# taz.de -- AfD-Parteitag in Marl: Umsturz in Nordrhein-Westfalen knapp gescheitert
       
       > Der Kandidat des rechtsextremen Parteiflügel der AfD scheitert. Der
       > wiedergewählte Landesparteichef geht die eigene Jugendorganisation hart
       > an.
       
 (IMG) Bild: Übernahme des Parteiflügels verhindert: Der Landesvorsitzende der AfD in NRW Martin Vincentz (links) wurde knapp wiedergewählt
       
       Im mitgliederstärksten AfD-Landesverband Nordrhein-Westfalen ist eine
       Machtübernahme des rechtsextremen Parteiflügels knapp gescheitert. Beim vom
       lautstarken Protest von Gegendemonstrant:innen begleiteten
       Landesparteitag in Marl im nördlichen Ruhrgebiet wurde der gemäßigt
       auftretende, seit 2022 amtierende Landesvorsitzende Martin Vincentz am
       Samstag mit knapper Mehrheit wiedergewählt.
       
       Vinzentz, der auch Vorsitzender der AfD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag
       ist, erhielt 54,7 Prozent der Stimmen. Für seinen Gegenkandidaten, den
       stellvertretenden AfD-Landeschef und Bundestagsabgeordneten Fabian Jacobi,
       votierten 43,4 Prozent der rund 500 Delegierten.
       
       Die Niederlage hatte sich angedeutet, nachdem der Parteitag die Wahl einer
       Doppelspitze abgelehnt hatte. Die sollte aus Jacobi und dem ultrarechten
       Bundestagsabgeordneten Christian Zaum aus Siegen bestehen. Dafür geworben
       hatte der rechtsextreme Flügel um den Dortmunder AfD-Mann Matthias
       Helferich, der ebenfalls im Bundestag sitzt und sich selbst – angeblich
       ironisch – als „das freundliche Gesicht des NS“ bezeichnet hat.
       
       Unterstützung erhielten die beiden auch vom Fraktionschef der AfD in
       Thüringen, Björn Höcke. Der Rechtsextreme, der wegen Verwendung der Parole
       von Hitlers Sturmabteilung SA „Alles für Deutschland“ zweimal rechtskräftig
       verurteilt wurde, war [1][dazu Ende Februar extra durch NRW getourt]. Höcke
       sprach dabei nicht nur auf AfD-Veranstaltungen in Dortmund und Düsseldorf,
       sondern besuchte auch die Externsteine im Kreis, die im Nationalsozialismus
       als völkische Kultstätte galten.
       
       ## Rausschmiss und Hausverbot
       
       Der jetzt wiedergewählte Landeschef Vincentz hatte Helferich wegen
       völkischer Tendenzen dagegen 2024 aus der Partei werfen lassen. Der
       Rechtsanwalt hatte zuvor Migrant:innen pauschal als „Viecher“ beleidigt.
       Helferich geht vor dem Bundesschiedsgericht der AfD gegen seinen
       Parteiausschluss vor – eine Entscheidung steht noch aus. Auch beim
       Landesparteitag in Marl hatte Helferich Hausverbot.
       
       Vincentz wird von seinen ultrarechten Gegnern dagegen vorgeworfen, aus
       Machtkalkül ein Netzwerk unter Führung des Landtagsabgeordneten Klaus Esser
       viel zu lange gestützt zu haben. Esser soll zur Stärkung seines
       Kreisverbands Düren Mitglieder aufgenommen haben, die dort gar nicht
       wohnten. Außerdem soll er für seinen Job als AfD-Landesgeschäftsführer, den
       er von 2020 bis zum Antritt seines Landtagsmandats 2022 ausübte, gefälschte
       Hochschulabschlüsse angegeben haben.
       
       Auch ist Esser offenbar Teil des bundesweiten Skandals um
       [2][Vetternwirtschaft in der AfD]: In seinem Landtagsbüro soll er eine
       85-Jährige beschäftigen. Obwohl Esser behauptet, seine Angestellte sei
       „geistig sehr fit“, ließ Landtagspräsident André Kuper (CDU) mitteilen,
       „dass bis zur Klärung der Angelegenheit die Erstattung der Gehaltszahlung
       für die Mitarbeiterin durch die Landtagsverwaltung ausgesetzt wird“.
       Vincentz’ Gegenkandidat Jacobi warf dem wiedergewählten 39-jährigen Arzt
       prompt vor, es gehe ihm „nicht um das Wohl der AfD, sondern nur um das von
       Klaus Esser“.
       
       Die dem rechten Parteiflügel zugerechnete AfD-Bundesparteichefin Alice
       Weidel hatte den größten Landesverband zuvor noch zu „Geschlossenheit“
       aufgerufen. Gleichzeitig verteidigte sie die AfD-Jugendorganisation
       „Generation Deutschland“ – dabei war deren Landesverband erst am Freitag
       vom NRW-Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall
       eingestuft worden.
       
       „Die Menschen wollen nicht irgendwelche Verrückten von rechts“, schrie
       dagegen Vincentz mit Blick auf die [3][„Generation Deutschland“] ins
       Mikrofon – und warf der Jugendorganisation vor, ihn seit „zwei Amtszeiten
       bekämpft“ zu haben. Jetzt sei deren Unterstützung überfällig, forderte der
       Landesparteichef – und klagte über ungeschützte Grenzen ebenso wie über
       unsichere Innenstädte.
       
       8 Mar 2026
       
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 (DIR) Andreas Wyputta
       
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