# taz.de -- „Resident Evil Requiem“: Katharsis durch Zombies
       
       > Mit „Requiem“ erscheint der 9. Teil der Horror-Reihe „Resident Evil“.
       > Diesmal geht es gegen Michelin-Köche und Opernsängerinnen – sehr
       > entspannend!
       
 (IMG) Bild: Ist mittlerweile Boomer und fährt einen Porsche-SUV: Leon S. Kennedy
       
       Noch nie hat mich ein Bottich Tomatensuppe so glücklich gemacht wie in
       [1][„Resident Evil Requiem“.] Hinter ihm verstecke ich mich mit meiner
       Spielfigur, damit ich vom riesigen Zombiekoch nicht entdeckt werde. Als
       Untoter ist sein Geschmackssinn speziell geworden. Statt Chicken hackt er
       nun Menschenfleisch. So wird das nichts mit dem Michelin-Stern.
       
       Wenn Sie jetzt denken: „Wer braucht denn so was, und dann noch bei dieser
       Weltlage“, gebe ich Ihnen recht. Auf den ersten Blick sieht „Requiem“ aus
       wie ein x-beliebiges [2][Zombiespie]l. Wie im ersten Teil von vor 30 Jahren
       muss man überleben, weil alle Menschen durch das sogenannte T-Virus
       verwandelt wurden und die Fleischeslust neu für sich entdeckt haben.
       
       „Requiem“ lohnt sich aber schon deshalb, weil es den gleichen Kniff nutzt
       wie die Maxi-CDs aus den 2000er Jahren: Es vermischt Inhalte aus
       verschiedenen Serienteilen, damit wie auf der „Smash!“ für alle
       Spieler:innen etwas dabei ist. Und dann fügt es eine Geheimzutat hinzu:
       Katharsis.
       
       Forscher:innen bezeichnen damit einen emotionalen Wendepunkt, der durch
       das Lösen angestauter Gefühle wie Furcht oder Wut zu innerer Befreiung und
       Klärung führt. Nach den 20 Stunden, die ich für die Geschichte von
       „Requiem“ gebraucht habe, fühle ich mich so befreit wie nach meinem
       Jahresurlaub.
       
       ## Ashcroft hat bei der Ausbildung geschlampt
       
       Das schafft „Requiem“, indem es mich zwei verschiedene Spielfiguren steuern
       lässt. Da ist die FBI-Agentin Grace Ashcroft, die in ein altes Sanatorium
       entführt wird. Ashcroft steuert man standardmäßig aus der Ich-Perspektive.
       Die Frau hat bei der Ausbildung offenbar geschlampt: Ihre Pistole hält
       Ashcroft nur mit Mühe, und dann stolpert sie auch noch ständig, wenn sie
       vor der schrumpeligen Zombie-Großmutter wegrennt. Die Gruselgestalt ist
       offenbar direkt aus dem Filmklassiker „Blair Witch Project“ entflohen.
       
       Ashcrofts Spielabschnitte sind klassischer Survival-Horror. Mit wenig
       Munition weicht man einigermaßen begabten Zombie-Opernsängerinnen und
       anderen Fieslingen aus. Durch Chipkarten und Rätsel erkundet man
       häppchenweise das Sanatorium, um irgendwie zu entkommen. „Requiem“ wäre
       allein mit Ashcroft schon ein gutes Spiel geworden, aber es gibt noch eine
       zweite Spielfigur.
       
       Leon S. Kennedy kennen Fans aus den Vorgängern. Der frühere Frischling und
       jetzige Boomer-Regierungsagent ist Ashcroft ins Sanatorium gefolgt. Statt
       ihrer mickrigen Pistole trägt Kennedy Flinten und Granaten und bewegt sich
       so schnell, wie wenn es in der Redaktion Kuchen gibt. Schlich ich mit
       Ashcroft vorher noch durch Gänge, verteile ich mit Kennedy nun
       Roundhouse-Kicks und Oneliner. Noch nie hat sich Katharsis so gut
       angefühlt.
       
       Nach den ersten Stunden verlässt man die engen Räume des Sanatoriums und
       erkundet die Stadt Raccoon City, die in den Vorgängern zerstört wurde. Auf
       den Weg dorthin macht sich Leon S. Kennedy mit seinem Porsche-SUV, für den
       das japanische Entwicklerstudio Capcom eine Kooperation mit den
       Zuffenhausenern abgeschlossen hat. Schlappe 200.000 Euro kostet das
       sympathische Auto. Am Handgelenk trägt Kennedy dann noch eine Hamilton-Uhr,
       die Fans für schmale 2.000 Euro erwerben können.
       
       Für die Entwickler*innen gebe es keine Einschränkungen, dass das Auto
       beschädigt werden dürfte, sagte Porsche auf taz-Anfrage. Im Spiel kann ich
       auf die Kiste allerdings nicht schießen. Das hätte mir vermutlich den
       größten Katharsis-Moment beschert.
       
       6 Mar 2026
       
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