# taz.de -- Frauen*streik in Berlin: Kein Bock mehr, alles am Laufen zu halten
       
       > In Berlin bestreikten am Montag Frauen* ihre schlechter oder gar nicht
       > bezahlte Arbeit. Recht haben sie, meint unser Autor – und schmeißt auch
       > hin.
       
 (IMG) Bild: Etwa 1.000 Frauen* erschienen vor dem Brandenburger Tor zur großen Streikkundgebung
       
       Es braucht nicht lange, bis ein Mann beweist, wie wichtig das hier alles
       ist. „Immer Feminismus! Freiheit für die Fotzen!“, pöbelt ein besoffener
       Typ, als sich um 12 Uhr mittags am Kottbusser Tor eine Demonstration zum
       Frauen*streik am 9. März aufstellt. Die umherstehenden Streikenden rollen
       nur mit den Augen. „Wegen genau solchen Typen hier“, beantwortet eine der
       Streikenden die Frage des Reporters, was sie heute auf die Straße zieht.
       
       In der Berliner Innenstadt waren am Montag immer wieder Frauen*gruppen
       zu sehen, die sich den [1][verschiedenen Aufrufen angeschlossen haben], am
       9. März ihre bezahlte und unbezahlte Arbeit niederzulegen. In Kreuzberg
       waren lila gekleidete Gruppen beispielsweise vor Buchläden und dem
       Axel-Springer-Gebäude zu sehen, wild tanzend und lärmend. Am Platz des 18.
       März folgten etwa 1.000 Frauen* dem Aufruf [2][der Gruppe Enough!], die
       Demos in einigen deutschen Städten und international organisiert hatte.
       Insgesamt waren in Berlin 15 Demos zum Frauen*streik angekündigt.
       
       Das Ziel: Ein globaler Generalstreik der Frauen*, um stillzulegen, was
       sonst, wenn es auch oft unsichtbar bleibt, alles am Laufen hält: Die dem
       Gender Pay Gap entsprechend unterbezahlte Arbeit in den Betrieben, aber vor
       allem auch die viele Sorge- und Carearbeit in Haushalt, Pflege und
       Betreuung, die immer noch zum Großteil von Frauen* geleistet wird.
       
       ## Autor schmeißt hin
       
       In Deutschland, [3][wo das Streiken für größere politische Ziele weiter als
       verboten gilt], ist das gar nicht so einfach. „Ich bin richtig sauer, mein
       Arbeitgeber hat mir explizit verboten, zu streiken“, sagt eine junge Frau
       auf der Demonstration in Kreuzberg. Dabei arbeite sie – ausgerechnet – für
       eine Einrichtung für von Gewalt betroffene Frauen. Sie habe nun Urlaub
       nehmen müssen. Andere Streikende erzählen, von ihren Arbeitgebern ein Okay
       bekommen zu haben.
       
       „Letztlich ist das ja alles nur Symbolik“, bringt eine streikende Hebamme
       auf dem Platz des 18. März die Situation auf den Punkt. Eine „Schweinerei“,
       findet sie das Verbot des politischen Streiks in Deutschland – aber das
       mache ja den symbolischen Akt nicht schlecht. „Wir, die es können, streiken
       heute für alle, die es nicht können“, sagt sie.
       
       Am Kottbusser Tor erzählt die Frau, die in der Gewaltschutzeinrichtung
       arbeitet, der Streik am 9. März sei umso wichtiger, da der 8. März in
       diesem Jahr auf einen Sonntag gefallen ist. „Demonstrationen sind ja schön,
       aber wirklich Druck kann man eben nur mit Arbeitsniederlegung machen“, sagt
       sie. Auch Männer könnten mal mitmachen: Vielleicht nicht im Vordergrund,
       aber sie könnten ja die Care-Arbeit übernehmen, damit ihre Partnerinnen
       streiken können. Und dafür aus Solidarität auch mal selbst die Arbeit
       niederlegen.
       
       Recht hat sie, denkt sich auch der Autor an dieser Stelle. Und schmeißt
       deshalb auch hin.
       
       9 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Timm Kühn
       
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