# taz.de -- Festnahmen in Frankreich: Linkspartei nach Tod eines Rechtsextremisten unter Druck
> In Frankreich wurden elf Verdächtige festgenommen, die mit der linken
> Partei LFI zusammenarbeiteten. Von dem Vorfall profitiert die Rechte.
(IMG) Bild: Lyon, 16. Februar: Blumen am Anschlagsort
Nach dem [1][gewaltsamen Tod des Rechtsextremisten Quentin Deranque] gerät
die Linkspartei La France insoumise (LFI) unter Druck. Unter den elf
Verdächtigen, die am Dienstag und Mittwoch festgenommen wurden, ist der
Parlamentsassistent des LFI-Abgeordneten Raphaël Arnault. Mehrere
Festgenommene sollen zudem der Antifa-Gruppierung Jeune Garde angehören,
die Arnault 2018 gegründet hatte.
Mindestens sechs Vermummte hatten den 23-jährigen Quentin Deranque
vergangene Woche am Rande einer Veranstaltung der LFI-Europaabgeordneten
Rima Hassan in Lyon zu Tode geprügelt. Die für ihr propalästinensisches
Engagement bekannte Hassan hatte an der Politikhochschule Sciences Po an
einer Konferenz teilgenommen.
Das rechtsextreme Frauenkollektiv Némésis hatte laut Staatsanwaltschaft
Deranque und andere „Freunde“ angeheuert, um eine Protestveranstaltung
gegen Hassan abzusichern. Der Mathematikstudent war Mitglied der
rechtsextremen und antisemitischen Action française, wie die Organisation
im Kurznachrichtendienst X bestätigte. Er hatte laut der
Investigativplattform Mediapart auch an einem Training der rechtsextremen
Schlägertruppe NR teilgenommen.
Mehrere Hundert Meter von Sciences Po entfernt griffen rund 20 Vermummte
Deranque und andere Unterstützer von Némésis an. Mindestens sechs traten
auf den am Boden liegenden Studenten ein, der am Samstag an den Folgen
eines schweren Schädeltraumas starb. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen
vorsätzlicher Tötung.
## Schweigeminute für Deranque
Die Nationalversammlung legte am Dienstag eine Schweigeminute für Deranque
ein. Vier Wochen vor der ersten Runde der Kommunalwahlen geriet die Sitzung
dann zu einer Abrechnung mit LFI. „Die extreme Linke hat Blut an den
Händen“, sagte der Fraktionschef der Konservativen, Laurent Wauquiez.
Justizminister Gérald Darmanin forderte LFI auf, die Taten der Jeune Garde
zu verurteilen.
Die Organisation ist seit vergangenem Jahr verboten. Die Insoumis hatte
gegen dieses Verbot protestiert, das der Staatsrat als oberstes
Verwaltungsgericht noch bestätigen muss. Für LFI-Frontmann Jean-Luc
Mélenchon ist die Jeune Garde eine „verbündete Organisation“, die seine
Kundgebungen vor Schlägern schütze.
„Wir akzeptieren die physische Gewalt nicht, egal, woher sie kommt“,
versicherte LFI-Fraktionschefin Mathilde Panot. Sie kritisierte
gleichzeitig diejenigen, die das Drama ausnutzten, „um uns zu beschmutzen“.
Sie erinnerte an den Tod des argentinischen Rugbyspielers Federico
Aramburú, den zwei Rechtsextremisten 2022 in Paris erschossen hatten.
„Was Sie tun, ist eine Schande“, reagierte Regierungschef Sébastien
Lecornu. „Man stellt nicht einen Tod einem anderen gegenüber. Es gibt keine
Gewalt, die in einer Richtung akzeptabel ist und in der anderen
inakzeptabel.“ Er forderte Panot auf, „Ordnung zu schaffen“: in ihren
Aussagen, aber auch in ihren eigenen Reihen.
## Die extreme Rechte profitiert
Laut dem Politologen Xavier Crettiez, der 2021 ein Buch über politisch
motivierte Gewalt in Frankreich veröffentlichte, sind rechtsextreme
Gruppierungen für die meisten Todesfälle verantwortlich. Nur fünf der
zwischen 1986 und 2021 gezählten 55 Todesfälle mit politischem Hintergrund
gingen auf das Konto der extremen Linken, sagte Crettiez im Fernsehen.
„[2][Die extreme Rechte und die Rechte profitieren], indem sie LFI und
‚ultralinken Terrorismus‘ gleichsetzen“, warnte der Politologe Philippe
Marlière in der Zeitung Le Monde. Das Ganze gehe mit einer Banalisierung
des rechtspopulistischen Rassemblement National (RN) einher. [3][RN-Chef
Jordan Bardella] wollte am Mittwochnachmittag eine Pressekonferenz zum Tod
von Quentin geben. Er warf Mélenchon vor, „mutmaßlichen Mördern die Türen
zur Nationalversammlung geöffnet zu haben“.
18 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Christine Longin
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