# taz.de -- Staatengipfel der Afrikanischen Union: Je düsterer die Gegenwart, desto leuchtender die Zukunft
       
       > Auf dem AU-Gipfel in Äthiopien verbreitet Gastgeber Abiy Ahmed Optimismus
       > und preist sein Land als Entwicklungsvorbild. Drumherum toben Kriege.
       
 (IMG) Bild: Äthiopiens Ministerpträsident Abiy Ahmed spricht auf dem Gipfeltreffen der Afrikanischen Union
       
       Für Gastgeber Äthiopien war der am Sonntag beendete [1][39. Staatengipfel
       der Afrikanischen Union (AU)] am Sitz der Organisation in der äthiopischen
       Hauptstadt Addis Abeba eine Steilvorlage. Das Gipfelmotto lautete
       „Nachhaltige Wasserversorgung und sichere Sanitärsysteme“ – Äthiopien
       beherbergt das größte Wasserkraftwerk Afrikas, die Talsperre [2][„Grand
       Ethiopian Renaissance Dam“ (Gerd)] am Blauen Nil, eingeweiht im September
       2025, und ist auf diese komplett eigenfinanzierte Investition und ihre
       Folgen sehr stolz.
       
       „Der wichtigste strategische Reichtum unseres Kontinents ist nicht, was wir
       aus dem Boden holen, sondern was wir entwerfen, bauen und lenken“, rief
       Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed [3][in seiner Eröffnungsrede].
       „Wasser ist mehr als ein Rohstoff, es ist eine Grundlage von Entwicklung,
       Innovation und Stabilität. Gerd zeigt, wie afrikanischer Erfindungsgeist
       geteilten Wohlstand voranbringen kann.“ Er fügte an: „Hier in Äthiopien
       haben wir gelernt, dass verantwortungsvolles Wassermanagement zentral für
       kluge Entwicklung ist.“
       
       Der Äthiopier malte ein resolut optimistisches Zukunftsbild für Afrika:
       lebenswerte Städte, digitalisierte Wirtschaft, menschliche Entwicklung. Mit
       Wasserkraft als wichtigster Energiequelle, zweistelligen Wachstumsraten, 48
       Milliarden gepflanzten Bäumen, dem ersten KI-Zentrum Afrikas und
       Investitionen in Mütter- und Kindergesundheit sei sein Land mit 130
       Millionen Einwohnern Vorreiter.
       
       „Jedes Kind sollte wohlgenährt, lernwillig und zur Teilhabe bereit zur
       Schule kommen“, so Abiy. Das schnell wachsende Afrika werde bis zum Jahr
       2035 mehr junge Menschen auf den globalen Arbeitsmarkt bringen als der
       ganze Rest der Welt – eine immense Herausforderung. „Jeder Fluss, den wir
       verwalten; jede Stadt, die wir bauen; jede digitale Plattform, die wir
       einsetzen – sie müssen Resilienz, Würde und Chancen generieren.“
       
       ## Kämpfe nahe Addis Abeba
       
       Noch während Abiy Ahmed sprach, tobten unweit von Addis Abeba Kämpfe
       zwischen der äthiopischen Armee und Rebellen der Amhara-Volksgruppe. Weiter
       nördlich steht die Region Tigray vor einer neuen Kriegsrunde, wie die
       ehemaligen Tigray-Rebellen in einem [4][Brief an die AU] als Garant des
       bestehenden Friedensabkommens warnten. Experten zufolge droht auch ein
       größerer Krieg zwischen Äthiopien und Eritrea, Äthiopien verlangt freien
       Zugang zum Roten Meer. Am Wochenende berief Äthiopiens Armee alle
       Reservisten wieder ein.
       
       Eskalierende bewaffnete Konflikte erleben Äthiopiens westliche
       Nachbarländer Sudan und Südsudan, das Leid der Menschen ist immens. Der
       östliche Nachbar Somalia bleibt Bürgerkriegsland, der Status der
       abgespaltenen Republik Somaliland ein regionaler Zankapfel. Äthiopiens
       Streit mit Ägypten um die Kontrolle des Nilwassers, in dem eigentlich die
       AU vermitteln soll, ist verbal neu aufgeflammt, seit US-Präsident Donald
       Trump Sympathien für Ägypten erkennen ließ, das den Gerd-Staudamm in
       Äthiopien als Bedrohung wertet.
       
       Am Kontrast zwischen Worten und Realität ändert dieser Gipfel wenig. Die AU
       ist schwach angesichts der Häufung von Militärputschen und Wahlfälschungen,
       ihre Konfliktvermittlung versandet ebenso regelmäßig wie Versuche zur
       Verringerung ihrer Abhängigkeit von externen Gebern.
       
       Von den neuen Leitern der AU, die jetzt ihren ersten Auftritt hatten, ist
       da wenig zu erwarten. Der jährlich wechselnde AU-Vorsitz geht dieses Jahr
       von Angola an Burundi über, also von einem der größten an eines der
       kleinsten Länder Afrikas, dessen Armee am Krieg in der DR Kongo teilnimmt
       und mit [5][Vorwürfen von Übergriffen gegen die dortige
       Banyamulenge-Tutsi-Minderheit] konfrontiert ist. Neuer AU-Kommissionschef
       ist Mahamoud Ali Youssouf, langjähriger Außenminister des kleinen
       Dschibuti, der sich vor genau einem Jahr in einer Kampfabstimmung mit der
       Unterstützung von nur 33 der 55 AU-Mitglieder gegen Kenias ehemaligen
       Premierminister Raila Odinga durchsetzte und sich erst noch bewähren muss.
       
       Afrika brauche Frieden, aber dafür habe die AU ein Programm, sagte Youssouf
       auf der [6][Abschlusspressekonferenz] und illustrierte damit ungewollt das
       Problem, dass AU-Beschlüsse selten umgesetzt werden. Einer davon ist die
       Forderung nach ständigen Sitzen mit Vetorecht für Afrika im
       UN-Sicherheitsrat. Dafür fand beim Gipfel nicht die AU, sondern
       UN-Generalsekretär António Guterres [7][die klarsten Worte]. „Das Fehlen
       ständiger afrikanischer Sitze im Sicherheitsrat ist nicht zu rechtfertigen.
       Dies ist 2026, nicht 1946“, rief er. „Wenn Entscheidungen über Afrika und
       die Welt auf dem Tisch liegen, muss Afrika am Tisch sitzen.“
       
       16 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://au.int/en/summit/39
 (DIR) [2] /Grand-Ethiopian-Renaissance-Dam/!6111919
 (DIR) [3] https://www.facebook.com/FDRECommunicationService/videos/remarks-at-the-39th-african-union-summitprime-minister-abiy-ahmed-phd/1413794063629704/
 (DIR) [4] https://martinplaut.com/2026/02/13/ethiopia-open-letter-from-the-tplf-to-the-african-union-summit-as-renewed-conflict-looms/
 (DIR) [5] /Krieg-im-Osten-der-DR-Kongo/!6140505
 (DIR) [6] https://vimeo.com/event/5732917?fl=so&fe=fs
 (DIR) [7] https://www.un.org/sg/en/content/sg/statements/2026-02-14/secretary-generals-remarks-the-39th-african-union-summit
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
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