# taz.de -- Frauen als Besserverdienerinnen: Hauptsache Lifestyle
> Männer sind ein bisschen blöd. Dabei müssten sie sich nur mal locker
> machen. So wie unser Autor: Der ist froh, dass seine Frau mehr verdient
> als er.
(IMG) Bild: Dreht am Lifestyle-Däumchen: Nicht der Autor dieser Zeilen!
Manche Dinge ändern sich nie. So ist gerade mal in jedem zehnten deutschen
Haushalt [1][die Frau die Hauptverdienerin] (mindestens 60 Prozent des
Gesamthaushaltseinkommens). Gegenüber 2021 ist dieser Anteil sogar noch
einmal leicht gesunken.
Bei Paaren mit Kindern führt die altbekannte Gemengelage aus mangelnden
Betreuungseinrichtungen und bockigen Vätern dazu, dass viele Mütter in der
vom CDU-Wirtschaftsflügel als solche geschmähten „[2][Lifestyle-Teilzeit]“
schwelgen.
Wobei der Lifestyle in etwa so aussieht, dass sie morgens die Kinder
anzieht, abfrühstückt und auf den Weg bringt, anschließend ins Büro geht,
fährt oder kriecht (Glatteis!), um dort ein wenig der Lifestyle-Arbeit zu
frönen, dann die kleinen Kinder abholt, die großen Kinder müssen zum
Geigenunterricht gebracht oder in der Jugendstrafanstalt besucht werden,
später putzt, Abendessen macht, und schon kommt auch der Mann heim von der
Arbeit.
Der Arme ist dann aber auch wirklich rechtschaffen müde. Er hat nämlich den
ganzen Tag geschuftet. Und nicht wie gewisse andere Damen, die halbe Zeit
über Lifestyle-Däumchen gedreht.
## Wer wollte denn eine konservative Regierung?
Das ist also wenig überraschend, allzumal sich an den Verhältnissen, an wem
die Care-Arbeit hängen bleibt, wenig ändert. Und bevor jemand meckert. Das
ist schließlich die Aufgabe einer konservativen Regierung: dass sich
möglichst wenig ändert. Dafür werden die gewählt. Insofern machen sie
nichts falsch. No hard feelings.
Nein, erstaunlicher ist eher die Tatsache, dass die Zahlen in
Paarhaushalten ohne Kinder kaum besser sind. Wo in Familien mit Kindern
7,7, Prozent der Frauen Hauptverdienerinnen sind, sind es bei den
Kinderlosen 11,4 Prozent. Das ist jetzt nicht der Höllenunterschied.
Neben Faktoren wie der [3][Gender-Pay-Gap], und dass Frauen häufiger in
schlecht bezahlten Sozialberufen arbeiten, während Männer gewinnbringend
Kanonen, Drogen oder Wertpapiere verscheuern, scheint dem auch eine gewisse
Steinzeitmentalität zu Grunde zu liegen.
Denn folgt man den Diskussionen in Presse, Funk und Stammtisch, kommen
Männer im Kopf oft nach wie vor schlecht damit klar, wenn sie weniger
verdienen als ihre Frau. Ihre Anerkennung wird eins zu eins über die
Bezahlung umgeschlagen. Haushaltsarbeit oder Kinderbetreuung ist von daher
wenig wert.
Der schlechter verdienende Mann weint („Frau verdient mehr, schluchz!“)
oder schreit („Frau verdient mehr, aaarrgh!“) häufig, trinkt zu viel, lässt
sich gehen (hygienisch, sozial), und kämpft permanent mit den schlappen
Windmühlenflügeln erektiler Dysfunktion.
Dabei müsste er sich bloß mal locker machen. So wie der Autor dieser
Zeilen. Ach was, ICH. „Der Autor dieser Zeilen“: Diese unsägliche
Klemmscheiße, mit der Generationen von Journalisten seit jeher versuchen,
„ich“ zu schreiben, ohne „ich“ zu schreiben, mache ich ab heute schlicht
nicht mehr mit. Ich, ich, ich!
## Irgendjemand muss ja in die saure Suppe greifen
Ich also sitze den ganzen Tag zu Hause und mache „Kunst“. Ich verwirkliche
mich selbst. So schreibe ich zum Beispiel gerade ein „Buch“. Sofern mich
das glückliche Privileg ereilt, dieses „Buch“ überhaupt jemals zu
verkaufen, würde ich nach mehreren Jahren Arbeit auf einen Stundenlohn von
umgerechnet ein paar Cents kommen.
Deshalb verdient meine Frau in unserem Paarhaushalt ohne Kinder den
Großteil des Geldes. Irgendjemand muss ja in die saure Suppe greifen. Und
dafür bin ich einfach nur unendlich dankbar. Denn ich habe das schönste
Leben der Welt, während sie den ganzen Tag Gespräche mit anstrengenden
Menschen führen muss, die anstrengende Dinge sagen. Scheißerwachsenenberuf
eben. Sie tut mir so leid. Und ich bin so froh, dass ich das nicht machen
muss. Ich will das nicht und ich könnte das nicht. Ich würde schon am
ersten Tag entweder die anstrengenden Menschen entleiben oder mich selbst.
Ob das, was ich hier abziehe, Lifestyle-Vollzeit oder Lifestyle-Nullzeit
ist, darüber scheiden sich die Gespenster. Hauptsache Lifestyle. In jedem
Fall kann ich das Modell allen Männern nur wärmstens ans Herz legen. Eure
eigene Anerkennung wird euch sicher sein.
4 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunktur/lohnunterschied-frauen-maenner-100.html
(DIR) [2] /CDU-Parteitag-in-Baden-Wuerttemberg/!6156038
(DIR) [3] /Equal-Pay-Day/!6157832
## AUTOREN
(DIR) Uli Hannemann
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