterin zu dem Kampf. [2][Ihre
       Kampfbilanz ist laut Angaben des seriösen Statistikportals boxrec.com] eher
       durchwachsen: zwei Kämpfe, ein Sieg, eine Niederlage. In Medienberichten
       heißt es mitunter, sie könne 5-2-0 vorweisen: fünf Siege, zwei Niederlagen,
       kein Unentschieden.
       
       Die Vorwürfe gegen Imane Khelif basieren im Wesentlichen darauf, wie
       erfolgreich, viele sagen männlich, sie bei den Olympischen Spielen ihre
       Kämpfe bestritten hat. Teils basieren die Vorwürfe gegen sie, eigentlich
       ein Mann zu sein, [3][auch auf kolportierten Testergebnissen,] deren
       Seriosität allerdings, sagen wir: umstritten ist.
       
       Warum also will Julia Igel gegen Imane Khelif kämpfen? Sieht sie eine
       Chance für sich? „Ich bin hier für die Herausforderung“, hat Igel der
       „Deutschen Welle“ gesagt. Sympathisch ehrlich verkündet sie: „Das Besondere
       an diesem Kampf ist seine Reichweite, die Aufmerksamkeit, die er bekommt.“
       Eine Boxerin wie sie, die bislang nicht an die großen Börsen kommt, die
       nicht als Hauptkämpferin bei Boxgalas antreten darf und für die sich
       bislang weder Fernsehanstalten noch Werbepartner interessieren, kann einen
       Khelif-Kampf als Chance nutzen.
       
       ## „Die Welt auf unserer Seite“
       
       Die Chance besteht nicht darin, dass ein Sieg viel wert wäre, weil Imane
       Khelif wirklich besser ist. Das kann man zwar mit guten Argumenten
       vermuten, aber die Algerierin hat seit dem Sommer 2024 keinen Kampf mehr
       bestritten. Stattdessen wurde sie weltweit mit Vorwürfen, Häme und
       sexistischen Kommentaren überschüttet.
       
       Vielmehr besteht die Chance auf höhere Aufmerksamkeit aus der Debatte um
       Khelif. Und die greifen Julia Igel und ihre Trainerin Ikram Kerwat recht
       geschickt auf. „Im Boxsport ist man nicht sonderlich glücklich darüber, sie
       im Frauen‑Profiboxen zu sehen“, hat Igel über Khelif gesagt. „Genau das
       werden wir nutzen. Ich glaube, wir haben die Welt auf unserer Seite.“ Und
       Ikram Kerwat sagt über Khelif: „Für mich ist es ein Er. Er sollte gegen
       Männer antreten.“
       
       So gesehen wird es auf einmal völlig unwichtig, wer im boxerischen Sinne
       den Kampf gewinnen wird, dass die Ringrichterin nach dem Kampf eine von
       beiden zur Siegerin erklärt. Es geht hier nicht um Sport. Vielmehr wird
       hier die – wählen Sie Ihren Lieblingsbegriff – eigentliche, ehrliche,
       wirkliche, echte Siegerin schon vor dem Kampf bestimmt, und zwar im
       Diskurs. The winner should and will be: Julia Igel.
       
       Interessanterweise lässt Igel anklingen, dieses ganze Tamtam sei doch von
       Khelif losgetreten worden. „Wenn sie wirklich zu 100 Prozent weiblich ist,
       kann sie im Frauensport antreten“, sagt Igel. „Wenn nicht, sollte sie
       aufhören, so laut darüber zu sein.“ Das ist bemerkenswerte Volte im
       üblichen Vor-Kampf-Ballyhoo des Profiboxens.
       
       Ikram Kerwat, selbst frühere Weltmeisterin und jetzt Igels Trainerin, sagt
       in einem Promotionvideo, dass die beiden Frauen der Profiszene beweisen
       „dass es nicht immer eines männlichen Coaches bedarf“. Kerwat formuliert
       ein schönes Ziel: „Das ist wirklich eine Megastory, das ist sogar filmreif,
       meiner Meinung nach.“
       
       Julia Igel sagt da, was sie am Boxen fasziniert, nämlich, „jemand zu
       werden, auf den man stolz ist, auf dem Weg, jemand zu werden, der man gerne
       sein will“.
       
       All das ist richtig und klingt mehr als sympathisch. Interessant ist halt,
       wie die Kommentare ausfallen, wenn eine Sportlerin wie Imane Khelif etwas
       Ähnliches sagt.
       
       13 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] https://boxrec.com/en/box-am/1097284
 (DIR) [3] /Angefeindete-Boxerin-Imane-Khelif/!6062240
       
       ## AUTOREN
       
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