# taz.de -- Politischer Aschermittwoch der CSU: Das große Déjà-vu
       
       > In Passau feiert die CSU ihren Haudrauf Markus Söder. Dessen Feindbilder
       > sind die alten – zum Beispiel die „Habeck-Minions“.
       
 (IMG) Bild: „Eigentlich wollte ich über die Grünen fast nichts sagen“: CSU-Chef Markus Söder beim politischen Aschermittwoch
       
       Natürlich macht man sich Gedanken: Braucht’s das? Muss davon berichtet
       werden, wenn Hunderte, ja Tausende, überwiegend männliche Zeitgenossen am
       Morgen des Aschermittwochs beim Stammtisch zusammenkommen, eine Mass Bier
       um die andere zu sich nehmen und dann kräftig das Politisieren anfangen?
       Wobei in diesem speziellen Fall der am lautesten politisiert, der am
       wenigsten trinkt?
       
       Ja, natürlich braucht’s das, lautet die Antwort, wenn man sicherheitshalber
       noch mal in der Redaktion in Berlin nachfragt. Das ist doch immer so lustig
       bei euch da unten, so schön exotisch mit diesen Indigenen in ihren hübschen
       Trachten, und was der Söder immer sagt – zum Brüllen. Und überhaupt: die
       Chronistenpflicht!
       
       Na gut, denkt sich der verpflichtete Chronist, aber weil es ja doch in
       jedem Jahr dasselbe ist, entschließt er sich in diesem Jahr, seine
       [1][Zeilen vom politischen Aschermittwoch der CSU] schon niederzuschreiben,
       bevor dieser überhaupt stattfindet. „Dinner for One“ wird schließlich auch
       nicht jedes Jahr neu aufgezeichnet. Am Rosenmontag, während das übrige
       Bayern Fasching feiert oder sich auf die Suche nach beschneiten Skipisten
       begibt, setzt er sich also an den heimischen Schreibtisch und berichtet aus
       der Zukunft. Und der Passauer Dreiländerhalle.
       
       Die Szene ist bekannt, schreibt er: Fischsemmeln, Krapfen, Defiliermarsch,
       markige Sprüche und vor allem: viel, viel Bier. Auch dieses Mal fehlt es an
       nichts davon. Selbst der ältere Herr ist wieder da, der jedes Jahr stoisch
       mit einem selbstgebastelten Schild durch die Reihen zieht. „Mit Merz
       aufwärts ab März“ stand im letzten Jahr darauf. Diesmal ist es wieder ein
       Hoch auf den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, das er unter die
       Leute bringt.
       
       ## Braveheart statt Henriquatre
       
       Das Warm-up der Halle ist zwar unnötig, denn die hat sich schon seit halb
       neun in Stimmung getrunken, dennoch lässt sich CSU-Generalsekretär Martin
       Huber den Spaß nicht nehmen. Er freut sich, dass hier in Passau endlich mal
       wieder Klartext gesprochen wird. Hier beim „größten Stammtisch der Welt“,
       hier in der Dreiländerhalle vor „gefühlt 10.000“ Besuchern. Und Huber
       schwärmt für seinen Chef, den „Dr. Markus Söder“, wie es damals in den
       Neunzigern bei ihm am Ruperti-Gymnasium in Mühldorf die Klassenkameradinnen
       für Robbie Williams getan haben mögen.
       
       Zurück zur Politik: Zur CDU im niedersächsischen Peine beispielsweise, an
       die ein ganz besonderer Gruß geht. Wieder einmal haben die Freunde der
       Schwesterpartei die 650 Kilometer lange Anfahrt auf sich genommen hat, um
       diesem unvergesslichen Moment beizuwohnen.
       
       Und irgendwann ist es dann so weit. Noch ein schmissiges Imagefilmchen, und
       er tritt auf die Bühne: Er, Dr. Markus Söder, stellt sich ans Rednerpult,
       winkt in die Menge, lässt den Beifall auf sich niederprasseln. Die Show
       kann beginnen.
       
