# taz.de -- Heftige Kämpfe in Darfur: Tschad schließt seine Grenze zu Sudan
       
       > Sudans aufständische RSF-Miliz hat an der Grenze zu Tschad die Armee
       > angegriffen. Jetzt macht Tschad die Grenze dicht. Das erschwert
       > humanitäre Hilfe.
       
 (IMG) Bild: Nichts geht mehr: der Grenzübergang von Sudan nach Tschad bei Tiné, hier im November
       
       Die verheerende Situation der Zivilbevölkerung in Sudans Westregion
       [1][Darfur] droht sich weiter zu verschlimmern. Die Regierung des
       Nachbarlandes Tschad hat die Grenze zu Sudan und damit den wichtigsten
       Versorgungsweg für internationale humanitäre Hilfe in Darfur geschlossen.
       
       „Bis auf Weiteres“, [2][erklärte Tschads Regierung] am Montag in der
       Hauptstadt N'Djamena, sei jeglicher grenzüberschreitende Waren- und
       Personenverkehr „suspendiert“. Es bestehe lediglich noch die Möglichkeit,
       aus humanitären Gründen Sondergenehmigungen zu beantragen. Die
       Grenzschließung folge auf „wiederholte Inkursionen und Übergriffe durch
       Sudans Konfliktparteien auf tschadisches Staatsgebiet“.
       
       Tschad ist eines der am stärksten von Sudans Krieg betroffenen Länder, da
       es an Darfur grenzt und zahlreiche Volksgruppen beiderseits der Grenze
       leben. In Darfur hat der seit April 2023 tobende Krieg zwischen der Staats-
       und Armeeführung unter General Abdel Fattah al-Burhan und der in den
       Aufstand getretenen paramilitärischen Miliz RSF (Rapid Support Forces) von
       General Mohammed Daglo Hametti am meisten Opfer gefordert. Fast eine
       Million Menschen sind seit Kriegsausbruch nach Tschad geflohen.
       
       Tschad diente jahrelang nach UN-Untersuchungen als wichtiges Transitland
       für den militärischen Nachschub der RSF unter anderem aus den Vereinigten
       Arabischen Emiraten. Seit die Miliz aber in Darfur gezielt gegen die Ethnie
       der Zaghawa vorgeht, der auch Tschads Präsident Mahamat Déby angehört,
       haben sich die Beziehungen abgekühlt.
       
       ## Vormarsch der RSF-Miliz in Darfur
       
       Mehrere bewaffnete Rebellengruppen in Darfur, die historisch gute
       Beziehungen zu Tschads Militär unterhalten, kämpfen mittlerweile in Sudan
       auf Regierungsseite gegen die RSF. Den sogenannten Joint Forces aus Sudans
       Armee und Darfur-Rebellen ist es allerdings nicht gelungen, den Vormarsch
       der Miliz aufzuhalten.
       
       Die RSF hat seit 2023 alle fünf Provinzhauptstädte Darfurs unter Kontrolle
       gebracht. Die letzte, Nord-Darfurs Hauptstadt El Fasher, [3][fiel Ende
       Oktober 2025] nach zweijähriger Belagerung. Mutmaßlich mehrere Zehntausend
       Menschen wurden dabei getötet. [4][Tschad vermeldet seitdem] rund 26.500
       Neuankömmlinge aus Sudan, etwa 10.000 davon in Tiné
       
       Hilfswerke schlagen längst Alarm: Die Versorgung auf beiden Seiten der
       Grenze reicht bei Weitem nicht. In Sudan gewähren weder RSF noch Armee
       humanitären Hilfswerken Bewegungsfreiheit. Tschad – das Land Afrikas mit
       dem größten Flüchtlingsanteil an seiner Bevölkerung – ist chronisch
       unterversorgt. Über 200.000 Sudan-Flüchtlinge warten auf der tschadischen
       Seite der Grenze auf Weitertransport in sichere und versorgte
       Flüchtingslager.
       
