# taz.de -- Sommerbäder in Berlin: Abo killt Sammelticket
       
       > 20-mal ins Freibad für 60 Euro. Das gab es nur in Berlin. Nun haben die
       > Bäder-Betriebe das beliebte Sommerticket aus ihrem Sortiment gestrichen.
       
 (IMG) Bild: Der Spaß wird jetzt mehr kosten: an einem sommerlich warmen Tag im Prinzenbad
       
       Die Zeichen stehen auf Frühling. Ein paar Wochen noch, dann öffnen die
       ersten Sommerbäder. Allerdings ist die Freude auf den Badespaß unter freiem
       Himmel dieses Mal getrübt: Die Berliner Bäder Betriebe (BBB) haben die
       günstige Sommermehrfachkarte aus ihrem Sortiment gestrichen.
       
       Viele Jahre hatte es das Ticket gegeben. Mit dem Slogan „So pool ist nur
       Berlin“ hatten es die BBB als eine Art Wette auf einen schönen Sommer
       beworben. Wer das Ticket schon im April vor Beginn der Freibadsaison
       kaufte, zahlte 60 Euro für 20 Eintritte. 3 Euro pro Badbesuch – das ist
       kaum zu toppen. Während der Saison kosteten die 20 Eintritte dann 70 Euro,
       im vergangenen Sommer erstmals 80 Euro. Bei einem Preis von 5,50 für ein
       normales Freibadtagesticket war auch das immer noch ein gutes Angebot.
       
       Aber nun ist Schluss mit „pool Berlin“. Das Sommerticket wurde dieses Jahr
       mit Blick auf das seit Frühjahr 2025 geltende neue Tarifsystem von den BBB
       einkassiert. Hallen- und Freibäder sind in drei verschiedene Kategorien
       unterteilt, nach denen sich der Eintrittspreis richtet. Wer in einem
       „einfachen Bad“ schwimmt, wie es die Bäderbetriebe nennen, zahlt weniger.
       
       In der Kategorie 1 zahlt man 7 Euro für ein reguläres Tagesticket, ermäßigt
       4,20 Euro. Das gilt für die Sommerbäder am Insulaner und Humboldthain, das
       Prinzenbad in Kreuzberg sowie die Sommerbäder Neukölln, Pankow und
       Wilmersdorf. [1][Allerdings bieten die BBB auf ihrer Website diverse
       Varianten an, mit denen man den Eintrittspreis reduzieren kann]. Auch
       Onlinebuchungen werden gegebenenfalls mit einem Preisnachlass belohnt. Und
       es gibt ein günstiges Badespaßticket, das für eine dreiköpfige Familie je
       nach Bad-Kategorie laut BBB „etwa so viel wie ein einziges Kinoticket
       kostet“.
       
       ## Gestiegene Kosten
       
       Die neue Tarifstruktur sei stärker am Nutzungsverhalten der Badegäste
       orientiert, teilte eine Sprecherin der BBB der taz mit. Aber auch die
       gestiegenen Kosten für Personal, Strom, Gas, Wasser sowie Abwasser habe man
       berücksichtigen müssen. Die Sommermehrfachkarte – und andere Sammelkarten –
       „wurden durch zahlreiche andere attraktive Angebote ersetzt“.
       
       Das neue Preissystem auf der BBB-Website erschließt sich nicht auf den
       ersten Blick. Immerhin gibt es ausführliches FAQ, das hilft, die
       wichtigsten Fragen zu klären. Wer sich durch den Dschungel gearbeitet und
       die Angebote verglichen hat, wird feststellen, dass es für
       Vielschwimmerinnen und -schwimmer mit einem Abomodell, Mindestlaufzeit 3
       Monate, danach flexibel kündbar, ein wirklich neues attraktives Angebot
       gibt. Mit dem Flexi-Abo für 38 Euro im Monat etwa kann man beliebig oft in
       jedem Bad – auch in der Halle – schwimmen gehen. Abrufbar ist das Ticket
       mittels QR-Code auf dem Smartphone.
       
       Anders verhält es sich für Gelegenheitsschwimmer und für Leute, die bei
       schönem Wetter spontan ins Becken hüpfen wollen. Vor allem Letzteren dürfte
       kaum der Sinn danach stehen, sich auf der Suche nach einem passenden Ticket
       durch Badkategorien, Preislisten und Onlinebuchungssysteme auf der Webseite
       zu kämpfen. Die Alternative wäre dann wie früher, bei brütender Sonne vor
       den Kassen der Bäder für das Ticket anzustehen.
       
