# taz.de -- Klimawandel „höhlt Fundament der EU aus“: EU-Expert*innen fordern Anpassung an 3 Grad Erderhitzung
> Der wissenschaftliche Klimabeirat der EU fordert eine einheitliche
> Strategie zur Klimaanpassung. Die werde aber ohne Klimaschutz nicht
> ausreichen.
(IMG) Bild: Flutalarm nach ungewöhnlich heftigen Regenfällen in Montemor-o-Velho, Portugal, 11. Februar
Die EU sollte sich an eine Erderhitzung von etwa 3 Grad anpassen. Das raten
Wissenschaftler*innen im Klima-Expert*innenbeirat der EU. „Die
zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels verdeutlichen, dass die Stärkung
der Klima-Anpassung keine Option, sondern eine Notwendigkeit ist“, sagte
Ottmar Edenhofer, Ökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und
Vorsitzender des Expertenrats.
Stürme, Überschwemmungen und Hitze werden mit zunehmender Erderhitzung
häufiger und heftiger. Europa erhitzt sich zudem schneller als andere
Erdteile: Während die globale Durchschnittstemperatur seit Beginn der
Industrialisierung um etwa 1,4 Grad gestiegen ist, ist Europa ungefähr 2,4
Grad heißer geworden.
Seit Anfang des Jahrzehnts wurden dem Beirat zufolge jährlich im Schnitt 45
Milliarden Euro an Schäden durch Folgen der Erderhitzung verursacht. Allein
im vergangenen Sommer seien 24.000 Menschen wegen der Hitze gestorben.
Die Folgen des Klimawandels „höhlen das Fundament der EU aus“, warnen die
Forscher*innen. Aufgrund der zunehmenden Wetterextreme und Belastungen der
Infrastruktur könne die EU Sicherheit, Energieunabhängigkeit,
Wettbewerbsfähigkeit, sozialen Zusammenhalt sowie die Stabilität der
Demokratie immer weniger gewährleisten.
## Anpassung allein ist nicht genug
Klima-Anpassung sei zwar am effektivsten, wenn sie an die lokalen
Gegebenheiten angepasst werde, so der Klimabeirat. Trotzdem brauche es
einen EU-weit einheitlichen Rahmen. Einerseits, weil es lokal häufig an
Ressourcen und Möglichkeiten zur Planung mangele. Andererseits, weil auch
grenzüberschreitende Maßnahmen nötig sind, um zum Beispiel Schienen,
Straßen, Stromleitungen und Pipelines an die Folgen des Klimawandels
anzupassen oder Flusssysteme zu schützen.
Um diesen gemeinsamen Rahmen entwickeln zu können, fordern die
Forscher*innen, dass sich alle EU-Länder einigen, von wie viel Grad
Erderhitzung sie ausgehen. Sie schlagen vor, sich [1][an den Modellierungen
von Weltklimarat und UN-Umweltprogramm] zu orientieren. Sie sagen bei einer
Fortsetzung der aktuellen Klimapolitik etwa 2,8 Grad Erderhitzung voraus.
In Europa läuft das dem Klimabeirat zufolge auf etwa 4 Grad Erhitzung
hinaus. Entsprechend müssten alle EU-Länder ihre Anpassungsmaßnahmen auf 4
Grad Erhitzung in Europa ausrichten, wenn sie dem Vorschlag des
Expert*innenrats folgen. Frankreich zum Beispiel tut das bereits.
Welche Kosten damit einhergehen, haben die Forscher*innen nicht
berechnet. Die EU-Kommission [2][schätzt], dass jährlich etwa 70 Milliarden
Euro öffentlicher und privater Mittel nötig sind, um sich bis 2050 an die
Folgen der Erderhitzung anzupassen.
„Anpassung kann nicht alle Klimafolgen verhindern, aber Risiken
reduzieren“, sagte Edenhofer. Es reiche aber nicht mehr aus, sich
stückweise anzupassen. Nötig sei vielmehr „transformativer Wandel“: Anstatt
in der Landwirtschaft zum Beispiel die Bewässerung leicht zu verändern,
müssten Landwirt*innen in einigen Regionen gänzlich neue Formen der
Bewirtschaftung erlernen.
Der EU-Expert*innenrat warnt gleichzeitig davor, sich angesichts einer
immer [3][heißer] [4][und] [5][gefährlicher] werdenden Welt auf
Anpassungsmaßnahmen zu verlassen: Sie könne „nicht alle Auswirkungen des
Klimawandels verhindern“, sagte Jette Bredahl Jacobsen, stellvertretende
Vorsitzende des Beirats. Deshalb seien Klimaschutzmaßnahmen weiterhin
unerlässlich, „um Klimagefahren auf ein beherrschbares Niveau zu
begrenzen“.
17 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Emissions-Gap-Report-2025/!6126810
(DIR) [2] https://climate.ec.europa.eu/news-other-reads/news/eu-needs-invest-eu70-billion-year-climate-adaptation-2050-2026-01-23_en
(DIR) [3] /Klimafolgen/!6147744
(DIR) [4] /Waldbraende-in-Argentinien-und-Chile/!6153643
(DIR) [5] /Unwiderrufliche-Erderhitzung/!6153691
## AUTOREN
(DIR) Jonas Waack
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