# taz.de -- Kollektiv-Fotobuch „Love“: An die Halsbeuge gedrückt
       
       > Wie lassen sich Momente der Liebe einfangen? Das Kollektiv
       > Femxphotographers sagt: in all ihrer Komplexität. Und zeigt 25
       > Perspektiven auf „Love“.
       
 (IMG) Bild: Elodie Grethen „Nila“
       
       Zwei Hemden, eins einfarbig, eins kariert, sorglos an der Tür aufgehängt.
       Eine Notiz, hinterlassen auf dem Bett. Es sind einfache Bilder, die Lee
       Everett Thieler in Kreuzberg aufgenommen hat, und trotzdem wecken sie ein
       Gefühl von Wärme, Geborgenheit. Die Bildserie von Thieler ist eine von 25
       im dritten Buch von „femxphotographers.org“, einem Kollektiv weiblich
       gelesener und non-binärer Fotograf*innen.
       
       Im Buch geht es ganz [1][unmissverständlich um die Liebe.] „LOVE“ heißt es,
       groß und in roten Buchstaben prangt der Titel auf dem Einband. Eine ganz
       klare und eine verschwommene, wellige Version des Wortes stehen hier
       untereinander. Genauso wie Liebe verschwommen, unklar, fragil sein kann.
       
       Mit eben dieser Vielgestalt setzt sich das Kollektiv auseinander. Und wie
       wir sie, und die Menschen, die wir lieben, einfangen können. Sie beziehen
       sich dabei auf [2][Autorin und Feministin bell hooks], für die Liebe etwas
       Alltägliches war, etwas, das immer präsent ist, ständig gespürt werden
       kann. Und für die Liebe kein Zustand, sondern ein Tun ist, das immer wieder
       erprobt werden muss.
       
       Die femxphotographers übersetzen diese Gedanken in Bilderserien. Die
       verschiedenen Fotograf*innen nehmen uns mit, in ihre Familien, ihre
       Gemeinschaften, und laden uns ein, daran teilzuhaben, wie sie Liebe
       wahrnehmen, wie sie sie ausdrücken und hinterfragen. Zusammengehalten
       werden die Serien durch das Design, jedes Foto ist schwarz-weiß. Und wie
       ein roter Faden zieht sich auch die Suche durch das Buch. Die Suche nach
       der anhaltenden, nach der alltäglichen Liebe.
       
       ## In verschlungenen Körpern
       
       Jocelyn Lee findet sie in ihrer Mutter Gayle, die sie in einer Zeitspanne
       von 28 Jahren immer wieder fotografiert. Die eine Frau zeigt, die sich
       verändert. Deren Gesicht faltiger, deren Haut fleckiger wird, aber deren
       Wesen gleich bleibt. Man sieht es in der immergleichen krausen
       Kurzhaarfrisur, den immergleichen Nachthemden, dem immergleichen leicht
       strengen, aufmerksamen Blick. Dem Blick, den sie auch im letzten Bild
       beibehält, in dem ihre Haare nicht mehr kraus, sondern abrasiert sind. In
       dem sie nicht mehr im eingelebten Schlafzimmer, sondern in einem sterilen,
       weißen Krankenhauszimmer sitzt.
       
       Thalía Gochez findet sie in der innigen Umarmung, dem Kopf, der an die
       Halsbeuge gedrückt wird. Dem zufriedenen Lächeln und dem Schriftzug auf dem
       dunklen T-Shirt: „Shoutout to Immigrant Parents, who came here with nothing
       but gave us Everything“.
       
       Sie findet sich im Verlangen, in den verschlungenen Körpern in „pink
       orchids“ von Kirsten Becken, der Distanz, dem respektvollen, dem unsicheren
       Blick in „Solomon“ und „Malika“ von Maïmouna Guerresi.
       
       Sieht man diese Bildstrecken, dann scheint es die konsequente
       Auseinandersetzung zu sein, diesem Begriff gerecht zu werden. Durch die
       Arbeit im Kollektiv wird die Liebe vielschichtig, komplex, subjektiv. Und
       sie wird politisch, zeigt Bilder aus Zeiten, in denen es nicht allen
       erlaubt ist, sich liebend zu zeigen. Auch hier bezieht sich das Kollektiv
       auf bell hooks: „The moment we choose to love we begin to move against
       domination, against oppression.“
       
       Nach diesem Prinzip richtet sich auch die Arbeit von femxphotographers.org
       generell. Das Kollektiv hat 15 Kernmitglieder, an diesem Buch haben sich
       zehn weitere Gäste beteiligt. Gemeinsam publizieren sie Bücher, kuratieren
       Ausstellungen und organisieren Events. Das Kollektiv soll aber auch ein Ort
       der Solidarität und gegenseitiger Unterstützung sein, in einer Kunstwelt,
       in der die [3][Perspektiven von Frauen und non-binären Künstler*innen]
       weiterhin unterrepräsentiert sind.
       
       26 Feb 2026
       
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