       Etwas übernächtigt schaut er aus, der CSU-Chef. Das mag aber lediglich am
       Dreitagebart liegen, den er heute trägt. Seinen „Henriquatre“, wie Experten
       sein eigentliches Bartmodell nennen, musste er sich jüngst abrasieren, es
       harmonierte nicht mit dem Braveheart-Faschingskostüm. Nun muss der Bart
       erst wieder nachwachsen.
       
       Als bayerische Braveheart-Ausgabe legt er nun los, nölt am
       Länderfinanzausgleich herum, der dazu führe, dass brave bayerische
       Steuerzahler für die Finanzierung Berliner Unisex-Toiletten oder Kitas
       aufkommen müssten, an der Erbschaftsteuer, die doch nur eine Neidsteuer
       sei, und an seinem schleswig-holsteinischen CDU-Amtskollegen Daniel Günther
       sowieso.
       
       ## Panda-Diplomat Söder
       
       Söder wiederholt noch mal seinen Vorschlag von der Klausurtagung der
       CSU-Fraktion Anfang Januar, [2][einige aus seiner Sicht überflüssige
       Bundesländer zusammenzulegen], was in der Menge gut ankommt. Und natürlich
       zieht Söder die Bilanz der ersten neun Monate der schwarz-roten
       Bundesregierung. Positiv fällt sie aus.
       
       Mit Lob spart Söder freilich auch nicht, wenn es um die bayerische
       Landespolitik geht, für die schließlich auch er verantwortlich zeichnet. In
       Bayern laufe eben alles besser als in den übrigen Bundesländern. Den
       üblichen Seitenhieb auf das Bremer Abitur, das in Söders Augen bekanntlich
       kaum mit dem Zeugnis eines bayerischen Erstklässlers mithalten kann,
       verkneift sich der Ministerpräsident diesmal allerdings.
       
       Stattdessen schießt Söder gegen Berlin. Das einzige, was die Hauptstadt dem
       Freistaat voraus habe, [3][seien zwei Pandas im Zoo]. Und auch dieser Makel
       sei bald behoben. Denn in den nächsten Jahren bekommt auch der Münchner
       Tierpark Hellabrunn zwei Exemplare der schwarz-weißen Kuscheltiere. Den
       Panda-Deal hat Söder bei seiner Chinareise vor zwei Jahren eigenhändig
       eingefädelt – ein Ausweis seiner ausgefuchsten China-Diplomatie. Die
       Message: Söder kann auch Außenpolitik.
       
       Und wer Außenpolitik kann, kann ohnehin noch viel mehr. Aber erst mal stehe
       er, sagt Söder, wie kein anderer hinter Friedrich Merz. Und man möge sich
       doch nur mal ausmalen, wie es in Europa derzeit aussähe, säße nicht Merz,
       sondern immer noch Olaf Scholz im Kanzleramt. Schlumpf hat er den SPD-Mann
       mal genannt. Merz werde doch als einziger Europäer in den USA ernst
       genommen. Er sei, so sagt Söder, „unser Trumpf bei Trump“. Und, nein, er
       lässt sich den Reim nicht entgehen. „Wir brauchen einen Trumpf, keinen
       Schlumpf!“ Der Stammtisch tobt.
       
       Dann noch ein paar ernste Worte zu den transatlantischen Beziehungen und
       zur AfD, Standing Ovations, Bayern-, Deutschland- und Europahymne, und die
       Fans sind entlassen und können den Nachmittag nutzen, um sich von dem
       aufwühlenden Ereignis zu erholen. Etwa auf der Busfahrt nach Peine.
       
       ## „Die Partei von Edmund Stoiber, Theo Waigel und mir“
       
       Gut, gut, Sie haben es geahnt: So läuft es bei der taz natürlich nicht, am
       Ende trieb das journalistische Pflichtgefühl den Reporter dann doch noch in
       die Dreiländerhalle, um abzugleichen, ob die CSU sich an den erwarteten
       Ablauf halten würde. Hier also der Realitäts-Check. Und ja, wir geben es
       zu: Es war dann doch einiges anders.
       
