# taz.de -- Die Wahrheit: Keine Diagnose durch die Hose
       
       > Gern mahnen Politbeobachter an, es sollten keine Fernbefunde zum
       > psychischen Zustand von Politikern erstellt werden. Ja, aber warum
       > eigentlich nicht!
       
       Gelegentlich passiert es, dass in den Medien jemand feststellt, dass es bei
       bestimmten Politikern sinnlos wäre, nach rationalen Gründen für ihr Handeln
       zu suchen, weil sie einfach nur narzisstische Psychopathen seien. Kaum ist
       das ausgesprochen, meldet sich irgendwo ein Journalist oder eine
       Journalistin und bezeichnet das als unseriös. Weil wir ja alle keine
       psychologische oder psychiatrische Ausbildung hätten und deswegen keine
       derartigen Diagnosen stellen könnten.
       
       Selbst Menschen, die diese Expertise besäßen, heißt es, sollten das nicht
       tun. Weil sie sich an das Ferndiagnoseverbot für Mediziner zu halten
       hätten: „Keine Diagnose – am Telefon und durch die Hose!“ Ein hübscher
       Reim, der Medizinstudierenden schon an der Uni eingebläut wird. Soll
       heißen, man müsse einen Menschen schon im Detail und face to face
       untersuchen, um bei ihm eine Krankheit diagnostizieren zu können. Darauf
       muss man allerdings ganz klar antworten: Ja, aber!
       
       Schließlich weiß ich ja auch, dass ein Gewitter ein Gewitter ist, obwohl
       ich kein Meteorologe bin. Oder man kann erkennen, dass ein Roman aus der
       Perspektive eines Ich-Erzählers erzählt wird, ohne dass man
       Literaturwissenschaften studiert hat. Hat jemand einen Unfall und ihm oder
       ihr schaut unterhalb des Knies ein dickerer Knochen aus dem Bein, ist es
       wahrscheinlich ein Schienbeinbruch. Ebenso kann auch jede halbwegs
       klardenkende Person die Dachschäden – man verzeihe mir diese ableistische
       Formulierung – von Donald Trump und Wladimir Putin erkennen.
       
       ## Wirres Gebrabbel
       
       Und das nicht erst seit gestern. Schon in seiner ersten Amtszeit, bevor
       Trump wirre gebrabbelte Impro-Monologe hielt oder Reporterinnen ohne Anlauf
       als „Piggie“ beschimpfte, lieferte er unzählige Bilder, die dringend in
       Lehrfilme über Persönlichkeitsstörungen aufgenommen werden sollten. Zum
       Beispiel, als er bei einem Nato-Gipfel den montenegrinischen
       Premierminister zur Seite schubste und sich dann breitbeinig, mit gerecktem
       Mussolini-Kinn neben Nato-Generalsekretär Stoltenberg für ein Gruppenfoto
       aufstellte.
       
       Oder denken wir an Putin, der Kanzler Scholz an das andere Ende eines
       überlangen, ansonsten leeren Tisches setzte, als wolle er mit ihm einen
       verschollenen Loriot-Sketch aufführen. Wäre das nicht Putin und der Kreml
       gewesen, hätte Olaf beim Erblicken des Tisches gesagt „Das ist doch jetzt
       albern!“ Und dann wäre er wieder gegangen.
       
       Aber so spielte er mit. So wie alle mitspielen. Weil es eben Gründe dafür
       gibt, die Dinge nicht beim Namen zu nennen. Vor allem der, dass man ja
       leider weiter mit den mächtigen Psychopathen kommunizieren muss.
       
       Ab und zu wünschte ich mir aber doch, dass bei „Markus Lanz“ nicht Markus
       Lanz und die üblichen Politnasen säßen, sondern Psychofachpersonal. Und
       dass diese dort eine Fallkonferenz zum Beispiel zur Patientin Alice Weidel
       abhielten. Mit Therapie- und Medikamentenempfehlungen. Telefon und Hose hin
       oder her.
       
       25 Feb 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hartmut El Kurd
       
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