# taz.de -- Nachruf auf den „King of Salsa“: Für Willie Colón unterbrach Bad Bunny sein Konzert
       
       > Der Sänger, Posaunist und Komponist zählte zu den einflussreichsten
       > Latino-Künstlern seiner Generation. Nun ist er mit 75 Jahren gestorben.
       
 (IMG) Bild: „Es gab eine Zeit in New York, da wurde man als Latino verprügelt, wenn man irgendwo an der Ecke stand“, so Willie Colón über seine Erfahrungen mit Diskriminierung
       
       taz/dpa | Zu seinem elften Geburtstag bekam Willie Colón von seiner Oma
       Antonia eine Trompete. Das Geschenk sollte das Leben des in der New Yorker
       Bronx geborenen Jungen prägen. Denn schon damals begeisterte er sich für
       die afrokaribische Musik, die seine aus Puerto Rico stammenden Großeltern
       tagtäglich im Radio hörten. Dass er selbst einmal als „King of Salsa“
       gefeiert werden würde, ahnte der nun im Alter von 75 Jahren gestorbene
       Künstler damals nicht.
       
       Colón sei „friedlich“ im Kreise seiner Familie gestorben, teilten die
       Angehörigen am Samstag auf Facebook mit. Auch sein Manager Pietro Carlos
       bestätigte auf Linkedin den Tod des Künstlers. Die Gouverneurin von Puerto
       Rico, Jenniffer González, zollte in einer Mitteilung auf X Tribut: „Heute
       verabschieden wir uns mit tiefem Respekt von [1][Willie Colón], Meister der
       Posaune, Architekt des Salsa-Sounds und ewiges Vorbild unserer kulturellen
       Identität“.
       
       In der Nacht zum Sonntag unterbrach Latin-Superstar Bad Bunny sein Konzert
       in der brasilianischen Metropole São Paulo und würdigte die Rolle Colóns.
       Colón sei eine der „Legenden“ des Genres und „Inspiration“ für viele andere
       Musiker gewesen, sagte Bad Bunny in einem von einem Fan aufgezeichneten
       Video. Vor ein paar Monaten noch hatte Colón in einem Musikvideo von Bad
       Bunny einen Gastauftritt.
       
       ## „Soße“ aus den Latino-Vierteln New Yorks
       
       Schon mit 15 nahm er seine ersten Lieder auf, mit 17 Jahren brachte Colón –
       inzwischen zur Posaune gewechselt – seine erste LP heraus: „El Malo“. Das
       war 1967. Die Schallplatte, erschienen beim berühmten Salsa-Label Fania
       Records, wurde ein Erfolg und sollte Colón wie auch Leadsänger Héctor Lavoe
       (1946–1993) zu Stars machen.
       
       Colón galt als Mitbegründer des Musikstils mit starkem kubanischem und
       puertoricanischem Einfluss, für den sich der Begriff Salsa (Soße) erst in
       den Anfangsjahren seiner Karriere langsam durchsetzte. Geprägt wurde der
       Stil Mitte der 1960er Jahre in den Latinovierteln New Yorks, gemischt mit
       Elementen des Jazz und des Folk.
       
       In seiner mehr als 50-jährigen Karriere veröffentlichte Colón rund 40
       Alben, die sich über 30 Millionen Mal verkauften. Viele der Songs sind
       Klassiker des Genres. So etwa „La murga“, „El día de suerte“, „Todo tiene
       su final“ und „Calle Luna, Calle Sol“ an der Seite des Puerto-Ricaners
       Héctor Lavoe. Das US-Fachblatt Billboard zählte ihn zu den „30
       einflussreichsten Latinokünstlern aller Zeiten“.
       
