# taz.de -- Abstimmung zur Bundeswehr im Irak: Bundeswehr setzt zweitgrößtes Auslandsmandat fort
> Der Bundestag verlängert die Mission der Bundeswehr in Irak. Im Parlament
> geht es darum, die Interessen im irakischen Kurdistan abzusichern.
(IMG) Bild: Ein deutscher Soldat bei der Ausbildung von Peschmerga im Jahr 2019
Das aktuell fast größte Auslandsmandat der Bundeswehr findet jenseits der
öffentlichen Wahrnehmung statt: Bis zu 500 deutsche Soldat*innen
unterstützen seit Ende 2015 in Irak den Kampf gegen den IS und die
Ertüchtigung der Streitkräfte des Landes. Am Donnerstagabend stimmte der
Bundestag für eine Verlängerung dieses Mandats bis Ende Januar 2027. Es ist
die zweitgrößte Mission der Bundeswehr, nur wenig kleiner als die
Beteiligung am Nato-Einsatz „Sea Guardian“ im Mittelmeer.
Es zeichnet sich ab, dass die Bundeswehr den Einsatz in Irak vor allem in
den kurdischen Gebieten im Norden des Landes fortsetzen will – [1][auch
wenn die USA ihre Einsätze in der Region weiter herunterfahren]. Laut
Antrag „beabsichtigt die Bundesregierung, ihr militärisches Engagement auch
nach einer perspektivischen Beendigung von OIR fortzusetzen“. OIR steht für
die internationale Operation Inherent Resolve, auf dessen Abwicklung die
USA und Irak sich im September 2024 mehr oder geeinigt hatten.
Grundlage für das neue Mandat der Bundeswehr ist der Wunsch der Regierung
in Bagdad und der Führung in der Autonomen Region Kurdistan im
nordirakischen Erbil, die Nato-Präsenz dort aufrechtzuerhalten. Nach
Angaben der Bundesregierung beendeten die USA im September 2025 ihre
Luftangriffe auf Stellungen des IS auf irakischem Staatsgebiet. Nun sollen
die internationalen Streitkräfte aus dem Zentrum des Landes in den Norden
verlegt werden, um dort gegen eine mögliche Rückkehr der terroristischen
Bedrohung des IS aus Syrien zu kämpfen.
Deutschland genießt durch seine mehr als zehnjährige durchgehende Präsenz
im Nordirak eine besondere Stellung bei den dortigen Kurd*innen, die mit
den Peschmerga über eigene Streitkräfte verfügen. Die Bundeswehr besetzt in
Erbil das internationale Operationskommando, das die kurdischen
Kämpfer*innen berät. In der Vergangenheit belieferte Deutschland die
Peschmerga auch mit Waffen und unterstützte die Ausbildung der
Kämpfer*innen. Es soll auch weiterhin Teil des Mandats sein, dass die
Bundeswehr das kurdische Ministerium für Peschmerga-Angelegenheiten berät.
Der Verlängerung des Einsatzes in namentlicher Abstimmung stimmten 390
Abgeordnete zu, neben Union, SPD hatten auch die Grüne Zustimmung
signalisiert. Das ist umso bedeutender, als die Kurd*innen in den beiden
Nachbarstaaten Iraks massiv an Macht verloren haben: In Syrien stehen die
kurdischen Milizen [2][einer beispiellosen Offensive von türkisch gedeckten
Streitkräften gegenüber]. Auch in der Türkei geht die Repression gegen die
politischen Bestrebungen der Kurd*innen unvermindert weiter.
Nicht nur die Bundeswehr ist in Irak aktiv: Das Entwicklungsministerium hat
nach Regierungsangaben im Jahr 2025 mehr als 53 Millionen Euro für das Land
bereitgestellt. Hinzu kommen für das Jahr 2024 fast 420 Millionen Euro aus
dem Auswärtigen Amt für die Sicherheitspolitik des Landes. Laut Regierung
soll so ein Wiedererstarken des IS langfristig verhindert werden. Mit dem
Einsatz der Bundeswehr sollen die Investition auch militärisch untermauert
werden.
## Linke kritisieren den Einsatz
Die Linkspartei stimmte gegen eine Verlängerung des Einsatzes. Der
verteidigungspolitische Sprecher der Linksfraktion, Ulrich Thoden,
kritisierte, dass die Bundesregierung einerseits in Syrien die Regierung
des Islamisten Ahmad al-Scharaa hofiert, der gegen die Kurd*innen im Land
vorgeht. Auf der anderen Seite stehe Deutschland aber hinter den
Peschmerga. Thoden forderte stattdessen, den politischen Druck auf die
syrische Übergangsregierung zu erhöhen, damit diese ihren Vormarsch in
Rojava stoppt.
Der Linken-Politiker befürchtet außerdem, dass die Aufklärungsarbeit der
Bundeswehr in der Region über Nato-Schnittstellen an die Türkei gelangen
könnte, die damit das Lagebild für ihren Kampf gegen die Kurd*innen
verwenden könnte. Inwieweit das der Einsatzpraxis entspricht, ist zumindest
unklar. Es ist etwa auch nicht davon auszugehen, dass die Türkei ihrerseits
Aufklärungsdaten aus ihrem Kampf gegen die Kurd*innen mit den westlichen
Nato-Partnern teilt.
Der kurdischstämmige Grünen-Bundestagsabgeordnete Kassem Taher Saleh
begrüßt die Fortsetzung des deutschen Mandats. „Die Angriffe der
islamistisch-syrischen Übergangsregierung auf die Kurden erhöhen die
Gefahr, dass der IS wiedererstarkt“, sagte er mit Blick auf die
Entwicklungen in Syrien. Das betreffe nicht nur die Menschen in der Region,
sondern auch die Sicherheit in Europa und Deutschland.
29 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Cem-Odos Gueler
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