# taz.de -- Pinochet-Verteidiger Fernando Rabat: Ausgerechnet das Ministerium für Menschenrechte
> Chiles rechtsextremer Präsident Kast beruft den Pinochet-Anwalt Fernando
> Rabat zum Minister für Menschenrechte. Der Pinochetismus ist zurück.
(IMG) Bild: Fernando Rabat während der Präsentation des Kabinetts am 20. Januar in Santiago, Chile
Er ist einer der Minister, die Chiles Rückkehr zum Pinochetismus besiegeln:
Fernando Rabat. Der 53-jährige Anwalt gehörte zum juristischen Team, das
den Diktator Augusto Pinochet nach dessen Festnahme in London im Jahr 1998
verteidigte. Chiles neuer rechtsextremer Präsident José Antonio Kast, der
im März sein Amt antritt, hat Rabat nun zum künftigen Minister für Justiz
und Menschenrechte ernannt. Kast ist der erste Präsident seit der Rückkehr
zur Demokratie 1990, der Pinochet offen unterstützt.
Unter der Regierung des noch amtierenden linken Präsidenten Gabriel Boric
hatte das Justiz- und Menschenrechtsministerium den [1][Plan de Búsqueda
auf den Weg gebracht – eine staatliche Suchstrategie nach mehr als 1.000
Menschen], die während der Militärdiktatur gewaltsam verschwanden. Bis
heute sind viele der Verbrechen der Junta nicht aufgeklärt.
## Ein Verteidiger der Täter
Rabat dürfte als neuer Minister kaum zur weiteren Aufarbeitung dieser
Menschenrechtsverbrechen beitragen – im Gegenteil. Als Anwalt
spezialisierte er sich darauf, die Täter zu verteidigen. In der Kanzlei
Rodríguez, Vergara y Compañía arbeitete er mit Pablo Rodríguez Grez
zusammen, einem der Gründer der rechtsextremen paramilitärischen
Organisation Patria y Libertad, die Anschläge gegen die Regierung von
Salvador Allende verübte. Mit derselben Kanzlei verteidigte Rabat Augusto
Pinochet im sogenannten Caso Riggs – einer Untersuchung, die offenlegte,
dass Pinochet Millionen US-Dollar bei der US-Bank Riggs deponiert hatte.
Rabat war zudem Teil der Verteidigung in Verfahren zur Operación Colombo –
einer Aktion der chilenischen Geheimpolizei Dina aus dem Jahr 1975, mit der
die Ermordung und das Verschwinden von 119 Oppositionellen vertuscht werden
sollte. Es wurden Falschinformationen in Medien verbreitet, die
behaupteten, die Betroffenen seien bei internen Kämpfen ums Leben gekommen.
Gemeinsam mit Rodríguez vertrat Rabat auch Pinochets Ehefrau Lucía Hiriart,
als der Oberste Gerichtshof 2018 anordnete, 5,1 Millionen US-Dollar sowie
mehrere Immobilien aus dem Nachlass Pinochets einzuziehen. Rabat ist zudem
eng mit jenen Eliten verknüpft, die von der Diktatur politisch und
wirtschaftlich profitierten. Er ist mit einer Nichte von Ricardo Claro
verheiratet, einem einflussreichen Unternehmer, der dem Militärregime
nahestand.
## Scharfe Kritik von Angehörigen der Diktaturopfer
Als Minister für Justiz und Menschenrechte könnte Rabat Begnadigungen für
verurteilte Diktaturverbrecher vorantreiben, die Suche nach den detenidos
desaparecidos stoppen und, ähnlich wie Javier Milei in Argentinien, Mittel
für Gedenkstätten und Erinnerungsorte kürzen.
Organisationen von Angehörigen der Diktaturopfer kritisieren seine
Ernennung daher scharf. „Dies ist eine direkte Beleidigung des Andenkens an
die Opfer der Diktatur und ihrer Familien“, heißt es in einer gemeinsamen
Erklärung. Die Entscheidung betreibe die „Verherrlichung der Diktatur“ und
eine fortbestehende Straflosigkeit.
Rabat trug dazu bei, dass Pinochet nie für seine Verbrechen gegen die
Menschlichkeit verurteilt wurde. Mit seiner Ernennung sendet Kast ein
deutliches Signal und stellt die Weichen für die ideologische Ausrichtung
seiner Regierung. Er reiht sich ein in die [2][Gruppe lateinamerikanischer
Staatschefs, die das Erbe blutiger Militärdiktaturen verherrlichen] und
ihre Verbrechen verharmlosen. Für Lateinamerika ist das kein gutes Zeichen.
22 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Sophia Boddenberg
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