# taz.de -- Welterbe Mathildenhöhe: Polizei räumt Waldbesetzung in Darmstadt
       
       > Die Stadt will Wald für ein Kulturinfozentrum roden. Waldbesetzer
       > fürchten nun um ihr alternatives Zentrum – und eine gefährdete Tierart.
       
 (IMG) Bild: Polizeikräfte räumen das Aktivist*innen-Camp an der Darmstädter Mathildenhöhe
       
       In den frühen Morgenstunden am Donnerstag haben rund 200 Polizistinnen und
       Polizisten den besetzten Osthang in Darmstadt geräumt. Die Einsatzkräfte
       leisteten dabei Vollzugshilfe für die Stadt Darmstadt, die an dieser Stelle
       genehmigte Rodungsarbeiten durchführen will. Das Gelände war im Dezember
       vergangenen Jahres von Aktivist*innen besetzt worden, die gegen die
       geplanten Bau- und Rodungsmaßnahmen protestieren.
       
       Bereits seit 2014 betreibt der Verein OHA auf dem Gelände ein alternatives
       Kulturzentrum. Ursprünglich war das Projekt von Studierenden nur temporär
       angelegt, entwickelte sich jedoch im Laufe der Jahre zu einem festen
       Bestandteil der Darmstädter Kulturlandschaft. Auf der Fläche organisierte
       der Verein über mehr als zehn Jahre hinweg Lesungen, Konzerte, Festivals
       und Flohmärkte. Der Ort galt vielen als Freiraum für kreative,
       niedrigschwellige und unkommerzielle Kulturangebote.
       
       Die Stadt Darmstadt plant nun, auf dem Osthang ein
       Unesco-Informationszentrum zu errichten. Für das Bauvorhaben sind
       Investitionen von rund 20 Millionen Euro vorgesehen. Hintergrund ist die
       Aufnahme der „Mathildenhöhe Darmstadt“ in die Liste des Unesco-Welterbes im
       Juli 2021. Dort befindet sich ein Ensemble aus Architektur, Skulpturen und
       Parkanlagen. Mit dem neuen Informationszentrum sollen Besucherinnen und
       Besuchern die Geschichte und Bedeutung des Welterbes nähergebracht werden.
       
       Im Juli vergangenen Jahres hatte die Stadt die „guten Nachrichten für die
       Kultur- und Veranstaltungslandschaft in Darmstadt“ angekündigt, für den
       Verein einen alternativen Standort gefunden zu haben. Das Bündnis „Osthang
       bleibt“, [1][unterstützt von der bundesweit aktiven Initiative „Wald statt
       Asphalt“], setzte sich jedoch weiterhin für den Erhalt des bisherigen
       Kulturzentrums dort ein. Die Rodungssaison hatte bereits im Oktober 2025
       begonnen, seitdem wurde mit einer Räumung gerechnet. Aus Sorge vor einem
       baldigen Baubeginn besetzten die Aktivist*innen das Gelände daher im
       Dezember.
       
       ## 40 von 130 Bäumen sollen gefällt werden
       
       „Wir sind zutiefst traurig, dass die Stadt den Mehrwert des Ortes als einen
       selbstverwalteten, unkommerziellen Raum gelebter Demokratie ohne
       Konsumzwang nicht anerkennt“, heißt es vom Bündnis „Osthang bleibt“.
       Stattdessen solle hier „ein nicht innovativer Neubau umgesetzt und über 40
       der circa 130 Bäume des Stadtwäldchens sollen dafür gefällt werden, während
       um die Ecke alte Jugendstil-Villen leer stehen oder von der Stadt als Büros
       genutzt werden, die wie geschaffen für ein Informationszentrum wären“.
       
       Das Bündnis weist außerdem darauf hin, dass im betroffenen Bereich
       [2][Vorkommen des Bergmolchs festgestellt] worden seien. Der Bergmolch ist
       nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. „Es ist verboten,
       geschützte Arten zu töten oder ihre Ruhestätten zu zerstören“, so das
       Bündnis. Die Stadt hingegen erklärte den geplanten Baubeginn für
       „rechtssicher“ und betonte, alle notwendigen Prüfungen und Genehmigungen
       eingeholt zu haben.
       
       Am Donnerstag versammelten sich bereits seit den frühen Morgenstunden
       dutzende Menschen vor den Absperrungen, die die Aktivist*innen noch am
       Abend zuvor errichtet hatten, und zeigten sich solidarisch mit den
       Besetzerinnen und Besetzern. Die Polizei versuchte, Barrikaden abzubauen
       und Aktivistinnen und Aktivisten mit Kränen aus den Bäumen zu holen. Wie
       viele Protestierende noch auf dem Gelände waren, war laut dem Hessischen
       Rundfunk noch am Donnerstagnachmittag unklar.
       
       Das Bündnis „Osthang bleibt“ hatte „den Erhalt des selbstverwalteten
       unkommerziellen Kunst- und Kulturorts am Osthang der Mathildenhöhe, den
       Stopp des Neubauvorhabens eines Informationszentrums, den Dialog der
       [3][Stadt mit Künstler*innen und Kulturinitiativen Darmstadts]“
       gefordert. Mit der Räumung ist der Konflikt um die zukünftige Nutzung des
       Geländes jedoch noch nicht beendet.
       
       20 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://wald-statt-asphalt.net/osthang-bleibt/
 (DIR) [2] /Naturschutzgebiet-in-NRW/!5900233
 (DIR) [3] /Tschechow-am-Staatstheater-Darmstadt/!6152585
       
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