       Mit der haptischen Sommermehrfachkarte war es einfacher. Das Ticket galt
       für alle Sommerbäder der BBB und war auf Begleitpersonen, Freunde und
       Bekannte übertragbar. Bei der Abbuchung am Eingang zeigte der Scanner
       zuverlässig an, wie viele Eintritte auf der Karte noch offen waren.
       
       Besonders Ambitionierte erwarben im April zwei oder drei Sammeltickets,
       auch als Anreiz, im Sommer bei jedem Wetter schwimmen zu gehen. Denn am
       Ende der Saison verfiel das Ticket. Kurz vor Schluss wurden die
       Restbestände von Schwimmfans gehandelt wie auf der Börse. Wer hat noch
       Eintritte? Wer will noch welche? Notfalls sogar geschenkt. Auch im
       taz-Kollegium rissen sich manche darum.
       
       ## Faust in der Badehose
       
       Zornig mache ihn die Abschaffung der Sommerkarte, sagt der 71-jährige
       Schwimmer Paul L., der im Sommer nahezu jeden Tag seine 20 Bahnen schwimmt.
       Natürlich werde er das weiter tun und sich möglicherweise auch das Abo
       zulegen, „aber mit der Faust in der Badehose“, denn er sei kein Freund von
       Abonnements.
       
       Der Verzicht auf das Sommerticket sei eine absurde Einschränkung jeglicher
       Flexibilität, sagt Thomas M. Der 65-Jährige gehört zur Sorte
       Schönwetterschwimmer. Auf die Berechnerei, wie und wo er am besten spare,
       habe er keine Lust, sagt er. Und zum Anstehen in der Schlange vor dem Bad
       erst recht nicht. Er werde dann wohl an einen See fahren müssen.
       
       2024 haben die Bäder Betriebe eigenen Angaben zufolge rund 16.000
       Sommermehrfachtickets verkauft. Bei 1,9 Millionen Badegästen in der
       Sommersaison war das nicht viel. 2025 gingen bei 1,4 Millionen
       Freibadbesuchern 20.500 Sommermehrfachtickets über den Tresen. [2][Das
       schlechte Wetter und das kalte Wasser hatte deutlich weniger Menschen als
       in den Vorjahren angelockt.]
       
       Ralf Wendling pflegte mithilfe des Sommertickets mehrmals in der Woche im
       Olympiabad abzutauchen. In der vergangenen Saison hatte er die
       [3][Protestresolution gegen das kalte Wasser in den Freibädern initiiert].
       Um Energiekosten zu sparen, waren die Becken, abgesehen von drei
       Sommerbädern, nicht mehr mit fossiler Energie beheizt worden. Die Politik
       lenkte schließlich ein. In dieser Saison soll das Wasser wieder auf eine
       sogenannte Stütztemperatur von 22 Grad erhitzt werden.
       
       Als Vielschwimmer freue er sich auf das neue Abo, sagt Wendling. Aber
       Menschen wie sein Vater seien weiterhin auf das Mehrfachticket angewiesen.
       Der alte Herr habe zwar ein Smartphone, sei von Onlinebuchungen aber völlig
       überfordert. „Warum bieten die Bäder Betriebe nicht beides an?“, fragt sich
       Wendling.
       
       Für ältere Menschen sei das Mehrfachticket perfekt, findet auch Katharina
       Schwierkus. Die 36-jährige Vielschwimmerin erzählt, dass sie oft von
       badebegeisterten Seniorinnen hört, wie glücklich diese über das praktische
       Sammelbillett seien.
       
       Zumindest für Gruppen, die mit der digitalen Technik fremdeln, kündigt sich
       Entlastung an. Beim Kundenzentrum der BBB sei es möglich, eine Plastikkarte
       mit dem QR-Code zu beantragen, sagte die Bädersprecherin. Auch beim
       Abschluss eines Abos vor Ort sei das Kundenzentrum behilflich.
       
       8 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.berlinerbaeder.de/faq/
 (DIR) [2] /Schwimmen-in-Berlin/!6114191
 (DIR) [3] /Kalter-Badespass-/!6084736
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Plutonia Plarre
       
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