# taz.de -- Niedersachsens erste Schutzpolizistinnen: „Es gab nicht genügend Männer, die Polizist werden wollten“
       
       > Wer darf die Staatsgewalt vertreten? Historikerin Florentine Pramann über
       > die ersten Polizistinnen in Niedersachsen – und wieso der Rock ein Thema
       > war.
       
 (IMG) Bild: 1981: Erste Schutzpolizistinnen werden auf dem Rathausplatz in Hann. Münden (Niedersachsen) vereidigt
       
       taz: Frau Pramann, es ist interessant, dass [1][im Titel Ihres Vortrags
       über die ersten Schutzpolizistinnen Niedersachsens] der „Rock“ auftaucht.
       Ist das nicht ein Beleg für das alte Problem, dass Frauen zuallererst nach
       ihrem Aussehen beurteilt werden? 
       
       Florentine Pramann: Tatsächlich war das häufig der Fall. Ich habe mir etwa
       30 Zeitungsartikel zu dem Thema angesehen, und da fällt auf, dass die
       Frauen auf den Fotos jung sind und dem damaligen Schönheitsideal
       entsprachen. Da wurde das Bild von der kompetenten, freundlichen Polizistin
       gezeichnet. Spannend ist auch, dass die Frauen möglichst nicht nur jung und
       hübsch sein sollten, sondern der Fokus auch auf der blonden Haarfarbe lag.
       
       taz: Wirken die Artikel aus heutiger Sicht nicht auch ziemlich merkwürdig? 
       
       Pramann: Definitiv. Heutzutage sind Polizistinnen ja völlig normal. Aber
       schaut man sich die Zeitungsartikel von damals an, merkt man, dass es ein
       langer Weg bis zum Status quo war.
       
       taz: Wie sind Sie überhaupt auf dieses Thema gekommen? 
       
       Pramann: Ich habe meine Bachelorarbeit über Frauen in der Bundeswehr
       geschrieben, weil ich es immer schon spannend fand, mir einen
       gesellschaftlichen Bereich anzuschauen, der sehr stark durch Männlichkeit
       geprägt ist – und zu schauen, was passiert, wenn es dort auf einmal eine
       große Veränderung gibt. Ich habe es als Forschungsvorhaben angenommen und
       dann hauptsächlich mit einem Quellenkonvolut zu dem Thema gearbeitet, das
       von der damaligen Landespolizeischule Niedersachsen stammte.
       
       taz: Ende 1980 kündigte der niedersächsische Innenminister Egbert
       Möcklinghoff an, ab 1981 im Rahmen eines Modellversuchs auch Frauen in die
       niedersächsische Schutzpolizei einstellen zu wollen. Wie kam es dazu? 
       
       Florentine Pramann: Das hatte hauptsächlich drei Gründe. Am wichtigsten war
       der Gleichberechtigungsgedanke. Dann existierte innerhalb von Politik und
       Polizeiführung die Vorstellung, dass Frauen schutzpolizeiliche Aufgaben
       besser bewältigen könnten, weil die Männer zum Teil ein wenig ruppig
       daherkamen. Bei den Frauen hatte man die Idee, dass diese kommunikativer
       und empathischer arbeiten würden. Aber der dritte Punkt, der nicht
       unterschätzt werden sollte, waren die Personalprobleme. Es gab damals nicht
       genügend Männer, die Polizist werden wollten – zu groß war die Konkurrenz
       mit anderen Arbeitgebern.
       
       taz: Mit welcher Grundthese haben Sie dann zu forschen begonnen? 
       
       Pramann: Ich ging davon aus, dass die Schutzpolizei damals großen
       Wandlungsprozessen unterworfen war. In den 50er und 60er Jahren war sie
       noch sehr militärisch geprägt – sowohl in der Ausbildung wie auch im
       polizeilichen Alltag. Doch langsam setzte sich die Vorstellung durch, dass
       die Polizei ziviler werden sollte. So sollte zum Beispiel der Bürger eine
       größere Rolle spielen als der Straftäter. Man wollte bürgernah, friedlicher
       und demokratischer wirken. Und auch das hat den Weg zur Öffnung der Polizei
       für Frauen bereitet.
       
       taz: Irgendwie kommen auch wir hier nicht um den Rock herum. Die Gestaltung
       der Uniformen der Polizistinnen war ein wichtiges und viel diskutiertes
       Thema. 
       
       Pramann: Tatsächlich spielte es damals eine große Rolle. Ein Rock und hohe
       Schuhe waren zum Beispiel beim Einsatz auf der Straße nicht sehr praktisch.
       Außerdem wurde die Kopfbedeckung zu einem Problem. Zuerst haben die Frauen
       Schiffchen und Barett getragen, aber die sind beim Laufen vom Kopf gefallen
       und haben sich bei Regen mit Wasser vollgesogen.
       
       taz: Und Frauen mit Waffen in der Hand war damals auch nicht jedermanns
       Sache. 
       
       Pramann: Genau. Die Frage war: Wer darf die Staatsgewalt vertreten? Wer
       darf Uniform und eine Waffe tragen? Einige Männer erinnerten Frauen mit
       Waffe an weibliche Terroristinnen dieser Zeit. Aber das Unbehagen gab es
       auch auf der anderen Seite. Die Hannoversche Allgemeine zitierte eine der
       Polizistinnen in einem Interview beispielsweise mit den Worten: „Beim
       Abdrücken mache ich immer die Augen zu.“
       
       16 Feb 2026
       
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