       Besonders betrüblich: Der ältere Herr war zum ersten Mal seit Jahren nicht
       da. Stattdessen trug ein Jüngerer ein Schild herum. „M. Söder – der FJS des
       21. Jahrhunderts“ stand darauf. Ebenfalls abwesend: der vermutete
       Dreitagebart. Söders „Henriquatre“ war zwar noch sehr kurz, aber doch schon
       fein säuberlich ausrasiert, übernächtigt wirkte Söder keinesfalls.
       Inhaltlich hat Söder die Erwartungen dagegen voll erfüllt. Nur: keine
       Pandas, keine Schlümpfe. Und den Seitenhieb aufs Bremer Abitur hat sich
       Söder dann doch nicht verkniffen. Die letzte Innovation, die aus Bremen
       gekommen sei, bemerkte er unter dem höhnischen Gelächter des Publikums,
       seien die Bremer Stadtmusikanten gewesen.
       
       Natürlich könnte man noch ein paar Sachen ergänzen von Söders Plauderstunde
       in diesem „Wohnzimmer von Franz Josef Strauß“. Stolz wäre der auf die
       heutige CSU, behauptet Söder und übernimmt gleich mehrmals die historische
       Einordnung der eigenen Person: „Strauß, Stoiber, Söder“, das sei „die lange
       Linie“, sagt er. Oder: „Hier ist die Partei von Edmund Stoiber, Theo Waigel
       und mir.“
       
       Auffallend viel spricht der CSU-Chef über die Grünen. Diese hätten „ein
       echtes Söder-Trauma“. Und offenbar lassen auch sie ihn nicht los.
       „Eigentlich wollte ich über die Grünen fast nichts sagen“, erzählt er.
       Eigentlich. Fast. Über [4][den Vorsitzenden der Grünen Jugend, Luis Bobga],
       der in einem Video zu einem eingeblendeten Bild von Söder „Hurensohn“
       gerappt hat, sagt er, er solle endlich mal was Ordentliches arbeiten.
       
       Dasselbe empfiehlt er dem bayerischen Landtagsabgeordneten Toni Schuberl,
       der nach der Cannabis-Legalisierung öffentlichkeitswirksam einen Joint im
       Landtag geraucht hat. Söder insinuiert, Schuberl liege die ganze Zeit nur
       bekifft im Landtag herum.
       
       ## „Prosecco-Pygmäen im Audi“
       
       Auch von den „Habeck-Minions“ spricht Söder. Gemeint sind die
       Bundesvorsitzenden der Grünen, die so blass und unbedeutend seien, dass man
       sich ihre Namen gar nicht merken müsse. Und wieder beschwört er einen
       angeblichen „Kulturkampf“ zwischen Grünen und Konservativen herauf. „Ich
       lass’ mir nicht vorschreiben, was ich esse“, ruft er in die Mehrzweckhalle.
       
       Dass Bayern christlich-abendländisch bleibe, garantiere ohnehin nur die
       CSU, sagt er etwas später und mit Blick auf die Debatte um den Paragrafen
       218: „Jedes Leben ist für uns gleich viel wert.“ Und an anderer Stelle:
       „Das Leben eines Polizisten ist wichtiger als das Leben eines
       Schwerverbrechers.“
       
       Natürlich kriegen auch die Linken ihr Fett ab. Als „Prosecco-Pygmäen“
       beschimpft er sie. Und dass Heidi Reichinnek, „die Rosa Luxemburg für
       Arme“, einen Audi fährt, empört ihn. Sie solle sich lieber in einen Trabi
       setzten „und nicht bayerische Produkte missbrauchen“. Und überhaupt:
       „Linksextremisten müssen auch hinter Schloss und Riegel.“
       
       Den anwesenden Journalisten empfiehlt er dann, statt mit KI Bilder zu
       fälschen, einmal pro Tag eine gute Nachricht zu bringen. Und dann erzählt
       er doch noch etwas von seiner Chinareise: Dort werde nach jeder
       Pressekonferenz geklatscht.
       
       18 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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