# taz.de -- Vier Jahre Krieg in der Ukraine: Berlins Ort der Täter
       
       > Russlands Botschaft Unter den Linden ist in den vergangenen Jahren zum
       > Ort des Protests geworden. Von Posaunen bis hin zu Panzern war alles zu
       > sehen.
       
 (IMG) Bild: Ein von der Ukraine zerstörter russischer Panzer steht am ersten Jahrestag des Überfalls vor der russischen Botschaft
       
       epd | Rund 800 Meter trennen im Berliner Regierungsviertel ukrainischen von
       russischem Boden. In der Albrechtstraße in Berlin-Mitte steht die Botschaft
       der Ukraine, an der Prachtstraße Unter den Linden die der Russischen
       Föderation. Dass die Solidarität mit der Ukraine, die am 24. Februar 2022
       vom Nachbarland überfallen wurde, weiter anhält, zeigt sich an wenigen
       Orten so deutlich wie vor der diplomatischen Vertretung Russlands.
       
       Die Berliner Polizei hat von den Tagen des Kriegsbeginns bis Anfang Februar
       2026 insgesamt 261 Versammlungen vor der russischen Botschaft gezählt. Rein
       statistisch fand damit seitdem jeden fünften bis sechsten Tag eine
       Kundgebung vor dem Gebäude statt.
       
       Die bislang vier Jahre des Protests vor der Botschaft seien friedlich
       verlaufen, bilanziert die Berliner Polizei. Es seien „keine besonderen
       polizeilichen Zwischenfälle“ verzeichnet worden. Um die Ablehnung des
       Krieges und der Regierung in Moskau auszudrücken, wurden in den vergangenen
       Jahren verschiedenste Protestformen gewählt.
       
       ## Panzer und Gefängniszelle
       
       Im Januar 2023 wurde eine nachgebaute Gefängniszelle des inzwischen in
       einem russischen Straflager zu Tode gekommenen Oppositionspolitikers Alexej
       Nawalny (1976-2024) vor der Botschaft aufgestellt. Zum ersten Jahrestag des
       Überfalls stand dann ein zerstörter russischer T-72-Panzer vor dem Gebäude.
       Und ein Jahr später projizierten Greenpeace-Aktivisten Antikriegsparolen
       auf den Komplex.
       
       Die 800 Meter von der ukrainischen zur russischen Botschaft legt an jedem
       24. eines Monats in Erinnerung an das Datum des Kriegsbeginns eine
       Trauergemeinschaft zurück. Initiator ist unter anderem Thomas Jeutner,
       evangelischer Pfarrer in der Berliner Kapelle der Versöhnung. Die
       Teilnehmenden gehen den Weg miteinander verbunden durch ein schwarzes Band.
       Auch am vierten Jahrestag des Überfalls auf die Ukraine ist wieder ein
       Trauerweg geplant.
       
       Seit fast vier Jahren trifft sich zudem regelmäßig an Donnerstagabenden
       eine kleine Gemeinschaft auf der Mittelinsel des Boulevards Unter den
       Linden vor der russischen Botschaft. Auch der kalte Abend Anfang Februar
       mit leichtem Schneefall hält eine Gruppe von acht dick angezogenen Personen
       nicht ab. Vier von ihnen haben Musikinstrumente dabei. Sie sind Mitglieder
       des Posaunenchors des evangelischen Kirchenkreises Berlin-Stadtmitte. Wie
       immer musizieren sie um 18 Uhr etwa eine halbe Stunde lang. Es ist bereits
       dunkel an dem Wintertag, LED-Lampen erhellen ihre Notenblätter.
       
       Im März 2022 sei ihnen bei ihrem Stammtisch die Idee dazu gekommen, erzählt
       Kreisposaunenwart Tobias Richtsteiger. Musizieren gegen den Krieg, das sei
       „unser Zeichen, was wir machen können“, sagt er. Die Runde sei meist
       größer, gerade wenn es nicht so kalt ist. Richtig viele seien sie nie, aber
       darum geht es ihnen nicht. Manchmal würden sich Leute dazustellen und der
       Musik lauschen. Zum Repertoire der Musiker gehören Kirchenlieder wie „Gib
       Frieden, Herr, gib Frieden“, auch ein paar ukrainische Werke spielen sie.
       
       Einmal sei ein Mann vorbeigegangen, der in Richtung der Musiker gerufen
       habe, warum sie nicht an der Front kämpfen würden, erzählt Richtsteiger.
       „Wir können nicht kämpfen“, sagt der Kreisposaunenwart dazu: „Ich bin
       Kriegsdienstverweigerer.“ Ihr Beitrag zum Protest gegen den Krieg sei die
       Musik.
       
       Als letztes Stück erklingt an dem Abend aus den zwei Posaunen, der Trompete
       und der Tuba die ukrainische Nationalhymne. Sie trägt den Titel „Shche ne
       vmerla Ukraini“, „Noch ist die Ukraine nicht gestorben“. Ein älterer Mann,
       der die gesamte Zeit über mit einer ukrainischen Flagge stoisch neben den
       Musikanten stand, reckt die Fahne in die Höhe, als der letzte Ton
       verklungen ist. „Slava Ukraini“, ruft er: „Ruhm der Ukraine.“
       
       20 Feb 2026
       
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