# taz.de -- Geschlechtseinträge in Ausweisen: Europäischer Gerichtshof stärkt Rechte von trans Personen
       
       > Trans Personen haben in allen EU-Ländern Anspruch darauf, dass der
       > Geschlechtseintrag im Pass angepasst wird – auch wenn das nationale Recht
       > das nicht vorsieht.
       
 (IMG) Bild: Protest in der bulgarischen Hauptstadt Sofia im Februar 2023 gegen die diskriminierende Ausweispolitik des Landes
       
       dpa/taz | Trans Personen in der EU haben einem Urteil des Europäischen
       Gerichtshofs (EuGH) zufolge das Recht auf Ausweisdokumente, die ihrer
       gelebten Geschlechtsidentität entsprechen. Mitgliedsstaaten müssen
       Änderungen von Geschlechtseinträgen in Personenstandsregistern erlauben,
       urteilten die Richterinnen und Richter in Luxemburg. Das gehöre zu dem
       Recht der Menschen, sich in der EU frei bewegen zu können.
       
       Das Ausstellen von Ausweisdokumenten sei zwar Sache der Länder, betonte der
       Gerichtshof. Wenn [1][Daten zum Geschlecht im Ausweis] aber von der
       tatsächlich gelebten Geschlechtsidentität einer Person abweichen, könne das
       in vielen Alltagssituationen „erhebliche Unannehmlichkeiten“ bereiten,
       heißt es in der Mitteilung zum Urteil.
       
       Bei Identitätskontrollen, Grenzübertritten oder in beruflichem Zusammenhang
       könne es passieren, dass die Menschen Zweifel an ihrer Identität oder der
       Echtheit ihrer amtlichen Dokumente ausräumen müssten.
       
       Hintergrund ist der Fall einer bulgarischen Staatsangehörigen, die bei der
       Geburt als männlich registriert wurde. Sie lebt derzeit in Italien, wo sie
       eine Hormontherapie begonnen hat, und tritt heute als Frau auf. Ihr Antrag
       auf Änderung des Geschlechts, des Namens und der persönlichen
       Identifikationsnummer in ihrer Geburtsurkunde wurde von bulgarischen
       Gerichten abgelehnt.
       
       ## Bulgarien muss Vorgaben beachten
       
       Zur Begründung hieß es, das nationale Recht in Bulgarien sehe eine solche
       Änderung nicht vor. Weil das Oberste Kassationsgericht Bulgariens Zweifel
       daran hatte, ob das mit EU-Recht vereinbar ist, wandte es sich an den EuGH.
       Der Fall geht nun zurück an die nationalen Gerichte. Sie müssen die
       Vorgaben des EuGH bei ihrer Entscheidung beachten.
       
       Dem europäischen Dachverband der Lesben-, Schwulen-, Bisexuellen-, Trans-
       und Intersexorganisationen Ilga zufolge dürfte das Urteil nicht nur für
       trans Personen aus Bulgarien von Bedeutung sein, sondern [2][insbesondere
       auch Ungarn] und die Slowakei betreffen. Dort ist die rechtliche
       Geschlechtsanerkennung faktisch unmöglich. In Deutschland etwa können
       Menschen ihren Vornamen und Geschlechtseintrag dagegen per Erklärung beim
       Standesamt ändern lassen.
       
       Der Dachverband Transgender Europe (TGEU) begrüßte das Urteil. „Trans
       Personen benötigen schnelle, transparente und zugängliche Verfahren zur
       Anerkennung ihrer Geschlechtsidentität“, kommentierte Richard Köhler von
       TGEU.
       
       12 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Nicht-binaerer-Geschlechtseintrag/!6105625
 (DIR) [2] /Ungarns-Politik-gegen-queere-Menschen/!6079329
       
       ## TAGS
       
 (DIR) EuGH
 (DIR) Transpersonen
 (DIR) Schwerpunkt LGBTQIA
 (DIR) Personalausweis
 (DIR) Diskriminierung
 (DIR) Bulgarien
 (DIR) Schwerpunkt LGBTQIA
 (DIR) Gynäkologie
 (DIR) Ungarn
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Trans Personen in Europa: Eingriff in die Menschenwürde
       
       Trans Personen mussten sich lange Zeit sterilisieren lassen, wenn sie ihr
       Geschlecht offiziell ändern wollten. Die emotionalen Folgen sind
       verheerend.
       
 (DIR) Versorgung von trans* Männern: Ein Mann, eine Gebärmutter – und keine Arztpraxis
       
       Für viele trans* Männer ist der Besuch bei Gynäkolog*innen eine
       Zumutung – oder unmöglich. Doch es gibt Ausnahmen – und sie machen
       Hoffnung.
       
 (DIR) Ungarns Politik gegen queere Menschen: Zwischen Wut und Widerstand
       
       Ungarn hat die Rechte von Homosexuellen und trans Personen massiv
       eingeschränkt. Die Zivilgesellschaft wehrt sich.