# taz.de -- Vorschlag von CDU-Wirtschaftsministerin: Österreichischer Ökonom wird neuer Wirtschaftsweiser
       
       > Das Bundeskabinett empfiehlt die Berufung des Handelsexperten Gabriel
       > Felbermayr in den Sachverständigenrat. Das stößt bei der SPD auf Kritik.
       
 (IMG) Bild: Soll einer von den Wirtschaftsweisen werden: der Ökonom Gabriel Felbermayr
       
       rtr | Der österreichische Ökonom Gabriel Felbermayr rückt in den Rat der
       Wirtschaftsweisen auf. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch auf
       Vorschlag von [1][Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU)], dem
       Bundespräsidenten die Berufung des Handelspolitik-Experten vorzuschlagen.
       
       Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen
       Entwicklung, dessen fünf Mitglieder umgangssprachlich „Wirtschaftsweise“
       genannt werden, berät die Bundesregierung seit 1964 und hat dafür einen
       gesetzlichen Auftrag. Die Expert*innen werden vom Bundespräsidenten auf
       Vorschlag der Bundesregierung je für fünf Jahre berufen.
       
       Felbermeyer ist Direktor des österreichischen Instituts für
       Wirtschaftsforschung (Wifo). Er soll nun bei den Wirtschaftsweisen die
       Nachfolge von Finanzmarktexpertin Ulrike Malmendier antreten. Sie war 2022
       auf Vorschlag des damaligen Wirtschaftsministers Robert Habeck (Grüne) in
       ein laufendes Mandat eingestiegen, das jetzt ausgelaufen ist.
       
       [2][Obwohl sie damit nur dreieinhalb statt der üblichen fünf Jahre
       Wirtschaftsweise war, wurde ihr Mandat nicht verlängert. Im SPD-geführten
       Bundesfinanzministerium war das auf Unverständnis und Kritik gestoßen.]
       Reiche sprach Malmendier nun im Namen der gesamten Bundesregierung ihren
       Dank für ihren „außerordentlichen Einsatz“ aus. Felbermayr soll für die
       Amtszeit bis zum 28. Februar 2031 berufen werden.
       
       ## Uneinigkeit bei den Wirtschaftsweisen
       
       Mit Felbermayr gewinne der Sachverständigenrat einen ausgewiesenen Experten
       für Handelspolitik, Geoökonomie und europäische Integration, teilte das
       Wirtschaftsministerium mit. Seine analytische Tiefe und internationale
       Erfahrung seien gerade in der ‌aktuellen geopolitischen Lage von besonderer
       Bedeutung. Felbermayr ist bereits im Wissenschaftlichen Beirat des
       Bundeswirtschaftsministeriums tätig.
       
       Überdies hat er mehrere berufliche und akademische Stationen in Deutschland
       und Österreich absolviert. Von 2010 bis 2019 leitete Felbermayr das
       Ifo-Zentrum für internationale Wirtschaft an der Universität München, bevor
       er zum Kiel Institut für Weltwirtschaft und später zum Wifo wechselte. Das
       Wiener Institut wurde 1927 von Friedrich August von Hayek und Ludwig von
       Mises gegründet – also von Verfechtern des freien Marktes und des
       klassischen Liberalismus.
       
       Wegen des Endes von Malmendiers Amtszeit hatte es in dem Expertengremium
       Querelen gegeben. Ratsmitglied Veronika Grimm distanzierte sich von einer
       Stellungnahme, in der der Rat „Verwunderung und allergrößtes Bedauern“
       geäußert hatte, dass das Mandat Malmendiers nach nur dreieinhalbjähriger
       Amtszeit nicht verlängert worden sei.
       
       ## SPD darf nächste*n Wirtschaftsweisen vorschlagen
       
       In der CDU war laut Medienberichten kritisiert worden, dass sich vier der
       fünf Ratsmitglieder in den vergangenen Jahren von der traditionellen
       ausschließlichen ordnungspolitischen Linie des Gremiums wegbewegt hätten,
       darunter auch Malmendier.
       
       Nach Ansicht des [3][Wirtschaftsweisen Achim Truger] ist der
       Sachverständigenrat ein konstruktiver Begleiter der Politik, der
       pragmatisch Optionen zur Lösung wirtschaftlicher Probleme aufzeigt.
       Wirtschaftspolitisch sei er dabei keinem klaren Paradigma mehr zuzuordnen:
       „Dass es dabei häufig keine klare Empfehlung ‌an die Politik mehr gibt,
       ‌ist keine Schwäche, sondern Ausdruck der Tatsache, dass der
       Sachverständigenrat endlich Anschluss an den internationalen, stark
       empirisch geprägten Mainstream der ⁠VWL gefunden hat.“
       
       Für Grimms Nachfolge, deren Amtszeit 2027 abläuft, kommt das
       Vorschlagsrecht der SPD zu. Die ‌Ökonomin hat im Sachverständigenrat
       Wirtschaft mehrfach von der Ratsmehrheit abweichende Meinungen geäußert. In
       dem Gremium ‌gab es auch Streit wegen Grimms Aufsichtsratsmandat beim
       Energietechnikkonzern Siemens Energy, was als möglicher Interessenkonflikt
       gewertet wurde.
       
       Der SVR war nach dem Ausscheiden Malmendiers zuletzt nur noch zu ‌viert.
       Geleitet wird er von der Münchner Ökonomin Monika Schnitzer. Weitere
       Mitglieder sind ⁠Grimm, Truger und Martin Werding.
       
       4 Mar 2026
       
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