# taz.de -- Razzien gegen rechtsextremen Verlag: Ein Schelm, der Böses denkt
> Der Verlag Der Schelm vertreibt seit mindestens zehn Jahren
> nationalsozialistische und antisemitsche Hetzschriften. Nun kam es zu
> internationalen Razzien.
(IMG) Bild: Prozess gegen den rechtsextremistischen Verlag „Der Schelm“, 2024
taz | Europäische Ermittlungsbehörden haben am Dienstag koordinierte
Razzien gegen das Netzwerk [1][des rechtsextremen Verlags Der Schelm]
durchgeführt. In Deutschland wurden acht Objekte in Brandenburg,
Baden-Württemberg, Sachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen durchsucht,
außerdem eine Druckerei im polnischen Stettin sowie Räumlichkeiten in
Spanien.
Wie rbb 24 Recherche, das zwei Jahre lang Vertriebs- und Kundenstrukturen
analysierte, berichtet, wurden dabei Daten, Propagandamaterial und
NS-Devotionalien beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe ermittelt
in knapp 500 Fällen gegen acht Beschuldigte „gemeinschaftlich
volksverhetzende Druckwerte von 2022 bis 2024 hergestellt, verbreitet,
geliefert und vorrätig gehalten zu haben“.
Der Verlag vertreibt seit mindestens zehn Jahren antisemitische Schriften
und Nachdrucke von NS-Propagandaliteratur – darunter „Mein Kampf“ in allen
erdenklichen Sonderausgaben, Titel wie „Tut mir Leid Mutti! – Auch ich
glaubte an den Holo-Schwindel“, historische Hetzschriften wie Theodor
Fritschs „Handbuch der Judenfrage“ und Kinderbücher aus der Zeit des
Nationalsozialismus, die seit 2018 auf dem Index der Bundeszentrale für
Kinder- und Jugendschutz stehen.
## Alle Wege führen nach Moskau
Hauptverdächtiger ist Adrian P., der den Verlag mittlerweile aus Moskau
steuert und per internationalem Haftbefehl gesucht wird. Eine Auslieferung
schlug bisher fehl, die russische Regierung toleriert den Neonazi offenbar.
Unter den rund 11.000 Bestellern finden sich nicht nur unbekannte Pfarrer,
Unternehmer, Anwälte, Polizisten und Lehrer, sondern, wenig überraschend,
auch andere bekannte Neonazis und AfD-Politiker.
Es ist der zweite Versuch der Justiz, das Netzwerk zu zerschlagen, dessen
Website mittlerweile in Estland registriert ist und das seine Geldströme
erfolgreich verschleiert. Ein erster Prozess hatte 2024 mehrere
Verurteilungen ergeben, das Netzwerk operierte jedoch weiter.
11 Mar 2026
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