# taz.de -- Demo in den Elbvororten: Kämpfen für Parkplätze?
       
       > Hamburg ist geübt im Umgang mit Demos und Krawall. Wenn auch nicht
       > überall: An der noblen Elbchaussee gibt es da offenbar noch
       > Nachholbedarf.
       
 (IMG) Bild: Gefühlter Ausnahmezustand: die Hamburger Elbchaussee
       
       Es ist kein angenehmer Sonntag, nein, kein Einmummeln unter der warmen
       Bettdecke, während draußen der Regen an die Fensterscheibe prasselt.
       Stattdessen geht es zu einer Demo. Demo – das heißt doch Einstehen für das
       Gute, kämpfen für die eigenen Interessen. Manchmal muss das eben sein, auch
       an einem verregneten Sonntag.
       
       Das Besondere: Die Demo ist im Hamburger Westen, in den noblen Elbvororten.
       Und sie ist für den Erhalt der Elbchaussee. Die muss nämlich „gerettet“
       werden, [1][vor drohenden Fahrradwegen] und dem totalen Verkehrschaos. Die
       Elbchaussee, das ist etwas „ganz Besonderes“. Eine Straße mit Elbblick,
       schicken Villen und ganz viel Lebensgefühl. „Auch da im Stau zu stehen, auf
       der Elbchaussee, ist doch herrlich“, sagte einst Otto Waalkes in einer
       NDR-Reportage. Hier scheint die Welt noch in Ordnung.
       
       Und damit das auch so bleibt, stehen hier rund 100 Menschen. Sie wollen ein
       Zeichen setzen, gegen „die da oben“, die einfach so über ihre Köpfe hinweg
       entscheiden. Wobei – „das Problem sind nicht die Grünen, das Problem sind
       die, die sie wählen“, raunt ein Mann, kurz bevor er die anwesenden
       Polizisten maßregelt, sie sollen doch den Motor ihres Autos abstellen.
       
       ## Straßenkämpfer in den besten Jahren
       
       Der Altersdurchschnitt ist – nett formuliert – etwas gehobener, genauso wie
       das „Klientel“, das sich zu dieser Demo eingefunden hat. Trotz des Alters
       scheint es für die meisten hier die erste Demo zu sein. „Ich bin auf der
       Demo, ja, meiner ersten Demo“, spricht ein Mann in seine Smartwatch, selbst
       ein wenig ungläubig.
       
       Doch es geht ja um was. Darum, dass die Straße nicht zu lange voll gesperrt
       wird; am Ende dann doch aber irgendwie nur um eins: ihre Parkplätze. Die
       sollen nämlich weg, ein Fahrradweg soll dafür her. Das geht natürlich
       nicht, wo sollen sie dann parken, die schicken Autos?
       
       Also protestieren sie, die Menschen von der Elbchaussee. Eine Menschenkette
       ist ihr Mittel der Wahl. Eine Strecke von 550 Metern wollen sie abdecken,
       dafür reichen die rund 100 Anwesenden natürlich nicht aus. Sie probieren es
       trotzdem, stellen sich auf die Straße – „auf die Straße, nicht auf dem
       Gehweg?“ – und halten sich an den Händen. Es wirkt etwas unkoordiniert,
       Lücken reißen auf, vereinzelt wird der Ruf nach etwas mehr Ordnung laut.
       „Kann das einer hier mal dirigieren?“
       
       Das mit dem Dirigieren scheint nicht so recht zu klappen. Stattdessen
       mutiert die Kette mehr und mehr zu einem Spaziergang. Im Gänsemarsch, 550
       Meter für die Parkplätze. Zwischendurch gibt es immer wieder
       Zwischenstopps, „Bildangebote“ für die anwesende Presse. Man stellt sich
       auf, versucht sich möglichst zu strecken. Das gelingt nicht immer, es
       herrscht Unklarheit, welcher Teil der Kette jetzt in welche Richtung
       aufrücken soll.
       
       Ein Ordner scheint sichtlich Spaß an seiner neuen Rolle zu haben. „Alle
       Mann in Reih und Glied“, scherzt er und ist auch sonst bestens gelaunt.
       Demo – vielleicht kommen sie ja doch noch auf den Geschmack.
       
       ## Es bleibt friedlich
       
       Die Demo zieht weiter, immer die Straße hinauf. Die anfängliche Skepsis
       über das Auf-der-Straße-Gehen ist schnell überwunden, und man kann auch
       froh sein, nicht auf dem Gehweg laufen zu müssen, der von tiefen Pfützen
       übersät ist.
       
       Es geht vorbei an den Parkplätzen, die teilweise noch frei sind. Auf der
       Straße steht ein Tesla, niemand scheint sich daran zu stören. Auch Autos
       lässt man bereitwillig passieren. So richtig will kein Demofeeling
       aufkommen. Niemand schreit irgendwelche Parolen oder hält Schilder in den
       Händen. Noch nicht mal ein Megafon ist organisiert. Ganz ruhig, besonnen
       und leise zieht sich der Demonstrationszug die Elbchaussee entlang.
       
       Und nach einer halben Stunde ist es auch schon wieder vorbei. Der Demozug
       ist angekommen, am „Schulberg“, einem wirklich steilen Weg, direkt hinunter
       zum Elbstrand.
       
       Im Rücken steht die „Weiße Villa“, ein Prachtbau mit schicken Säulen am
       Eingang und ganz viel Rasenfläche drumherum. Auch die anderen Häuser geizen
       nicht gerade an Platz. Könnten die nicht etwas abgeben? Für die Parkplätze?
       
       27 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Johannes Strauch
       
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