# taz.de -- Tödliche Angriffe in den USA: Jüdische Gemeinden sind alarmiert
> Ein bewaffneter Mann rast mit seinem Auto in die größte Reform-Synagoge
> der USA. Ein Zusammenhang zum Krieg in Nahen Osten wird nicht
> ausgeschlossen.
(IMG) Bild: Nach dem Anschlag: Die Gemeinde Temple Israel in West Bloomfield hat nach eigenen Angaben 12.000 Mitglieder
ap/afp/rtr/taz | Das FBI untersucht einen mutmaßlichen Anschlag auf eine
Synagoge im US-Bundesstaat Michigan als „gezielten Gewaltakt gegen die
jüdische Gemeinschaft“. Das teilte das FBI am Donnerstag (Ortszeit) mit.
Jennifer Runyan, die leitende Ermittlerin des FBI-Büros in Detroit,
bezeichnete den Vorfall als „zutiefst verstörend und tragisch“. Das FBI
werde die Ermittlungen leiten.
Ein mit einem Gewehr bewaffneter Mann war am Donnerstag mit einem Auto in
das jüdische Gotteshaus in West Bloomfield außerhalb von Detroit gerast.
Dort wurde er vom Sicherheitsdienst der Synagoge erschossen, wie AP aus
Ermittlerkreisen erfuhr. Das Fahrzeug sei nach dem Aufprall in Brand
geraten.
Der Verdächtige war nach Angaben der Bundesbehörden ein 41-jähriger
US-Bürger, der 2011 aus dem Libanon in die USA eingereist war und 2016 die
Staatsbürgerschaft erhalten hatte. Ein Nachbar des Mannes sagte der
Lokalzeitung Detroit Free Press, der Angreifer habe „kürzlich
Familienmitglieder [1][bei einem israelischen Angriff im Libanon]
verloren“. Aus der US-libanesischen Gemeinde in Michigan erfuhr der Sender
CBS News, der Täter sei daraufhin „am Boden zerstört“ gewesen. US-Medien
vermuteten dahinter ein mögliches Motiv für den Terroristen.
Der Angreifer sei mit seinem Fahrzeug durch mehrere Türen gefahren und in
einem Eingangsbereich zum Stehen gekommen, wo sich offenbar etwas in dem
Auto entzündet habe, sagte Mike Bouchard, Sheriff im Bezirk Oakland County.
Aufnahmen aus Überwachungsvideos hätten gezeigt, dass der Mann sehr
zielstrebig unterwegs gewesen sei. „Was diese Person zu der Tat getrieben
hat, muss durch die Ermittlungen geklärt werden“, sagte Bouchard.
## Klassenraum in der Nähe
Temple Israel in West Bloomfield hat nach eigenen Angaben 12.000 Mitglieder
und ist damit die größte der Reform-Synagogen in den USA, die eine
modernere Auslegung des jüdischen Glaubens kennzeichnet. Dort ist auch eine
Kinderbetreuungseinrichtung untergebracht.
Weder Mitarbeiter der Synagoge noch Lehrer oder die 140 Kinder eines
Vorschulzentrums seien verletzt worden, sagte Bouchard. Einer der Wachleute
sei vom Fahrzeug erfasst und bewusstlos geworden, habe jedoch keine
lebensbedrohlichen Verletzungen davongetragen. Zahlreiche Eltern rannten in
die Kinderbetreuungseinrichtung, nachdem die Polizei Entwarnung gegeben
hatte.
In der Nähe des Unfallorts befand sich ein Klassenraum, in dem kleine
Kinder im Alter von maximal vier Jahren untergebracht waren. Zudem seien
mehr als 30 Mitarbeiter in der Synagoge anwesend gewesen. „Zum Glück haben
wir viele Notfallübungen für Amoklagen durchgeführt, und unser Personal ist
auf solche Situationen vorbereitet“, sagte Cassi Cohen, Direktorin für
strategische Entwicklung bei Temple Israel.
„Das ist herzzerreißend“, teilte [2][die demokratische Gouverneurin von
Michigan, Gretchen Whitmer], mit. „Die jüdische Gemeinde von Michigan
sollte in Frieden leben und ihren Glauben ausüben können.“ Die Jewish
Federation of Detroit riet allen jüdischen Organisationen in der Region,
vorübergehend ihre Einrichtungen abzuriegeln.
## Islamistenterror in Virginia
Parallel dazu erschütterte ebenfalls am Donnerstag ein weiterer Terrorakt
den Bundesstaat Virginia. In der Old Dominion University in Norfolk
eröffnete ein verurteilter [3][Unterstützer des Islamischen Staates (IS)]
in einem Uni-Hörsaal das Feuer, tötete eine Person und verletzte zwei
weitere – beides Angehörige der US-Armee –, bevor er selbst ums Leben kam.
Auch hier leitete das FBI eine Terrorismusuntersuchung ein.
Nach Angaben einer FBI-Agentin starb der Attentäter durch die Hand einer
Gruppe von Studenten des Reserveoffiziers-Ausbildungscorps (ROTC), die ihn
überwältigten. Sie sagte, der Verdächtige habe „Allahu Akbar“ gerufen,
bevor er das Feuer eröffnete. Der Mann soll sich 2016 schuldig bekannt
haben, den Islamischen Staat materiell unterstützt zu haben. 2024 sei er
aus dem Gefängnis entlassen worden.
Die kurz aufeinanderfolgenden gewalttätigen Angriffe in Virginia und
Michigan schüren die Sorge vor Anschlägen auf US-Boden seit den
Luftangriffen amerikanischer und israelischer Streitkräfte auf Iran.
Jüdische und muslimische Gemeinden sind besonders alarmiert.
13 Mar 2026
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