# taz.de -- Bahnradsport in Bremen: Mehr Spektakel auf dem Rad
> Bei den Bremer Sixdays setzt man auf etwas weniger Show und mehr Sport.
> Das Publikum erfreut sich an knappen Entscheidungen und viel Dramatik.
(IMG) Bild: Geschwindigkeit und Leidenschaft: Das Bremer Sechstagerennen wurde erstmals 1910 ausgetragen
„Hier ist noch alles möglich“, fasste Erik Weispfennig, der sportliche
Leiter [1][der Bremer Sixdays], die hochbrisante Situation vor der finalen
Jagd am Montagabend im Madison zusammen. Spannend wie selten ging es beim
hochklassigen Radsportevent zu. Und bei den Fahrern freut man sich ohnehin
immer auf die Tage in Bremen. Der Tour-de-France-Etappensieger [2][Nils
Politt aus Köln] erklärt: „Die anspruchsvolle Bremer Bahn ist definitiv ein
Highlight in meinem Rennkalender.“
Dieses Mal lohnte es sich mehr denn je für die Zuschauer, den
witterungsbedingt doch recht beschwerlichen Weg in die Stadthalle für die
59. Auflage der Bremer Sixdays auf sich zu nehmen. Ihr Kommen war ohnehin
ein Zeichen echter Leidenschaft. Leicht verändert präsentierte sich das
traditionsreiche Spektakel. Die große Partyhalle aus früheren Jahren gab es
nicht mehr, auch die Bühne fiel deutlich kleiner aus.
„Wir konzentrieren uns auf weniger Flächen, stärken die Aufenthaltsqualität
und machen das Erlebnis noch intensiver“, erklärt Geschäftsführer Hans
Peter Schneider. Ein betagter Besucher erinnert sich an frühere
Sechstagerennen: „Das Radfahren war für uns nach dem Feiern eher
Nebensache.“ Heute bietet die Halle an diesen Tagen eine gute Mischung aus
Party und Sport. Unverändert gilt: Das 166,66 Meter kurze Holzoval, wo die
Steilkurven bis zu 53 Grad überhöht sind, bleibt das Herzstück der
Veranstaltung.
In der Disziplin Madison zählen Rundengewinne mehr als gesammelte Punkte.
Diese schlichte Regel wurde den Italienern Simone Consonni und Michele
Scartezzini am dritten Wettkampftag zunächst zum Stolperstein. Das Duo
hatte fleißig in allen Disziplinen Zähler für sich verbucht und führte die
Wertung mit 183 Punkten an. Doch eine einzige verlorene Umrundung warf sie
auf Rang 3 zurück, während ihre härtesten Konkurrenten ohne Rundenrückstand
blieben. Consonni, Olympiasieger in der Mannschaftsverfolgung, und
Scartezzini, Vizeweltmeister im Madison, gerieten unter Druck.
## Spannung bis zur letzten Runde
Mit perfektem Timing holten sich Moritz Augenstein [3][und Roger Kluge]
durch eine Doublette in der großen Jagd die Spitzenposition. Der 28-jährige
Augenstein krönte sich erst vor wenigen Monaten zum Weltmeister im Scratch
und holte zudem Europameisterschaftsgold im Derny. „Moritz hat eine
großartige Entwicklung zurückgelegt“, sagte Erik Weispfennig, der
sportliche Leiter der Bremer Sixdays. An seiner Seite kämpfte der
39-jährige Kluge, dreifacher Madison-Weltmeister und fünffacher
Europameister, der im Punktefahren olympisches Silber gewann.
Das Weltmeisterduo führte nach drei von vier Wettkampftagen mit 167 Punkten
und ohne Rundenrückstand. Knapp dahinter lauerten Matias Malmberg und Nils
Politt mit 163 Zählern, ebenfalls mit null Runden. Punktemäßig führten
Consonni und Scartezzini – lagen allerdings bei minus eins Runden.
Am Montag, dem letzten Wettkampftag, bleibt im einstündigen
Entscheidungsrennen die Spannung bis zur letzten Runde erhalten. 27
Umrundungen vor Schluss setzten die Italiener zum entscheidenden
Rundengewinn an und egalisierten damit ihren Rückstand. Nun holten sie sich
die fehlende Runde zurück.
Im Schlusssprint sicherten sich Consonni und Scartezzini mit 229 Punkten
den Gesamtsieg; Augenstein und Kluge mussten sich mit 227 Zählern hauchdünn
geschlagen geben. Nur zwei Punkte trennten die beiden Spitzenteams am Ende.
„Es war unmöglich, die Italiener abzuschütteln. Sie sind über weite Teile
des Rennens in unserem Windschatten mitgefahren und haben dabei die
entscheidenden Körner gespart“, sagte Kluge. Für den Profi und seinen
Partner bedeutete Bremen trotz der Niederlage einen wertvollen Härtetest.
Der Berliner Theo Reinhardt bildete mit dem Lokalmatador Kluge jahrelang
ein erfolgreiches Madison-Team, bevor er sich im vergangenen Jahr bei den
Berliner Sixdays emotional von seinem Publikum verabschiedete. Augenstein
füllt aktuell diese Lücke mit beeindruckendem Erfolg. Am 30. und 31. Januar
werden beide im Velodrom Berlin antreten, wo ein Weltrekordversuch über
1.000 Meter im Madison-Zeitfahren geplant ist. In Berlin werden Kluge und
Augenstein erneut auf die Energie des Publikums bauen – jene Kraft, die den
Unterschied ausmacht.
13 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Ralf Lieske
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