# taz.de -- China legt neuen Fünfjahresplan fest: Wie die Volksrepublik den fairen Handel untergräbt
       
       > Ab Donnerstag geht es beim Nationalen Volkskongress in Peking um den
       > wirtschaftspolitischen Kurs. Was China nützt, schadet seinen
       > Handelspartnern.
       
 (IMG) Bild: Warten auf den neuen Fünfjahresplan: Wie geht es weiter mit der aggressiven chinesischen Handelspolitik?
       
       Es gibt weltweit kaum eine Veranstaltung, die derart bürokratisch ist und
       trotzdem von unzähligen Ökonomen mit Hochspannung verfolgt wird: Beim
       Nationalen Volkskongress ziehen ab Donnerstag knapp 3.000 Delegierte in die
       sogenannte Große Halle des Volkes, um den künftigen wirtschaftspolitischen
       Kurs des Landes abzunicken. Dieser Nationale Volkskongress ist von
       besonderer Bedeutung, da ein neuer Fünfjahresplan verabschiedet wird – und
       damit Investitionen in Höhe von Dutzenden Billionen Dollar.
       
       „Zu erwarten ist ein noch stärkerer Vorstoß in Richtung [1][technologische
       Selbstständigkeit], industrielles Wachstum und staatliche Lenkung der
       Wirtschaft“, sagt China-Experte Neil Thomas von der Denkfabrik Asia
       Society. Für den Großteil der internationalen Staatengemeinschaft ist das
       [2][keine gute Nachricht].
       
       Vom Globalen Süden bis zur Europäischen Union fordern Staatschefs seit
       Jahren, dass China seine aus dem Gleichgewicht geratene Volkswirtschaft
       wieder ins Lot rückt. Der chinesische Staatskapitalismus zeichnet sich
       durch [3][einen niedrigen Konsum] bei gleichzeitig drastischer
       Exportabhängigkeit aus. Die Folge: China erzielte im letzten Jahr einen
       Handelsüberschuss von 1,2 Billionen Dollar. Ein Zustand, den Frankreichs
       Präsident Emanuel Macron als „unzumutbar“ bezeichnete.
       
       Ökonomen rätseln an den scheinbaren Widersprüchen der zweitgrößten
       Volkswirtschaft der Welt. Vor fünf Jahren platzte die chinesische
       Immobilienblase, die Staatsverschuldung ist im vergangenen Jahr im
       zweistelligen Prozentbereich gestiegen und seit 40 Monaten befinden sich
       die Erzeugerpreise in einer Deflationsspirale. So sieht keine gesunde
       Volkswirtschaft aus. Und trotzdem: Die chinesische Wirtschaft wächst jedes
       Jahr um 5 Prozent. „Wir müssen verstehen, dass es eine direkte Korrelation
       zwischen Chinas äußerer Stärke und Chinas innerer Schwäche gibt“, sagt Jens
       Eskelund, Präsident der Europäischen Handelskammer in Peking.
       
       ## Die Wirtschaftsstrategie Xi Jingpings
       
       Staatspräsident Xi Jinping arbeitet seit mehr als zehn Jahren daran, die
       eigene Volkswirtschaft so autark wie möglich zu gestalten. Mit seinem
       staatlich gelenkten Kapitalismus steckt der Generalsekretär der
       Kommunistischen Partei das Gros der Ressourcen in das produzierende
       Gewerbe. Gleichzeitig lässt diese Strategie den Konsum jedoch verkümmern.
       
       Hinzu kommt, dass die Zentralbank in Peking die eigene Währung künstlich
       niedrig hält. Beobachter beziffern die Unterbewertung des Renminbi auf gut
       30 Prozent. All dies führt dazu, dass Chinas Unternehmen viel exportieren –
       ohne jedoch nennenswerte Gewinne einzufahren. Laut dem nationalen
       Statistikbüro machen 22 Prozent aller heimischen Firmen Verluste.
       
       Tatsächlich ist Xi der Auffassung, dass China nahezu sämtliche Produkte
       besser, schneller und günstiger selbst herstellen kann. Das, was die
       Volksrepublik vom Ausland benötigt, soll sich künftig nur mehr auf
       Rohstoffe beschränken.
       
       ## Handel mit China wird zum Verlustgeschäft
       
       „China macht Handel unmöglich“, titelte die Financial Times vor einigen
       Monaten. In der Realität zeigt sich, dass der Handel mit dem Reich der
       Mitte tatsächlich zum Verlustgeschäft wird: In Indonesien mussten Tausende
       Textilfabriken schließen, weil sie mit der billigen Konkurrenz aus China
       nicht mithalten konnten. In Deutschland werden gerade die
       Automobilzulieferer geschröpft. Jahre zuvor mussten sich die Produzenten
       von Solarpaneelen der chinesischen Konkurrenz geschlagen geben. Die
       Investmentbank Goldman Sachs schätzt, dass im Jahr 2029 der
       Wettbewerbsdruck aus China die Bundesrepublik 0,9 Prozent des BIP kosten
       wird.
       
       Chinas Parteiführung wird ihren für die globale Wirtschaft destruktiven
       Kurs kaum korrigieren. Xi Jinping hat spätestens im Zuge des ersten
       Coronalockdowns in der Praxis erlebt, wie sehr die Welt von chinesischen
       Lieferketten abhängig ist. Hinzu kommt die ständige Bedrohung der
       US-Regierung, die mit Tech-Sanktionen und Zöllen den wirtschaftlichen
       Aufstieg Chinas zu bremsen versucht. Die Lehre daraus dürfte für Xi
       eindeutig sein: in Zukunft noch stärker auf Autarkie zu setzen – um das
       eigene Schicksal selber bestimmen zu können.
       
       4 Mar 2026
       
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