# taz.de -- Toprak „Die Tochter, die niemand wollte“: Wut und Offenheit
> Yasemin Topraks Memoir „Die Tochter, die niemand wollte“ gewährt einen
> schonungslosen Einblick in die Familie und die Welt, in der sie aufwuchs.
(IMG) Bild: Yasemin Topraks Kritik macht eine Auseinanderstzung innerhalb der jesidischen Community unvermeidlich
Yasemin Topraks Memoir „Die Tochter, die niemand wollte“ gewährt einen
schonungslosen Einblick in die Familie und die Welt, in der sie aufwuchs.
Präzise und wie aus einer Außenperspektive beschreibt sie patriarchale
Strukturen und Heuchelei. Die Distanz spiegelt ihr Gefühl, nie richtig
dazugehört zu haben.
Doch Toprak erzählt keine jener Befreiungsgeschichten, welche die
jesidische Community pauschal als patriarchal und rückständig abstempeln.
Sie ordnet ein: gesellschaftlich, politisch und historisch. Sie beschreibt
ein Heiratssystem, das schützen sollte, erzählt von Mustern, die aus
transgenerationalen Traumata entstanden. Und sie führt in den jesidischen
Glauben ein: in Regeln, Gebote, soziale Funktionen.
Toprak zeigt, wie sie versuchte, ins System zu passen, die Erwartungen
ihrer Herkunftscommunity zu erfüllen und daran scheiterte: Ein Podcast, in
dem sie offen und persönlich über Sexualität sprach, führte schließlich zum
Bruch mit ihrer Familie. Anschaulich vermittelt sie die Zerrissenheit
zwischen kulturellen Erwartungen und feministischen Ansprüchen.
Ihre Geschichte entfaltet sich auf 160 Seiten: Knappe Kapitel, kurze, klare
Sätze. Mit einer Menge Selbstironie und unbändiger feministischer Wut nimmt
Toprak die Leser:innen mit auf ihre Reise „zwischen kulturellen Tabus,
freier Sexualität und radikaler Offenheit“.
Die Geschichte ist fesselnd, trotz einiger sprachlicher Wiederholungen legt
man das Buch kaum aus der Hand. Topraks Kritik macht eine
Auseinandersetzung innerhalb der jesidischen Community unvermeidlich. Wer
verstehen und nicht verurteilen will, sollte dieses Memoir lesen. Beritan
Dik
20 Mar 2026
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(DIR) Beritan Dik
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