# taz.de -- Solidaritätsmarsch in der Slowakei: Kaum Unterstützung für Ficos Alleingang
> Tausende Menschen protestierten gegen den russlandfreundlichen Kurs der
> Regierung in Bratislava und zeigen ihre Unterstützung für die Ukraine.
(IMG) Bild: Bratislava, Slowakei, 24. Februar: Gedenken und politischer Protest zum Jahrestag der russischen Invasion
[1][Vier Jahre nach dem Beginn der russischen Vollinvasion in der Ukraine]
gingen am Dienstag mehrere Tausend Menschen in der slowakischen Hauptstadt
Bratislava auf die Straße. Der vom Bürgerverein Frieden für die Ukraine
organisierte Demonstrationszug startete in der Altstadt und endete vor der
ukrainischen Botschaft. Die Veranstaltung war zugleich Gedenkmarsch und
politischer Protest.
Die Teilnehmer gedachten der Kriegsopfer, brachten ihren Respekt für die
ukrainischen Verteidiger zum Ausdruck und forderten ein Umdenken der
Regierungspolitik. Die angekündigte slowakische Verweigerung von
Energieversorgung gegenüber Zivilisten im Kriegsgebiet wertete den
Organisatoren als mögliches Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Im Zentrum der Kritik stand daher auch Premierminister [2][Robert Fico] von
der links-nationalen Partei Smer. Denn Fico hatte jüngst die Einstellung
der slowakischen Notstromlieferungen an die Ukraine angeordnet – als
Reaktion auf die Unterbrechung der Öllieferungen über die
[3][Druschba-Pipeline.] Diese war ukrainischen Angaben zufolge Ende Januar
von Russland angegriffen und beschädigt worden. Fico behauptet jedoch, dass
die Ukraine absichtlich die Lieferungen an die Slowakei sowie Ungarn
verzögern würde.
Er begründete den Schritt mit dem Prinzip der Gegenseitigkeit: „Die
Slowakei ist ein souveränes Land und lässt sich nicht erpressen.“ Er warf
dem ukrainischen Präsidenten „unseriöse und feindselige Angriffe“ vor, die
der Slowakei finanziellen Schaden und „ernsthafte logistische
Schwierigkeiten“ bereiteten. Fico kündigte an, weitere Gegenmaßnahmen bis
hin zur Blockade eines EU-Beitritts der Ukraine in Erwägung zu ziehen. Ob
es dazu komme, liege allein an Kyjiw.
## Nicht die ganze Wahrheit
Was Fico dabei verschwieg: Die Stromlieferungen an die Ukraine laufen nach
wie vor. Laut dem ukrainischen Netzbetreiber Ukrenerho wird Strom weiterhin
aus allen angrenzenden EU-Ländern sowie aus Moldau importiert – bestätigt
auch durch Daten des slowakischen Netzbetreibers Seps. Der Grund: Ficos
Entscheidung betrifft ausschließlich die Notfallversorgung, die bei
drohenden Netzausfällen eingesetzt wird, nicht die regulären Stromexporte.
Diese liefen am Dienstag mit einer übertragenen Leistung von zeitweise fast
600 Megawatt weiter, wie slowakische Medien berichten.
Gefährlich werden die aktuellen Proteste Fico vorerst nicht, sagt der
Bratislavaer Politologe Radoslav Štefančík. Zu gewinnen habe Fico mit
seiner Politik aber auch nicht viel. Die Ölreserven in der Slowakei
reichten aus, die Preise seien stabil. Auch gebe es längst Alternativen,
etwa Angebote aus Kroatien, so Štefančík: „Die slowakische Regierung hat
das bis jetzt abgelehnt.“ Tschechien habe erfolgreich vorgezeigt, wie man
sich von russischer Energie lösen könne. Die slowakische Regierung
unternehme jedoch nichts in diese Richtung.
Štefančík zweifelt daran, dass Ficos Kurs allein als Zugeständnis an seine
Kernwählerschaft erklärbar ist. Er geht davon aus, dass Fico irgendwie mit
Putin und dem russischen Regime verbunden sein müsse. Anders sei dessen
Verhalten nicht schlüssig zu erklären. Gleichzeitig vermutet der Experte
ein innenpolitisches Ablenkungsmanöver: „Mit seiner antiukrainischen Linie
will Fico verhindern, dass laufende Strafprozesse gegen enge Vertraute in
den Mittelpunkt des öffentlichen Diskurses rücken.“
Innerhalb seiner Koalition stehe Fico weitgehend allein da. Keiner der
Regierungspartner – die sozialdemokratische Hlas und die rechtsextreme SNS
– habe sich klar positioniert. Hinzu komme eine auffällige Diskrepanz
zwischen Rhetorik und Realität, denn in den seltensten Fällen stimme Ficos
Regierung am Ende gegen den Rest der EU - [4][wie jüngst beim 20.
Sanktionspaket gegen Russland.] Eine dauerhafte Blockade des ukrainischen
EU-Beitritts hält Štefančík deshalb für unwahrscheinlich. Doch der
politische Preis, den Fico mit seiner russlandfreundlichen Politik zahlt,
wächst – zumindest auf den Straßen seiner Hauptstadt.
25 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Florian Bayer
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