# taz.de -- Equal Pay Day: Berlin soll faire Löhne durchsetzen
       
       > Zum Equal Pay Day mahnt die Grünenfraktion gleiches Gehalt bei
       > geförderten Projekten an. Als Land könne Berlin mehr für
       > Geschlechtergerechtigkeit tun.
       
 (IMG) Bild: Frauen verdienen strukturell noch immer weniger als Männer
       
       Berlin muss nach Ansicht der Grünen mehr für die gleiche Bezahlung von
       Frauen tun. Mit einem [1][Antrag im Abgeordnetenhaus will die Partei den
       Gender Pay Gap] wenigstens dort schließen, wo das Land öffentliche Mittel
       vergibt. Anlass ist der Equal Pay Day am 27. Februar. Das ist ein
       Aktionstag, der auf die weiterhin bestehende Lohnlücke zwischen Frauen und
       Männern hinweist, da Männer im Schnitt mehr verdienen. Das Datum markiert
       den Tag, bis zu dem Frauen rechnerisch – im Vergleich zu dem Gehalt von
       Männern – unbezahlt arbeiten. In der Vergangenheit lag der Tag noch im
       März, inzwischen fällt er immerhin auf Ende Februar.
       
       Mit dem Antrag fordern die Grünen den Senat auf, erstens einen genaueren
       Bericht zu erstellen und zweitens geeignete Maßnahmen dafür zu entwickeln,
       wie vom Land geförderte und finanzierte Projekte faire Bezahlung erreichen
       können. Bereits im vergangenen Jahr hatten die Grünen einen Antrag auf
       gleiche Bezahlung in der Verwaltung eingebracht, der Antrag war im
       Parlament aber gescheitert.
       
       „Das sind zwei Punkte, bei denen das Land direkt handlungsfähig wäre“, sagt
       Bahar Haghanipour, frauen- und gleichstellungspolitische Sprecherin der
       Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus. „Auch, wenn vieles auf Bundesebene
       geregelt wird, ist Berlin nicht machtlos, dabei könnte gerade Berlin als
       progressive Hauptstadt wichtige Impulse setzen.“
       
       Haghanipour fordert daher, dass das Land dessen Berichte auf Basis von
       schon erhobenen Daten erweitert. „Es soll nicht mehr Arbeit sein. Aber die
       Daten gibt es, die Träger wissen ja, wie viele Männer, Diverse und Frauen
       sie einstellen und beschäftigen“, sagt die Grünenpolitikerin. Ab einer
       Fördersumme von 100.000 Euro sollten die Zahlen daher entsprechend
       ausgewiesen werden.
       
       ## Politische Untätigkeit
       
       „Der Gender Pay Gap ist kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis politischer
       Untätigkeit. Frauen in Berlin verdienen im Schnitt zehn Prozent weniger als
       Männer“, erklärt Haghanipour in einem Statement zu dem Antrag. Frauen
       verdienten 2,80 Euro weniger pro Stunde, „ein belegtes Brötchen“ –
       stündlich. „Nicht, weil Frauen schlechter verhandeln. Sondern weil sie
       strukturell benachteiligt werden“, kritisiert Haghanipour.
       
       Es sei besonders problematisch, dass der Senat nicht sagen könne, wie groß
       die Lohnunterschiede im eigenen Zuwendungsbereich seien. „Wer Millionen an
       öffentlichen Geldern vergibt, muss wissen, ob damit faire Löhne gezahlt
       werden. Öffentlich finanzierte Arbeit darf keine strukturelle Ungleichheit
       fortschreiben“, fordert Haghanipour. Denn gerade der Zuwendungsbereich
       verweise auf den Kern der Lohnlücke. „In Beratungsstellen, Kultur- und
       Integrationsprojekten leisten vor allem Frauen unverzichtbare Arbeit für
       diese Stadt“, betont sie.
       
       Der Equal Pay Day ist für die Grünen auch ein Anlass, auf andere „Gaps“ und
       Ungerechtigkeiten hinzuweisen. Auch in Führungspositionen und im Parlament
       seien Frauen noch unterrepräsentiert. „Die SPD hat auf ihrer Klausur
       beschlossen, dass sie sich für Parität im Parlament einsetzen will“, sagt
       Haghanipour. „Ich bin gespannt, wann ein Gesetzesentwurf kommt.“ So ein
       Gesetz könnte aber auch aus dem Parlament heraus entstehen. „Die Mehrheit
       dafür gäbe es“, sagt sie.
       
       Das Rechtsgutachten zu Paritätsregelungen, das [2][die SPD in Auftrag
       gegeben hatte], habe dem [3][noch mal Rückenwind] gegeben. „Es zeigt, dass
       es Wege gibt, das Paritätsgesetz rechtssicher umzusetzen“, hatte am
       Donnerstag auch Aziz Bozkurt, Staatssekretär für Soziales (SPD), im
       Parlament gesagt. Gesetze in Brandenburg und Thüringen waren in der
       Vergangenheit vor dem Verfassungsgericht gescheitert. Allerdings bezieht
       sich das [4][Gutachten erst mal auf die Listenaufstellung] (bei der dann
       entsprechend gleich viele Männer und Frauen aufgestellt werden müssten) und
       nicht auf eine paritätische Verteilung von Sitzen im Parlament.
       
       Aktuell sind die Grünen als einzige Fraktion mit mehr Frauen als Männern im
       Abgeordnetenhaus vertreten. Bei der Linkspartei ist das Verhältnis 50/50,
       in der SPD-Fraktion sind 42 Prozent Frauen, bei der CDU dagegen nur 25
       Prozent.
       
       27 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://berlin.us19.list-manage.com/track/click?u=23badfa9a1d538939494ea407&id=47bc03a371&e=959ab51305
 (DIR) [2] https://www.tagesspiegel.de/berlin/liste-im-reissverschlussverfahren-oder-mit-quote-spd-fraktion-will-berliner-paritatsgesetz-fur-mehr-frauen-im-parlament-15176829.html
 (DIR) [3] https://spd.berlin/lv-beschluss/chancen-nutzen-ein-gemeinsames-paritaetsgesetz-fuer-berlin-beschliessen/#:~:text=W%C3%A4hrend%2050,5%20Prozent%20der%20Bev%C3%B6lkerung%202024%20dem,SPD,%20Linke%20und%20B%C3%BCndnis%2090/Die%20Gr%C3%BCnen%20wirken.
 (DIR) [4] https://jan-lehmann.de/paritaet-jetzt-warum-berlin-ein-paritegesetz-braucht/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uta Schleiermacher
       
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