# taz.de -- Iran, Afghanistan, Pakistan und Köln: Büttmarsch zum Arbeitsamt
       
       > Eine Woche, in der Iran angegriffen wird, BaWü arm dran ist, Köln zur
       > Einzeitungsstadt schrumpft und 20 Afghan:innen abgeschoben wurden.
       
 (IMG) Bild: Köln bald fast nur noch unter dem DuMont-Medienmonopol
       
       taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht letzte Woche? 
       
       Friedrich Küppersbusch: Verhandlungen mit Schurken wie Iran.
       
       taz: Und was wird besser in dieser? 
       
       Küppersbusch: Verhandlungen mit Schurken wie Iran, wenn man sie erwischen
       will.
       
       taz: USA und Israel greifen den Iran an. Ist daran irgendetwas gut? 
       
       Küppersbusch: „Plane-Spotter“ notierten zuletzt rege Flugtätigkeit über der
       US-Basis im deutschen Ramstein; An- und Abflüge militärischer und ziviler
       US-Maschinen „im Minutentakt“. Kanzler Merz’ erste Reaktion, Deutschland
       sei „an den Militärschlägen nicht beteiligt, stehe aber im engen Kontakt
       mit USA, Israel und weiteren Partnern“, greift also beherzt zu kurz.
       Immerhin wird da von deutschem Boden ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg
       ermöglicht. Das mag gut finden, wer das Völkerrecht als eher störend
       empfindet, wenn es um die gerechte Sache geht. Das Bundesverfassungsgericht
       hatte zuletzt entschieden: Deutschland dürfe so was allenfalls hinnehmen,
       wenn der Völkerrechtsbruch nicht systematisch erfolge. Und das – „sorry,
       war ein Versehen“ – glaubt niemand. „Gut“ kann man daran finden: Hier sind
       die USA entgegen notorischen Klagen ausnahmsweise mal angewiesen auf „uns“,
       ihren „Flugzeugträger im Herzen Europas“, eben Deutschland. Der das gern
       gelegentlich, diplomatisch, heimlich – mal ansprechen dürfte.
       
       taz: Pakistan erklärt den afghanischen Taliban hingegen nun den „offenen
       Krieg“. Aber waren die nicht mal verbündet? 
       
       Küppersbusch: Pakistan unterstützte Afghanistan gegen die Sowjets wie gegen
       die USA. Das überdeckte zeitweise den direkten Konflikt beider über die
       Grenze, die die britische Kolonialmacht vor über 100 Jahren freihändig in
       die Gegend pinselte. Nach dem Verursacherprinzip ginge es uns Europäer also
       durchaus etwas an. Haha, Spaß.
       
       taz: [1][Derweil hat Deutschland 20 Straftäter nach Afghanistan
       abgeschoben]. Geplant ist zudem, dass künftig alle Asylbewerber*innen
       nach drei Monaten arbeiten dürfen. Sieht so kohärente Immigrationspolitik
       aus? 
       
       Küppersbusch: Faszinierend, wie Merz und Dobrindt sich an jedem Poller
       dafür feiern, die Zuwanderungszahlen „endlich runtergebracht“ zu haben –
       und zugleich unbedingt weitere Verschärfungen brauchen, weil sonst
       Weltuntergang. In der Sache hatte die „Ampel“ mit ihrer Zustimmung zum
       „Gemeinsamen Europäischen Asylsystem“ GEAS den Weg gebahnt – was die Grünen
       nicht dran hindert, das nun „einen Paradigmenwechsel“ und ziemlich schlimm
       zu finden. Den Aspekt mit der Arbeit kann man in Deutschland nicht
       befriedigend regeln, denn der Asylant kassiert wahlweise fürs Nichtstun –
       oder nimmt Deutschen die Arbeit weg. Die AfD bekämpft man nicht, indem man
       immer wieder auf ihre Themen setzt.
       
       taz: Vor dem [2][Besitzerwechsel an DuMont] löst der Heinen-Verlag die
       gesamte bisherige Redaktion der „Kölnischen Rundschau“ auf, meldet die DJU.
       Sind solche kaltschnäuzigen Übergaben das, was früher Sozialplan hieß? 
       
       Küppersbusch: Na ja, die können sich doch übern Rhein bei RTL bewerben, wo
       gerade 600 Vollzeitstellen gestrichen wurden. Im Ergebnis wird die
       viertgrößte Stadt Deutschlands damit zum Einzeitungskreis; ts, Stadt
       Anzeiger und Rundschau kommen künftig aus einem Haus. Schon 1998 war der
       Heinen-Verlag verlegerisch unters Dach von DuMont geflohen, für 28 Jahre
       Vorbereitungszeit kommt der Rauswurf nun erfrischend unvorbereitet daher.
       DuMont kann sich aufs Karnevalsmotto 26 berufen – „Alaaf, mer dun et för
       Kölle“, die gefeuerten Mitarbeitenden auf das Motto für 27 „Morje ist, wat
       du drus mäs!“ Und Büttmarsch zum Arbeitsamt.
       
       taz: Özdemir holt in Umfragen zur Wahl in Baden-Württemberg auf,
       [3][CDU-Nachwuchshoffnung Hagel verliert. Ist Eva schuld]? 
       
       Küppersbusch: Sexismus ist immerhin mal ein anderes Thema als böse
       Ausländer oder ebenso böse Bürgergeldempfänger. Auch wenn gerade die
       GrünInnen zuletzt im „Fall Gelbhaar“ gar nicht mal so gute Erfahrungen mit
       moralisch hochwertigem Rumbeschuldigen gemacht haben. Im abschließenden
       „TV-Triell“ zur Landtagswahl standen mit dem reumütigen Hagel, dem
       geifernden Inquisitor Frohnmeier von der AfD und dem landesväterlich
       mäßigenden Özdemir drei shades of, nun ja, konservativ im Ring. Armes BaWü.
       
       taz: Die Affäre um das Macht- und Missbrauchsnetzwerk von Jeffrey Epstein
       zieht weitere Kreise. Was waren für Sie die Neuigkeiten der Woche? 
       
       Küppersbusch: Hinter den spektakulären Details, die immer viel mit Sex und
       Promis zu tun haben, tritt das schemenhaft erkennbare Bild eines privaten
       Geheimdienstes zurück. Das liegt im Interesse der Täter.
       
       taz: Und was macht der RWE? 
       
       Küppersbusch: Zweite Niederlage nach Osnabrück auch gegen Rostock. „Noch
       nicht reif für den Aufstieg“ ist traditionell eine hübsche Formulierung für
       „Wenn es nächste Saison mal bloß nicht gegen den Abstieg geht“. Fragen:
       waam
       
       1 Mar 2026
       
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