       Erst im Januar lobte das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, dass Tschad trotz
       all seiner eigenen Probleme die Grenze zu Sudan offenhalte und
       Schutzsuchende ins Land lasse. Damit ist nun wohl Schluss. [5][Adré, der
       wichtigste Grenzübergang zwischen Tschad und Darfur], ist bereits vom Rest
       Sudans abgeschnitten. Nun hat die RSF auch den zweitwichtigsten
       Grenzübergang Tiné weiter nördlich eingekreist. Am Samstagabend vermeldete
       sie die „totale Kontrolle der strategischen Stadt Tina“, wie Tiné auf
       sudanesischer Seite heißt. Die „Joint Forces“ seien geflohen. Letztere
       haben das dementiert, die genaue Situation blieb am Montag unklar.
       
       ## Drohnen auf Zivilisten
       
       Die Kämpfe sind Teil einer Offensive der RSF, um die letzten noch nicht
       eroberten Teile Darfurs unter Kontrolle zu bringen sowie Nachschubrouten zu
       sichern. Viele Opfer von Drohnenangriffen landen auf der tschadischen Seite
       der Grenze im Krankenhaus von Tiné. Seit Oktober seien dort 1.000 Sudanesen
       behandelt worden, berichtete Anfang Februar das Krankenhauspersonal.
       
       Das UNHCR vermeldet seit Jahresbeginn eine deutliche Zunahme der Zahl von
       Vertriebenen bei Tiné/Tina. [6][Am 9. Februar sprach das UNHCR] von einem
       „Muster von RSF-Drohnenaktivität in der Grenzregion“. Eine Woche später
       vermeldete das UNHCR, ein Drohnenangriff habe am 13. Februar zwei Eltern
       und ein Baby auf einem Motorrad auf dem Weg über die Grenze nach Tiné
       getroffen und beide Erwachsenen getötet. Sudans Armee greife ihrerseits
       weiter südlich RSF-Gebiet mit Drohnen an. „Diese Vorfälle unterstreichen
       das wachsende Risiko, dass Sudans Konflikt auf Tschad übergreift“, so
       [7][der UNHCR-Bericht].
       
       Die Situation im Grenzgebiet verschlechtere sich, warnte „Team Zamzam“, ein
       aus den aufgelösten ehemaligen Flüchtlingslagern von El Fasher geflohenes
       Helferteam, in einem am Sonntag verbreiteten neuen Bericht aus Tina. „Große
       Zahlen von Vertriebenenfamilien leben in überfüllten Behausungen mit sehr
       begrenztem Zugang zu sauberem Wasser, Sanitäreinrichtungen, Lebensmitteln
       und medizinischer Versorgung“. Wiederholte Angriffe hätten „eine Atmosphäre
       der Angst“ erzeugt.
       
       Tschads Armee ist ebenfalls betroffen. Ende Dezember starben zwei
       tschadische Soldaten bei einem RSF-Drohnenangriff nahe Tiné. Mitte Januar
       töteten RSF-Kämpfer bei Tiné sieben tschadische Soldaten. Tschads Armee
       verurteilte am 16. Januar den Angriff und wies zugleich darauf hin, dass
       Sudans Regierungsarmee ihrerseits „multiple Luftraumverletzungen“ in Tschad
       begehe und mit „Propagandabotschaften“ innertschadische Konflikte anheize.
       Jeder erneuten „Aggression“ oder „Provokation“ werde man „unverzüglich,
       entschlossen und unbarmherzig“ entgegentreten. Fünf Wochen später setzt die
       Grenzschließung nun ein Zeichen.
       
       23 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Krieg-in-Sudan/!6106266
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 (DIR) [3] /Sudankrieg/!6125004
 (DIR) [4] https://reliefweb.int/report/chad/reponse-durgence-crise-soudanaise-lest-du-tchad-mise-jour-sur-la-reponse-10-fevrier-2026
 (DIR) [5] /Hungersnot-in-Sudan/!6028497
 (DIR) [6] https://reliefweb.int/report/chad/eastern-chad-sudanese-situation-flash-updates-44-09-february-2026
 (DIR) [7] https://reliefweb.int/report/chad/flash-update-45-new-sudanese-refugee-influx-chad
       
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 (DIR) Dominic Johnson
       
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