# taz.de -- Die Wahrheit: Frieden aus der Gulaschkanone
> Viktor Orbáns irrer Deal: Ungarn wird russisch, der Donbass bleibt
> ukrainisch. Der Geheimplan aus Angst vor der Niederlage bei der
> anstehenden Wahl.
(IMG) Bild: Der geniale Puszta-Stratege Viktor Orban hat einen Plan
Not macht erfinderisch, Notdurft zumal, wer wollte das leugnen. Und da der
ungarische Ministerpräsident ein Notdürftiger ist wie wir alle, begrüßen
auch ihn die rettenden Ideen in der Regel beim Kacken. Majestätisch thront
das gewichtige Gesäß auf dem Donnerbalken, grollend setzt sich der Stuhl in
Gang, ein Pressen, ein Seufzen, ein Stöhnen, eine lange, schmerzhafte Wehe
– und endlich schießt sie, die Mutter aller Lösungen, mit Karacho in den
Irrgarten der Erkenntnis.
Viktor Orbán ist ein Getriebener, nicht Vertriebener, das würde er
entschieden zurück- und ausweisen, aber eben einer, dem das Selbst seines
Volkes schlaflose Nächte und dösende Tage bereitet. 1993 übernimmt er die
Fidesz-Partei, pustet sie zur Fruchtblase der europäischen Neuen Rechten
auf und führt sie 1998 zum Sieg, aber noch nicht zum End-, das gelingt ihm
erst 2010. Dann allerdings macht er sich freie Bahn, stutzt die Medien,
putzt die Justiz und frisst sich ein paar Dezimeter Umfang an, um seinen
Ziehvater Helmut Kohl auch äußerlich zu überholen.
Das große Fressen läuft lange Zeit fein; Orbán, die Made im Speck der EU,
grinst wie Mephisto beim Anblick des gefangenen Gretchens und schwört sich,
einen Teufel zu tun, seine Mundhaken zu entkreuzen.
Aber eines Tages, aus dem Hinterhalt, dräut unvermutet das Aus: Ein Péter,
Magyar zur Unbill mit Namen, zieht seinen Dolch zum Stoß aus der Scheide.
Korruption, die sich spüren lässt, lautet der Zauberbefund, der den
Menschen, dem Stimmvieh auf Abruf, die ewige Trotz- und Jubelorgie für
einen Moment vergeigt. Jetzt fühlen sie sich verschunkelt, gehen auf
Abstand, ahnen den gigantischen Beschiss und laufen zum anderen Ungarn
über, Magyar siehe oben, der Weltgeist hat ihn getauft.
## Frieden und Stachel
Plumps macht die Rettung aufs Tablett: Man könnte doch, wie wäre es denn,
das ist es! Wenn Ungarn zum russischen Protektorat würde und Russland im
Gegenzug davon abließe, die Ukraine wegzuknabbern, hätten alle gewonnen:
Selenskyj seinen Frieden, Putin einen Stachel viel tiefer in den
verschwulten Westen hinein, als er bis dato zu träumen wagte, und er,
Viktor Orbán, Nobelpreisträger in spe, eine letzte Amts- auf Lebenszeit:
als Statthalter oder Lieutenant oder Paprikaprinz oder wie auch immer es
Moskau gefallen wird, seinen Buddy in Budapest zu betiteln.
Es müsste nur zügig gehen, denn bald finden obszöne Parlamentswahlen statt,
unterwandert mit Scheinkandidaten aus Brüssel, Bilbao und Wasserbillig: da
heißt es, wie anno 56, Fait accompli auf die Donaubrücken rollen lassen.
Und es muss lecker riechen: Das Stimmvieh, das verstummen soll, braucht
eine opulente Narratio von tuntenfreien Russenlanden, hochprozentigem
Christentum und gleichzeitigem Abschlecken des Mittelfingers nach dem Griff
in die Sahnetörtchen der EU. Denn das steht ja wohl außer Frage: Diese wird
man auch fürderhin nicht verlassen, und diese wird Ungarn auch fürderhin
nicht entlassen, da es immer eine Slowakei gibt, die dagegen ihr Veto
rülpsen wird.
Also eilig die Falte geputzt und so schnell es die Fettringe zulassen ins
Büro zur Dreierschaltung: Donny T. grölt Gratulationen zum Plan, reklamiert
aber die Autorschaft samt fälligem FIFA-Nobelpreis. Wlady P. ist ebenfalls
d’accord, wenngleich etwas abgelenkt, da ihm sechzig nostrifizierte
Sechsjährige aus Donezk gerade ihre neuen Eltern präsentieren. Gianni I.
wie infantil klopft an und wird weggewischt. Wo Dreifaltigkeit tagt, hat
die Einfalt nichts verloren.
Der Rest der Welt spielt empört, spendet Applaus oder nimmt’s achselzuckend
zur Kenntnis. Sisi die Erste und Franz Joseph der Letzte wenden sich
unbeholfen im Grab und flüstern prophetisch im Chor: Wer Ungarn liebt, wird
Nazis ungern hassen.
4 Mar 2026
## AUTOREN
(DIR) Roland Bursch
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(DIR) Mevlüt Çavuşoğlu
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