# taz.de -- Frühjahrstrockenheit in Berlin: Die Rückkehr der Gießkanne
       
       > Der März ist bislang schön sonnig. Aber Umweltverbände warnen vor
       > zunehmender Frühjahrstrockenheit, manche Straßenbäume freuen sich schon
       > jetzt über Hilfe.
       
 (IMG) Bild: Holt die Gießkannen aus dem Keller, der Frühling ist zu trocken
       
       Der Berliner Winter hat in diesem Jahr seit langer Zeit mal wieder gezeigt,
       dass er Schnee kann. Wochenlang wirkten Straßen und Parks ausreichend
       versorgt, als läge in den gefrorenen Eispanzern ein stilles Wasserdepot.
       Doch der Eindruck täuscht.
       
       Mit den ersten milden Märztagen beginnt in der Stadt eine leise Saison, die
       mit Gartenromantik wenig zu tun hat und eher an bürgerschaftliches
       Engagement erinnert: die Zeit der Gießkannen.
       
       Nach der neuesten Meldung der Nachrichtenagentur dpa bringt das Wetter in
       diesen Tagen vor allem eines – Trockenheit. Milde Temperaturen, viel Sonne,
       nur selten ein paar Tropfen. [1][Für Spaziergänger*innen toll], für
       Straßenbäume weniger. Denn gerade der März gehört in Berlin traditionell zu
       den trockensten Monaten überhaupt. Meteorologische Daten zeigen seit
       Jahren: In der Hauptstadt fällt in diesem Monat häufig weniger Regen als im
       Juni, also zu einer Zeit, die viele aus dem Bauch heraus für viel trockener
       halten würden.
       
       Die Zahlen wirken zunächst unscheinbar. Im Schnitt fallen in Berlin im März
       rund 37 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, wie der Deutsche Wetterdienst
       angibt. Doch in der Realität der letzten Jahre bleibt es oft deutlich
       darunter. Im letzten Jahr kamen in Berlin zum Beispiel gerade einmal etwa
       10 Liter pro Quadratmeter zusammen – nicht einmal ein Drittel dessen, was
       es mindestens braucht.
       
       Und auch der aktuelle Monat beginnt bedrohlich trocken. Bis jetzt ist im
       Berliner März erst eine sehr geringe Niederschlagsmenge gefallen. Würde es
       bis zum Monatsende in diesem Tempo weitergehen, käme Berlin ebenfalls nur
       auf ungefähr zehn bis fünfzehn Liter. Ein freundlicher Frühlingstag fühlt
       sich besonders für Baumfreund*innen und Gärtner*innen schnell mal wie
       ein kleiner Alarm an.
       
       Darauf weist seit Jahren auch der BUND hin. Umweltverbände beobachten eine
       zunehmende [2][Frühjahrstrockenheit]: Hochdrucklagen bringen viel Sonne,
       aber wenig Niederschlag, während die Pflanzen schon viel Wasser brauchen.
       Gerade in Städten verschärft sich das Problem. Der Boden zwischen Asphalt,
       Pflaster und Leitungen speichert wenig Feuchtigkeit; junge Straßenbäume
       haben noch keine tiefen Wurzeln, die an Grundwasser herankommen.
       
       Berlin hat davon sehr viele. Hunderttausende Bäume stehen entlang der
       Straßen, kühlen im heißen Sommer die Stadt, filtern Staub und verdauen CO2.
       Doch sie wachsen an Orten, die Botaniker*innen höflich
       „Stressstandorte“ nennen. Trockenheit im Frühling setzt sie jetzt schon
       unter Stress.
       
       Deshalb beginnt die Berliner Gießsaison oft früher, als man denkt.
       [3][Initiativen wie Gieß den Kiez] erinnern jedes Jahr daran, dass Bäume
       nicht erst im Hochsommer durstig werden. Schon jetzt lohnt sich dort ein
       Blick auf die Karte: Sie zeigt für jeden Baum, wie viel Regen in den
       letzten Wochen gefallen ist – und macht sichtbar, wann der Boden längst
       trockener ist, als es der freundliche Frühling vorgaukelt.
       
       Man muss jetzt noch nicht unbedingt zur Kanne greifen – aber viele
       Straßenbäume wären trotzdem schon dankbar. Entscheidend ist dabei weniger
       die Häufigkeit als die Menge. Fachleute empfehlen, lieber selten und
       gründlich zu gießen: Ein einzelner Straßenbaum verträgt gut 80 bis 150
       Liter auf einmal. Wichtig ist, dass das Wasser langsam in die offene
       Baumscheibe läuft und Zeit hat, tief in den Boden einzusickern, statt
       sofort über den Asphalt wieder zu verschwinden. Wichtig ist natürlich
       dabei, dass kein Bodenfrost mehr herrscht.
       
       Der Berliner Frühling beginnt inzwischen oft mit diesem kleinen Paradox:
       Die Sonne scheint freundlich, die Stadt wirkt frisch, erste Krokusse kommen
       raus – und doch beginnt unter den Pflastersteinen schon der große Durst.
       
       10 Mar 2026
       
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