       ## Das meistverkaufte Salsa-Album der Geschichte
       
       Andere Titel wie „Pablo Pueblo“, „Tiburón“, „Te están buscando“, „Pedro
       Navaja“ und „Plástico“ entstanden aus seiner Zusammenarbeit mit dem aus
       Panama stammenden Salsa-Poeten Rubén Blades. Mit ihm nahm er 1978 das Album
       „Siembra“ auf: Es gilt bis heute als die meistverkaufte [2][Salsa]-Platte
       der Geschichte.„Ich habe gerade bestätigt bekommen, was ich nicht glauben
       wollte: Willie Colón ist tatsächlich verstorben“, schrieb Blades auf
       Instagram und der Plattform X. Der 77-Jährige sprach der Familie des
       Verstorbenen sein „tiefstes Beileid“ aus.
       
       Gerade die Stücke mit dem aus Panama stammenden Blades – mit dem er sich
       später über Vertragsfragen zerstritt – stechen durch ihre ungewohnt
       sozialkritischen Texte hervor. Sehr erfolgreich waren aber auch Colóns
       Aufnahmen mit der in Havanna geborenen „Queen of Salsa“ Celia Cruz
       (1925–2003) sowie eigene Interpretationen wie „Idilio“ und „El gran varón“.
       Diese Stücke spielte er auch bei seinen zahlreichen Konzerten im Ausland,
       darunter viele Auftritte im deutschsprachigen Raum.
       
       ## Große Experimentierfreude
       
       Dabei war Colón nach Ansicht von Musikkritikern nicht unbedingt ein
       Virtuose seines Instruments und auch kein begnadeter Sänger. „Er klang aber
       immer wie er selbst, authentisch und effektiv“, sagte der venezolanische
       Autor und Salsa-Experte César Miguel Rondón. Gefeiert wurde Colón zudem als
       brillanter Komponist und Produzent sowie als großer Experimentierer, der
       verschiedenste Stile fusionierte. „Ich suche immer das Neue und versuche,
       die Menschen zu überraschen“, sagte er selbst in einem Interview der
       Zeitung El Tiempo. Das Titellied seines Debütalbums aus 1967, „El Malo“
       (Der Böse), spielte auf Colón selbst an und blieb bis zuletzt sein
       Spitzname.
       
       Da sein Vater im Gefängnis saß, musste er früh lernen, sich durchzusetzen
       und seine Schwester, seine Mutter und seine Oma – die Matriarchin der
       Familie – in Schutz nehmen. „Es gab eine Zeit in New York, da wurde man als
       Latino verprügelt, wenn man irgendwo an der Ecke stand“, sagte Colón im
       puertoricanischen Fernsehen über seine Erfahrungen mit Diskriminierung.
       „Ich musste keinen Streit suchen, dieser hat stets mich gefunden.“
       
       ## Colón war auch politisch aktiv
       
       Dies brachte ihn dazu, sich für die Bürgerrechte der spanischsprachigen
       Minderheit in New York zu engagieren. So war Colón später unter
       Bürgermeister Michael Bloomberg (2002–2013) Berater für kulturelle Belange
       der Latinos. Zuvor hatte er sich ohne Erfolg für das Amt des Ombudsmannes
       der Stadt beworben. Lange Zeit war Colón politisch bei den Demokraten
       angesiedelt – 2008 unterstützte er Hillary Clinton im Rennen um die
       Präsidentschaftskandidatur. Später machte er sich jedoch für den
       Republikaner Donald Trump und konservative Positionen stark, was ihm viel
       Kritik von Fans einbrachte.
       
       Nebenbei spielte Colón in einigen Kinofilmen und Serien mit. In der
       mexikanischen Telenovela „Demasiado corazón“ mimte er etwa einen
       Drogenermittler – und steuerte auch den Titelsong bei. Im April 2021 wurden
       seine Frau und er bei einem Unfall mit ihrem Wohnmobil schwer verletzt.
       Seither war es zunehmend still um den Musiker geworden.
       
       Für seine Fans in aller Welt war er der „King of Salsa“, für den
       kubanischen Autor und Musikkenner Leonardo Padura sogar mehr als das:
       „Willie Colón ist einer der unentbehrlichen Götter in der Salsa-Mythologie.
       Vielleicht sogar der Unentbehrlichste des gesamten Pantheons.“
       
       22 Feb 2026
       
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