# taz.de -- Sechster Jahrestag des Hanau-Anschlags: Hinhören und rechten Narrativen widersprechen
> Sechs Jahre nach dem Terroranschlag in Hanau mit zehn Todesopfern sind
> noch immer viele Fragen offen. Die Behörden haben versagt.
(IMG) Bild: Gehörten genauso zum „Stadtbild“: die Opfer eines rechtsterroristischen Anschlags in Hanau, hier ihre Porträts in einer Bahnunterführung in Köln
Nun ist es sechs Jahre her, dass neun Menschen in Hanau durch einen
Rechtsextremen aus dem Leben gerissen wurden, und inzwischen muss auch
Ibrahim Akkuş als zehntes Opfer genannt werden, der zuletzt an den
Spätfolgen verstorben ist. Doch für die Angehörigen ist ein würdiges
Erinnern bis heute kaum in Ruhe möglich. Dafür hätte es zuerst eine
umfassende Aufklärung gebraucht: lückenlos, mit klaren Konsequenzen und mit
Lehren. Die hätte das Leid der Angehörigen vielleicht nicht beendet, aber
anerkannt und womöglich etwas leichter gemacht.
Denn bis heute kämpfen viele nicht nur mit finanziellen Folgen, sondern
auch mit massiven psychischen Belastungen nach dem [1][Anschlag]. Das
behördliche Versagen, ebenso wie der Umgang mit den Angehörigen, ist für
viele bis heute nicht zu verarbeiten. Sechs Jahre später liegen die offenen
Fragen auf den Schultern von viel zu wenigen: von Angehörigen, von Teilen
der Zivilgesellschaft, von einzelnen Journalist*innen.
Währenddessen reicht die Ideologie, die solche Taten möglich macht, weiter,
bis in höchste politische Ebenen. Zur Erinnerung: Der Täter verfolgte am
Tag vor der Tat Reden des [2][rechtsextremen Björn Höcke]. Er bewunderte
diese Ideologie. Wer heute mit der AfD Politik macht, ihre Sprache
übernimmt, über „[3][Stadtbilder]“ hetzt oder „keine Paschas“ ruft, sollte
sich klarmachen: Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Mercedes
Kierpacz, Kaloyan Velkov, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz
und Gökhan Gültekin gehörten genauso zu diesem „Stadtbild“.
Sechs Jahre sind vergangen, und für diejenigen, die wegschauen wollen, wird
es jedes Jahr leichter. Und es liegt an uns allen als Gesellschaft, den
Angehörigen einen Teil ihrer Last abzunehmen: hinschauen, auch wenn es weh
tut. Zuhören, auch wenn es unbequem ist. Widersprechen, wenn rechte
Narrative normalisiert werden. Und solidarisch vor Ort bleiben, auch wenn
viele längst weg sind. Und Aufklärung einfordern – jeden Tag. Denn Hanau
ist nicht Vergangenheit. Hanau ist Gegenwart.
19 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Yağmur Ekim Çay
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